Freitag 22. Juni 2018
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Gebet

Die Verteidigung des Unnützen

Was bringt Beten? Darf man so fragen?

Plädoyer von Melanie Wolfers für eine Rückbesinnung auf den Kern des Betens, die Liebe zu Gott.

„Wenn Beten sich lohnen würde, was meinst du, was ich dann beten würde! Ich würde beten, was das Zeug hält! Ich würde beten auf Teufel komm raus!“ Mit solchen Sätzen fragte schon vor vielen Jahren die deutsche Rockband BAP nach dem Nutzen des Gebets. Die Frage nach Gewinn und Rendite ist die Perspektive einer ökonomischen Weltsicht. Man prüft, ob sich die Investition lohnt und strebt nach Gewinnmaximierung. Alles wird daran gemessen, ob es sich „auszahlt“. Diese Denkweise ist für viele Lebensbereiche sicher nützlich. Doch wenn es zu einer Ökonomisierung aller Lebensbereiche kommt, dann droht das Menschliche unter die Räder zu kommen.

 

Dies gilt auch für das Gebet. Selbstverständlich lässt sich das Gebet unter dem Aspekt seiner Nützlichkeit betrachten. Ganz auf dieser Linie liegen Untersuchungen, die meditierenden Mönchen und Nonnen mit EEG und Kernspintomografie zu Leibe rücken. Das Ergebnis vieler Studien legt nahe: Beten tut gut! Ja, betende Menschen sind gesünder. Glaube wirkt sich unterm Strich offenkundig positiv auf die Gesundheit aus, weil er zum Beispiel hilft, mit psychischen Belastungen des Lebens besser zurechtzukommen. Wer die eigenen Nöte ins Gebet nehmen und damit Stress abbauen kann, dessen Immunsystem wird weniger beansprucht.

 

Ein Beziehungsgeschehen 

Doch was besagen solche Untersuchungen? Man könnte aus den positiven Nebenwirkungen des Betens den Schluss ziehen: Gebet beruht auf einer Kosten-Nutzen-Rechnung, der es um einen bestimmten Gewinn geht. Tatsächlich finden sich in der Volksreligiosität viele Versuche, mit Gott ein Geschäft zu machen: Man bietet Gott Gebet und Opfer an, um im Gegenzug etwas von ihm zu erhalten.

 

Doch Glaube und Beten kennt Dimensionen, die über eine solche Mentalität weit hinausgehen. Ich möchte dies an einem Beispiel verdeutlichen: Wir können eine Freundschaft zwischen zwei Menschen daraufhin untersuchen, welchen Nutzen die beiden davon haben und was die Beziehungen ihnen „bringt“. Und es wird vermutlich deutlich werden: Ihre Beziehung bringt ihnen manche Vorteile. Wer etwa mit einer Informatikerin befreundet ist, weiß, dass er sich an sie wenden kann, wenn der Computer mal wieder abgestürzt ist.

 

In jeder Freundschaft oder Ehe gibt es vermutlich viele solcher nützlichen Eigenschaften, die der andere mit sich bringt. Doch der Kern dessen, warum ich mit einem Menschen befreundet bin, ist damit noch in keinster Weise berührt! Im Gegenteil: Wenn jemand meine Freundschaft nur sucht, weil er sich davon Vorteile verspricht, würde er dadurch nicht eine wirkliche Freundschaft von vornherein zerstören? Und wer würde ernsthaft eine Freundschaft mit jemandem eingehen wollen, der sich vor allem fragt, ob sich die Beziehung „rechnet“?

 

Freude am Du

 

Warum also beten wir? Natürlich auch, um etwas davon zu haben! Denn wie in einer Freundschaft dürfen wir auch Bitten äußern und die Hilfe des anderen in Anspruch nehmen. Aber der glühende Kern ist etwas anderes: Es ist die reine Freude am Du. Die innerste Mitte des Betens ist die Freude darüber, dass es Gott gibt und dass sich dieser Gott uns liebevoll zuneigt. Es ließe sich auch sagen: Wir beten aus Liebe zu Gott.

 

Was Liebe zur Liebe macht, ist aber gerade der Aspekt des Uneigennützigen. Wir sehen von uns selber ab und haben den anderen im Blick. „Ich liebe dich, nicht weil ich etwas davon habe, sondern weil du du bist.“ „Ich bete zu Gott, nicht weil ich mir davon einen Gewinn verspreche, sondern schlicht und einfach: weil Gott Gott ist.“ Und Gott ist gerade kein Faktor in einer durchkalkulierbaren Welt. Die Herzmitte des Betens ist daher die Ahnung, dass es etwas Größeres gibt als unsere Kategorien von Brauchbarkeit und Nutzen. Im Gebet können wir ertasten: Die Wirklichkeit Gottes sprengt unsere Welt des Kalkulierens und Verfügens, des Machens und Berechnens.

 

Diese Erfahrung kommt besonders in der Anbetung zum Ausdruck. Denn in der Anbetung will man sozusagen nichts von Gott. Vielmehr gilt: Wir öffnen uns für das Geheimnis Gottes, dem wir uns verdanken. Wir verneigen uns vor dem Unbegreiflichen unseres Lebens. Hierzu kann auch gehören, dass wir unsere Wünsche und Bitten wieder loslassen in der Haltung: „Nicht mein Wille geschehe, sondern der deine.“

 

Und schließlich kann Anbetung bedeuten: Wir freuen uns über eine Liebe, die uns „umsonst“ geschenkt wird – mit den Worten des ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michael Gorbatschow: „Die Erfahrungen der letzten Lebensjahre veränderten vollkommen meine Vorstellung über das Beten, über dessen kolossalen Einfluss auf die Menschen ... Es geht um das Bewusstsein eines inneren Seelenzustandes, bei dem sich der Mensch seiner Liebe zu Gott und der Liebe Gottes zu ihm selbst erfreut.“

Sr. Melanie Wolfers SDS

Was heißt beten?

 

Hinwendung zu Gott

„Gespräch“ des Herzens mit Gott. Das kann allein oder in Gemeinschaft sein, laut oder leise, frei formuliert oder mit vorgegebenen Texten, durch Schweigen, durch das Entzünden einer Kerze oder das Betrachten eines Bildes ...

 

Sie wollen beten?

Wenn Sie nicht wissen, wie das geht,

wenden Sie sich an eine/n Seelsorger/in oder einen Menschen, von dem Sie wissen, dass er betet. Am besten ist, Sie fangen einfach an, sich in Gedanken an Gott zu wenden: Gott, wenn du mich hörst, lass mich das irgendwie erfahren ...

Beten ist für mich wichtig, weil …

… ich im Dialog mit Gott bin und so innere Ruhe finde. Gut gefällt mir das Zitat von Søren Kierkegaard:

„Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt: still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“

Othmar Karas, Abgeordneter des Europäischen Parlaments

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