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Spiritualität

Ein Narr ist, der die Wahrheit sagt

Ein Weg der Nachfolge in Heiligkeit

Die „Zeit der Narren“ bringt Frohsinn und Unvernunft hervor – aber auch manch späte Reue. Die „Narren in Christo“ sind um einen Weg der Nachfolge in Heiligkeit bemüht.

 

Oft spricht die Heilige Schrift vom „törichten, närrischen“ Menschen, der Gott und seine Lebensweisungen nicht annehmen will, sich durch seine Klugheit zu retten meint und so den eigenen Untergang herbeiführt. Das gilt für das irdische Leben und Zusammenleben wie für das ewige Leben, das viele töricht ausblenden oder leugnen. Aber auch wenn Gottes Barmherzigkeit sogar dem „unverständigen“ Menschen und aller Kreatur gilt, so ist es Gott doch ernst mit der freien Entscheidung des Menschen.

 

Von diesem Ernst ist die Verkündigung von der Erlösung in Jesus Christus getragen. Jesus selbst hat „unklug“ gesprochen, wo andere ihn zum Schweigen aufforderten, und „unklug“ geschwiegen, wo Menschen ihn in einen Diskurs rein weltlicher Interessen verwickeln wollten. Es scheint, wie Paulus sagt, Torheit zu sein, mit der Gott die Welt retten will: die „Torheit“ der Verkündigung von „Christus“ – dem „Gesalbten“, Messias – als „dem Gekreuzigten“. Wegen dieser „Torheit“, die jede weltliche Klugheit als „Torheit“ entlarvt, gehört es zur Echtheit des Propheten, Verkündigers, Apostels und Jüngers, selbst in diese „Torheit der Liebe“ einzutreten.

 

„Narren um Christi willen“

„Wir sind Narren um Christi willen“ (1 Kor 4,10) und: „das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen“ (1 Kor 1,27). Apostel sind dabei nicht „verrückt“, sondern erfüllt von der Kraft der Erlösungsbotschaft: „Das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft“ (1 Kor 1,18). Werden sie in ihrer Demut oft als „arm im Geist“ angesehen, gilt ihnen doch das Wort Jesu: „Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel“ (Mt 5,3).

 

In der asketisch-mystischen Tradition tritt diese „Torheit“ deutlich hervor: einerseits als Lebenszeugnis authentischer Nachfolge in gesellschaftlich „verrückten“ Zeiten, andererseits als „paradoxes“ Mittel der Verkündigung, durch das die Botschaft Christi durch „taube“ Ohren der Unvernunft, Verhärtung oder Verblendung hindurch das Herz des Menschen erreichen soll. Nicht unvernünftiger, unkluger Eigenwille ist der Antrieb der „Narren um Christi willen“, sondern die vernünftige, kluge Liebe eines Menschen, der sich gehorsam in den Dienst der Botschaft Christi nehmen lässt – auch dort noch, wo ihm dies Spott, Anfeindung, Verfolgung bringt.

Basilius der Selige von Moskau (1468-1552/1557), ein "Narr in Christo"

  

„Narren“ und „Närrinnen“

Die radikale, ja „närrische“ Lebensweise vieler Wüstenväter und -mütter ab dem 3. Jahrhundert ist eine Strömung von „Gottesnarren“. Simeon ho Salós, „der Narr” (* in Edessa, † um 550 in Emesa), wirkte – nach Jahrzehnten als Eremit im Heiligen Land – unerkannt in Emesa und brachte Ausgegrenzte wie Reiche durch seine „Narreteien“ und Zeichenhandlungen zum Nachdenken und Hören auf das Evangelium.

 

In Europa ragen Franz von Assisi, „der Gaukler Gottes“ in seiner „heiligen Einfalt“, und Philipp Neri heraus, „der lachende Heilige“, der mit „närrischem“ Verhalten die Fama seiner Heiligkeit zu zerstreuen sucht und mit paradoxen Anweisungen seine Beichtkinder zur Heiligkeit führt. Ihre Christusnachfolge ist von Freude erfüllt, zugleich von inniger Nähe zum Leiden Christi.

 

Auf mittelalterliche Wurzeln zurückgehend, bildet sich in der russischen Orthodoxie im 16./17. Jahrhundert eine ausgeprägte Strömung der Jurodivyj, „Narren“ und „Närrinnen“ (etwa 35 heiliggesprochenen), heraus. Im Zarenreich finden sie eine gewisse Anerkennung und sind in der Zeit der kommunistischen Verfolgung eine heiligmäßige Weise christlichen Widerstandes und Überlebens. Mit ihrer Lebensweise und ihren Handlungen sind sie mehr als „Hofnarren“, prophetisch begabte Exzentriker oder gewiefte Pädagogen: Sie sind „Narren aus Liebe“ zu Gott, der – so Katharina von Siena – sich für uns hingibt, ein „Narr aus Liebe“.

Raphaela Pallin

 

Zur Person:

Dr. Raphaela Pallin ist Theologin und Pastoralassistentin der Erzdiözese Wien und derzeit als  Offizial am Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung in Rom tätig. Im Web zu finden unter: www.pcpne.va

 

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