Freitag 22. Juni 2018
Canisiuswerk
  • Wofür lebst du?

    » Jahres- & Weltgebetstagsthema 

Fragen zum Thema Spiritualität?

Rufen Sie uns an! Wir helfen Ihnen gerne weiter.


Veranstaltungen

Energie für die Seele tanken!
Aus unserem reichhaltigen Angebot wählen Sie hier:





Jahresthema 2018 & Weltgebetstag

Berufung: Freiheit oder Qual?

Bischof Stefan Oster im Interview

Der Passauer Bischof Stefan Oster spricht über Verlockungen, Nettigkeitsmoral und über seine eigene Berufung.

Bischof Stefan OsterManche, die Berufung hören, denken an ein Hallo‐Wach‐Erlebnis. So etwas wie der Ruf Mose am Dornbusch. Woran denken Sie?

Oster: An so etwas wie die innere Melodie eines menschlichen Lebens. Die ist in der Regel sehr leise, und deswegen braucht der Mensch die Möglichkeit, den Ort, die Begegnung, die Stille, um hörfähig zu werden. Es kann passieren – Stichwort Mose und Dornbusch – dass einem die Melodie von außen entgegen kommt. Dass man ein Erlebnis hat, wo man plötzlich größere Klarheit bekommt. Das korrespondiert aber dann immer mit etwas Innerem. Das äußere Ereignis bewegt die innere Wirklichkeit. Und um das zu hören, ist auch ein wenig Training nötig.


Das Jahresthema 2016 der Berufungspastoral lautet „Herzklopfen“. Kann das damit einher gehen?
Oster: Dieses Bild weckt viele Assoziationen, etwa Verliebtheit oder Angst. Aber wenn Herzklopfen mit „der Herzschlag meines Lebens“ übersetzt wird, dann ist das Bild sehr geeignet.


Sie waren, bevor Sie Priester wurden, fast sieben Jahre mit Ihrer damaligen Freundin zusammen. War das eine Berufung?
Oster: Es gibt ja kein Leben, das nicht unter dem Ruf Gottes liegt, insbesondere für die Getauften. Es gibt so etwas wie die Berufung zum Leben in Ehe und Familie. Aber das ist dann nicht die Berufung zu dieser oder jener speziellen Person, sondern man fühlt sich eher hineingerufen in diese Lebensform. Während die geistliche Berufung ausdrücklicher ist: Du bist gemeint – du für mich, deinen Gott.


Machen Sie es doch mal autobiografisch: Ihre Berufungsgeschichte, wie war das?

Oster: Die lange oder die kurze Version? (lacht). Mich haben immer die ganz großen Fragen umgetrieben: Liebe, Wahrheit, Freiheit – was ist das? Diese Fragen haben mich beschäftigt über ein intensives Studium: Zunächst Philosophie, da habe ich mich befasst mit Denkern wie Kierkegaard, Martin Buber, auch Nietzsche. Irgendwann habe ich verstanden, dass menschliches Leben vor allem Antwort ist. Und plötzlich, punktuell, ist mir immer wieder die Gestalt Jesu vor Augen getreten. Ich habe verstanden: Er ist die Gestalt der gelebten Wahrheit, Freiheit, Liebe. Und dann fing das an, vom Kopf ins Herz zu rutschen.


Wie wurde daraus, mit 30 Jahren, Ihr Eintritt in den Orden der Salesianer Don Boscos?
Oster: Ich habe bei denen gesucht, die Jesus kennen und die erzählt haben, wie sie mit ihm leben. Mir wurde klar: Jetzt hast du so lange gesucht und gefragt, du hast die Überzeugung
gewonnen: Jesus lebt und berührt dich! Für wen solltest du also fortan leben? Das war dann praktisch alternativlos für mich – und ist es auch heute noch.


Davor haben Sie als Journalist gearbeitet. Hat es diesen Umweg gebraucht, die Arbeit bei Zeitung und Radio?
Oster: Das war gut, wenn auch ambivalent. Vielleicht waren die Umwege nötig, um in die Tiefe zu kommen. Nehmen Sie das Gleichnis vom verlorenen Sohn: Im Schweinestall, im Dreck sitzend, kapiert er, wie der Vater ihn liebt. Muss er dahin kommen, um das von innen her zu verstehen, oder gäbe es einen anderen Weg? Ich fürchte, mancher muss Umwege gehen. Ich selbst habe als 17‐, 18‐Jähriger das erste Mal überlegt, ob Priesterseminar etwas für mich wäre, und bin aber dann einen ganz weiten Umweg gegangen. Ich will aber natürlich nicht sagen, dass Arbeit in den Medien dem „Schweinestall“ im Gleichnis vergleichbar wäre. Ich habe dort viel Gutes erfahren und gelernt, aber eben noch nicht das Eigentliche für mich gefunden. 

 

Was ist besser: Auf abenteuerlichen Wegen zum Priestertum – oder den geraden, glatten Weg nehmen?

Oster: Das kann man nicht generalisieren, das muss man auf die einzelne Biografie hin sehen. Aber mir scheint, dass die Fähigkeit zu einer verantworteten Lebensentscheidung bei jungen Menschen tendenziell zurückgeht. Woran liegt das? Meines Erachtens an einer Gesellschaft die versucht, jedes Bedürfnis eines jungen Menschen so schnell wie möglich zu erfüllen. Die Fähigkeit, sich an der Wirklichkeit abzuarbeiten, sich selbst zu spüren auch im Widerstand der Welt – das ist im Zuge der Konsumbefriedigung und der medialen Oberflächlichkeit zurückgegangen. Unter diesem Vorbehalt steht die Fähigkeit, Lebensentscheidungen zu treffen – auch solche zum geistlichen Beruf, die noch dazu verbunden sein müssen mit tiefer Innerlichkeit.

 

Ausschnitt aus dem Interview von Burkhard Schäfers
Für das Werkheft 2016 des Zentrums für Berufungspastoral

 

Fortsetzung und das gesamte Interview zum Download

 

Stichwort: Weltgebetstag

Um das Thema „Berufung“ wachzuhalten, begeht die Kirche seit 1964 jeweils am

4. Sonntag der Osterzeit den Weltgebetstag für geistliche Berufungen. Der Vatikan veröffentlicht dazu meist eine Botschaft des Papstes. Für Österreich gibt das Canisiuswerk jährlich Unterlagen und Anregungen heraus.

 

Im Sinne von Mt 9,38 „Bittet den Herrn der Ernte“ beten wir um guten und ausreichenden Nachwuchs in den verschiedenen geistlichen und kirchlichen Berufen und Berufungen.

 

Wir erinnern uns aber auch daran, dass alle Christen Berufene sind, und mit ihrem Leben der in Taufe und Firmung grundgelegten Berufung zum gemeinsamen Priestertum Ausdruck geben sollen. Eine Antwort auf Gottes Ruf.

 

Deswegen initiiert das Canisiuswerk während des gesamten Jahres Impulse und Aktivitäten in der Berufungspastoral.

CANISIUSWERK

Zentrum für geistliche Berufe

Stephansplatz 6
1010 Wien

Telefon: +43 1 512 51 07
Fax: +43 1 512 51 07 - 12
E-Mail: office@canisius.at
Darstellung:
https://www.canisius.at/