Es wird wohl kaum Menschen geben, die sich nicht irgendwann die Frage stellen,
was ihnen wichtig ist und wie sie ihr Leben gestalten wollen. Da bin ich auch
keine Ausnahme gewesen.
Ich komme aus einer großen Familie (ich habe sechs Geschwister - das ist
für Wien doch eher ungewöhnlich) und habe durch meine Großeltern
den Glauben vorgelebt bekommen, auch wenn kaum darüber gesprochen wurde.
Als Jugendliche war ich in einer Pfarre beheimatet und mein persönlicher
Glaube war mir wichtig. An ein Leben in einer Ordensgemeinschaft dachte ich
allerdings überhaupt nicht. Durch Zufall (falls es so etwas gibt) lernte
ich durch meinen Bruder die Franziskanischen Schwestern von der Schmerzhaften
Mutter auf der Simmeringer Hauptstraße in Wien kennen. Einen Sommer fuhr
ich mit ihnen nach Assisi. Bis dahin hatte ich keine Schwester gekannt, aber
deren Offenheit und Unkompliziertheit faszinierten mich. Obwohl ich später
immer wieder an unterschiedlichen Veranstaltungen teilnahm, dachte ich nicht
daran, dass der Weg in einer Gemeinschaft auch etwas für mich sein könnte.
Ich wurde aber auch nie gedrängt, sondern einfach so genommen, wie ich
war. Ich hatte einen Freund und wollte auch viele Kinder. Nach einem Auslandsjahr
in Tübingen in Deutschland entschloss ich mich allerdings, nicht zu heiraten.
Nie hätte ich neben einer großen Familie all das tun können,
was ich für andere Menschen tun wollte bzw. auch tat. Ein Wunsch lebte
immer in mir: Ich wollte Antwort geben auf Gottes bedingungslose Liebe zu mir.
Ich wollte meinen Glauben ehrlich und konsequent leben. Dafür ist vor allem
ein regelmäßiges Gebetsleben notwendig. Allein ist das aber eine
sehr mühsame Sache. Erst nach drei Jahren kam mir der Gedanke: Warum probiert
du das Gemeinschaftsleben nicht einmal aus? Erst dann wirst du entscheiden können,
ob dies dein Weg ist. Gott ist geduldig und vor allem, er baut immer auf dem
Vorhandenen auf. Ich bin schließlich in die Gemeinschaft hineingewachsen
und fühle mich in ihr zu Hause. Ich erlebe Freiheit in der Gebundenheit
und vielfältige Entfaltungsmöglichkeiten in den täglichen Herausforderungen.
Ich erfahre Gott als jemanden, der mich grenzenlos liebt, treu begleitet und
sein Leben mit mir teilt. Dazu wartet er stets geduldig auf meine Einwilligung.
Was mich selbst im letzten und tiefsten motiviert und befähigt hat,
mein JA zu Gottes längst gegebenem und endgültigem JA zu sagen,
möchte ich in einem kurzen Gebetsgedanken zusammenfassen:
Restlose, vorbehaltlose Selbsthingabe ist die Konsequenz eines Glaubens,
dass mein Leben nichts anderes ist, als ein von DIR her und zu DIR hin.
Geschaffen aus Liebe
Getragen in Liebe
Heimgeholt in Liebe
Unverdienbare Liebe
Reine Gnade
Ich bitte Gott, dass alle Menschen diese Liebe Gottes erfahren können und
den Mut haben, darauf zu antworten."
Sr. Gudrun Schellner von der Treue Gottes
Franziskanische Schwestern von der Schmerzhaften Mutter
Eingesandt für das Werkheft WGT 2005