Zum Volontariat berufen?!

"Endlich weg von hier." Meine Matura an der BBA für Kindergartenpädagogik in Innsbruck gab mir endlich die lang ersehnte Freiheit wegzugehen: Raus aus einer viel zu engen, kleinkarierten Konsumgesellschaft. Ich zerbrach mir den Kopf, welche Möglichkeiten existieren, um ins Ausland gehen zu können und ich hatte plötzlich die fixe Idee, dass ich nach Afrika möchte. Ich weiß immer noch nicht warum gerade Afrika mein Traumziel wurde, aber ich wollte unbedingt etwas Sinnvolles während meines Auslandsjahres machen. Es gab absolut niemanden in meiner Umgebung, der länger als für einen Urlaub nach Afrika aufgebrochen wäre.

Meine Suche nach sozialen Einsätzen in Afrika war eher trostlos. In Österreich gibt es sehr wenige Organisationen, die junge Menschen ohne Geld, ohne großartige Berufsausbildung und nur für ein Jahr annehmen. Durch Zufall stieß ich auf die Salesianer Don Boscos und den Verein "Jugend Eine Welt". Eine religiöse Organisation? Ich hatte den Bezug zur Kirchen schon vor Jahren verloren und die Vorstellung in einem Orden mitzuleben war ein wenig beängstigend. Trotzdem entschloss ich mich, die Herausforderung anzunehmen: "Vielleicht finde ich einen neuen Bezug zu Gott…"

Nach beendeter Vorbereitung brach ich nach Zambia auf. Ausgerüstet mit genau 20 kg Gepäck und dem Traum etwas Sinnvolles zu leisten. Ich kam in meinem neuen Heim, dem Projekt "City of Hope" der "Don Bosco" Schwestern (FMA) an und hatte keine Ahnung, was mich erwartete.
Das Jahr war angefüllt mit sehr anstrengender Arbeit: Vormittags unterrichtete ich 2 Stunden an der Schule, die zum Projekt gehört. Meine "Klasse" waren die "langsamsten" Kinder der ersten Klassen, denen ich Förderunterricht gab. Wir hatten miteinander bis zum Ende ein sehr großes Sprachproblem. Es ist eine fast unmögliche Aufgabe, Kinder auf Englisch zu unterrichten, wenn diese kein einziges Wort Englisch sprechen. Andererseits war ich unfähig die dort gesprochenen Sprachen zu erlernen. Ich scheiterte daran, dass es keine Bücher gab und daran, dass ich keine Energie mehr zum täglichen Üben hatte. Dazu kommt noch, dass ich über keinerlei Unterrichtsmaterialien verfügte, die Kinder durch die Unterernährung oft nicht aufnahmefähig waren usw. Ohne das tägliche Gebet und die Überzeugung, dass meine Arbeit sinnvoll ist, auch wenn ich vielleicht nur einem einzigen Kind weiterhelfe, wäre ich wahrscheinlich verzweifelt.
Die Nachmittage waren fast noch schwerer. Ich hatte die Aufgabe, die jüngsten Mädchen des Waisenheims zu unterhalten. Im Waisenheim, dem Herz von "City of Hope", leben ca. 80 Mädchen im Alter von 6 bis 21, welche keine Familie haben, die sich um sie kümmern kann. Viele der Waisen haben schreckliche Lebensgeschichten: Leben auf der Straße, Prügel, Vergewaltigungen usw. Durchwegs Kinder, die unglaublich viel Liebe und Aufmerksamkeit brauchen und dazu ein problematisches Sozialverhalten an den Tag legen, d.h. sie sind sehr aggressiv. Die Liebe für diese Kinder aufzubringen war oft nicht leicht, vor allem weil sie es gewöhnt sind, geschlagen zu werden, und meine "europäischen" Erziehungsmethoden oft nicht ganz verstanden wurden. Es brauchte lange, um auch nur ein bisschen Respekt von den Mädchen zu bekommen und natürlich war auch hier wieder, wenn auch nicht ganz so stark wie in der Schule, das Problem der Sprache…

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: "Ein so hartes Jahr! Warum sollte man überhaupt so etwas machen?" Ich lernte in diesem Jahr mehr als ich mir je hätte vorstellen können. So weit weg von zu Hause erfuhr ich Gottes Nähe und spürte die Kraftquelle des täglichen Gebets. Ich wurde bescheiden bei der Begegnung mit armen, und trotzdem so gastfreundlichen und oft lebensfrohen Menschen. Ich wurde geduldig und lernte mich über kleine Erfolge freuen.
Dieses Jahr hat meinen weiteren Lebensweg in vieler Hinsicht geprägt. Das existierende Elend in den Slums und die Hoffnungslosigkeit, die viele Menschen erfasst, haben mich tief berührt. Ich habe den Entschluss gefasst, dass ich meinen Teil für eine bessere Welt, wenn er auch noch so klein sein möge, beitragen möchte. Im Moment studiere ich in der Überzeugung, dass Wissen ein Werkzeug für eine bessere Welt sein kann. Jetzt im Nachhinein bin ich davon überzeugt, dass ich gerufen wurde - dass das Volontariat meine Berufung war.


Monika Juranek

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