"Quereinsteigerin" ins Ordensleben

Sr. Brigitte Thalhammer ist seit wenigen Monaten Provinzleiterin der Salvatorianerinnen.
"thema kirche" erzählte sie von der Herausforderung, einen Frauenorden heute zu leiten.


Im Sommer übersiedelte sie von Linz nach Wien und ist eben dabei, sich an ihrem neuen Wirkungsort einzuleben: Sr. Brigitte Thalhammer SDS ist die neu gewählte Provinzleiterin der Salvatorianerinnen und steht so 94 Schwestern in Österreich und in Bratislava vor. "thema kirche" besuchte die Ordensfrau in der Niederlassung in Wien Hietzing gleich neben dem ordenseigenen Krankenhaus "St. Josef".


"Glaube ist vor allem ein Beziehungsgeschehen"
"Die Arbeit ist sehr vielfältig und reicht von der geistlichen Leitung der Gemeinschaft bis hin zu den wirtschaftlichen Angelegenheiten des Ordens", erzählt Sr. Brigitte Thalhammer bei einer Tasse Kaffe in der Küche des neuen Provinzhauses. Hier leben seit April 2009 drei kleine Schwesterngemeinschaften. Nach wie vor treffen sich die Schwestern auch in der großen Gemeinschaft, einzelne Elemente leben sie in der kleinen. Sieben bis zwölf Schwestern wohnen je in einer Einheit zusammen. "Das ist viel persönlicher und alltagsnäher. Der Glaube ist vor allem ein Beziehungsgeschehen und wird in den alltäglichen Beziehungen auf die Probe gestellt. Gemeinschaftsleben kann eine Schule der Barmherzigkeit sein. In der kleinen Gemeinschaft bin ich als Person mehr gefragt", sagt Sr. Brigitte.


"Unsere Sorge gilt dem Heil des ganzen Menschen"
Sr. Brigitte Thalhammer trat 1996 in den Orden ein und legte im Jahr 2000 ihre erste Profess ab. Sie bezeichnet sich als Quereinsteigerin.
Eine Frage, die sie jetzt als Leiterin besonders beschäftigt, lautet: "Wie können wir unser Charisma in der heutigen Zeit, in unserer aktuellen Situation leben?" Der Orden der Salvatorianerinnen wurde 1888 in Tivoli/Rom von P. Franziskus Jordan gegründet. "Wir sehen in Jesus Christus besonders den Salvator, den Heiland. Unsere Sorge gilt dem Heil des ganzen Menschen - und das in einer ganz großen Bandbreite, sei es im Krankenhaus oder in der Schule. Eine Mitschwester ist Künstlerin, eine andere Pastoralassistentin", schildert Thalhammer. Eines ihrer Ziele als Provinzleiterin sei, "in den verschiedenen Niederlassungen Entscheidungen zu treffen, dass ein gutes Leben möglich ist. Und uns auch die Frage stellen: Was führen wir weiter und was lassen wir?"


Keine "Notlösungen"
Das Ziel sind keine "Notlösungen" aufgrund des Rückgangs an Ordensschwestern. Thalhammer: "Diese Form der ‘Not’ führt uns zu unserem Ursprung zurück."
Die Zusammenarbeit mit "Laien" in den Ordensinstitutionen sieht sie sehr positiv: "Hier können wir voneinander lernen und das Vertrauen in andere wieder gewinnen, das unser Gründer hatte."

"Einander heilend begegnen"
Vor ihrem Ordenseintritt arbeitete die gebürtige Oberösterreicherin als Reisebüroassistentin. "Meine Gottesbeziehung wuchs langsam. Ich bin nicht so religiös erzogen worden", sagt sie. Später arbeitete sie in einer Pfarre. Eine "innere Unruhe" blieb. Ein Satz, der ihr "ins Herz gefallen war und blieb", hat sie zu den Salvatorianerinnen geführt: "Einander heilend begegnen".
Als Provinzleiterin ist sie nach innen und nach außen Ansprechperson für die Schwestern und verschiedene Projekte."Man muss sich von der Idee lösen, jedes Problem lösen zu können." Dieser Gedanke hilft ihr. Die Leitungsfunktion sei eine "Schule des Betens. Ich weiß, Gott ist da und zeigt uns den Weg", sagt Sr. Brigitte: "Es gilt im Miteinander zu spüren, was jetzt dran ist."
Spazierengehen und die Begegnung mit Freunden sind ein Ausgleich, auch der Jakobsweg, den sie jedes Jahr ein Stück geht. Ein Wort aus der Bibel, das sie immer wieder begleitet, ist: "Ich habe das Schreien meines Volkes gehört". Und der Glaube an einen Gott, der entgegenkommt und in die Freiheit führt.


Quelle: http://www.themakirche.at/menschen/articles/2009/09/25/a3793



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