Herr, auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben.

Bei meinem Eintritt ins Priesterseminar (1981) waren 30 Alumnen im Haus in der Habsburgergasse 7, Wien 1. In vielen Gesprächen mit Studienkollegen und -kolleginnen und im persönlichen Ringen um die Berufung war für mich klar: Ich kann nur dann Priester werden und Priester sein, wenn meine Beziehung zu Gott getragen ist vom Vertrauen in mir, dass ich von Gott gerufen, gehalten und gesendet bin und dass ich in Gott stark gesichert und verankert bin.

Deshalb die Auswahl meines Primizspruches aus dem Psalm 31: "Herr, auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben". In diesem Vertrauen der Geborgenheit in Gott bin ich schon als Diakon mit Begeisterung in die Pfarrerseelsorge gegangen. Die ersten Erfahrungen, die ich im Südburgenland machen durfte, haben meine Entscheidung zum Priestersein nur bestätigt und ich konnte mit einer tiefen inneren Sicherheit und Entschlossenheit mein "Ich bin bereit" sprechen.

Die ersten Jahre haben mir gezeigt, dass die Menschen in den Pfarren schätzen, wenn sich der Priester integriert in ihre Gemeinschaft, ihre kirchlichen wie weltlichen Traditionen achtet und in ihren Lebensvollzügen ein geistlicher Begleiter ist. Das Leben und das Lebensgefühl in unseren Gemeinden wäre ohne die Mitgestaltung durch das Kirchenjahr unvorstellbar.
Geht hinaus und verkündet allen das Evangelium - diesem Auftrag des Auferstandenen versuche ich nun auch schon 10 Jahre in der Eisenstädter Dompfarre gerecht zu werden. In der Stadt ist das Beziehungsnetz unter den Menschen nicht so dicht gestrickt wie in den Pfarren auf dem Land. Der Auftrag und die Sendung bleiben jedoch die gleichen. Und auch mein Motto ist sinngemäß das gleiche geblieben: Verankert sein in Gott und getragen von ihm, dann kann ich mich ausstrecken und gehen.

Ich spüre die Aufgabe, zu integrieren und zusammenzuhalten. Es gibt so viele engagierte Frauen Männer und Jugendliche, die das Pfarrerleben prägen. Hierbei sehe ich mich als Moderator, der zu trachten hat, dass alle ihren Bewegungsspielraum und ihre Aussicht haben innerhalb des pilgernden Gottesvolkes, das unterwegs ist.

Eine Aufgabe, die sich für uns als sehr schwierig zeigt, ist die Sendung, zu allen zu gehen. Wir haben viele Menschen in der Stadt, die sich nicht (mehr) am Pfarrleben beteiligen, Menschen, die zurückgezogen in den Häuserblöcken und Wohnsiedlungen leben und viele neu Zugezogene. Für sie muss uns noch viel Heiliger Geist, Mut und Einfallsreichtum geschenkt werden, um ihnen zu signalisieren und bei ihnen anzukommen mit der Botschaft: "Wir sind eine einladende Kirche. - Kommt und seht, Gott ist bei uns".

Ich weiß nicht, welche Herausforderung mein Beruf mir in Zukunft noch stellen wird. An einem werde ich festhalten: Am Vertrauen in Gott, dass er der Herr der Geschichte ist, dass Christus das Haupt seiner Kirche ist, und dass er es ist, der - mich - sendet. Mein Leben ist in Gottes Händen.

Josef Prikoszovits, Diözese Eisenstadt

*14.2.1962 Steinberg / Dörfl, Burgenland
1981-1987 Studium an der Universität Wien
1983-1984 Externjahr in Rom, Studium an der Universität Gregoriana
13.6.1987 Diakonenweihe in Eisenstadt
29.6.1988 Priesterweihe in Eisenstadt
1.9.1987-30.8.1988 Diakon in Rechnitz
1.9.1988-30.8.1989 Sekretär und Zeremoniär bei Diözesanbischof Laszlo
1.9.1989-30.8.1990 Kaplan im Pfarrverband Marz, Rohrbach, Walbersdorf
1.9.1990-30.8.2000 Pfarrmoderator und Pfarrer im Illmitz
1.9.2000- Pfarrer in Eisenstadt, Dompfarre

zurück