
Heute suche ich eher nach Türen und Spalten in Mauern und Wällen,
die ich mit Gottes Hilfe auch finde.
Den Segensspruch hatte ich gewählt, im Wissen, ich darf Gottes liebende
Nähe den Menschen zusprechen. Die Geschichte von den fünf Broten und
zwei Fischen verweist auf das Wunder, dass Menschen, die auf Jesus hören,
zusammenrücken und frohen Herzens das mit einander teilen, was jeder hat.
Mit 14 Jahren wurde ich gefirmt und weiß heute noch, dass ich mich an diesem Tag fragte, ob es Gott überhaupt gibt. Ich fand keine Antwort. Im selben Jahr begann ich meine Lehre in einem kaufmännischen wie gastgewerblichen Betrieb. Meine Arbeitskollegen und -kolleginnen hatten keine gute Meinung von der Kirche und spotteten über sie. Ich selbst sah die Kirche als etwas Düsteres, Strenges, wo Lebensfreude keinen Platz hat. Ich merkte aber bald, dass das sogenannte Leben noch ärger war, auch in der Firma. Immer wieder erlebte ich den Konkurrenzkampf brutal, rücksichtslos, zerstörend. In dieses Fahrwasser wollte ich nicht geraten. Die ganze Gesellschaft schien mir krank zu sein. Ich nahm mir vor, dem Bösen zu widersagen und scheiterte kläglich. So wurde die Frage drängend: Gibt es Gott oder gibt es ihn nicht.
Eines Tages, als ich morgens zur Arbeit ging, sagte ich: Gott, wenn es dich
gibt, dann schenke es mir, dass ich glauben kann. Und es geschah so, kurz darauf.
Ich konnte glauben. Darüber war ich glücklich.
Die Freude überwältigte mich und wurde noch größer, als
mir ein Priester empfahl, das Neue Testament zu lesen. Jetzt gingen mir die
Augen auf, jetzt lernte ich Jesus kennen wie nie zuvor. Diese Freude war der
Anstoß, Priester zu werden, um diese Freude weiter zu reichen. 1960 begann
ich mit dem Aufbaugymnasium im Canisiusheim in Horn. Mein Weg bis zur Weihe
war geprägt von Schwierigkeiten, Enttäuschungen auch in der Kirche
und vor allem mit mangelnder Gesundheit.
1970, in meinem 30. Lebensjahr, wurde ich von Bischof Weber im Grazer Dom geweiht.
Nun bin ich 40 Jahre Priester, in Pension, krank.
Ich bin dankbar, wo immer ich im Sinne Jesu dienen konnte. Eine Schlüsselstelle
des Evangeliums war und ist für mich Mt 10,43: "Bei euch soll es nicht
so sein!"
Aber es ist so, und da bin ich wund.
So gut ich kann, will ich im Geist der Frohbotschaft Jesu leben und dazu beitragen,
dass Menschen mit Gott, mit sich selbst und ihrem Lebensschicksal versöhnt
leben können.
Gott segne Sie
Franz Wolf, Diözese Graz-Seckau