Donnerstag 19. Juli 2018
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Berufung in der Bibel

Augenzeugen einer Berufung

„Folge mir nach!“ (Mt 9,9) im Mittelpunkt von Caravaggios Bild. Interpretiert von R. Pallin.

 

Caravaggios Berufung

Rom trägt in Bauwerken und Bildern viele Spuren von Berufungsgeschichten – eine davon ist die des Malers Michelangelo Merisi, nach seinem Heimatort „Caravaggio“ genannt. 1571 in der Provinz Bergamo geboren, verliert er früh seinen Vater und beginnt mit 13 Jahren in Mailand die Malerei zu erlernen. 1592 verkauft er seinen letzten Besitz und geht nach Rom. Dort gehört er einer der vielen Banden junger Leute an, die ein zügelloses Leben voller Raufhändel führen, und schlägt sich mit kleinen Malereien im Straßenverkauf durch. 1593 wird er als Helfer in die Malerwerkstatt des etablierten Cavalier d’Arpino aufgenommen, tut über Monate niedrigste Dienste. Wieder unabhängig, beginnt er, sich einen eigenen Ruf zu schaffen. Kardinal Del Monte wird auf ihn aufmerksam und nimmt ihn in seinen Palast auf. Dort schafft Caravaggio drei Jahre lang bedeutende Werke und kann seinen eigenen Stil entwickeln: Seine Art, klassische und biblische Motive möglichst „naturgetreu“ durch Menschen seines sozialen Umfelds darzustellen, steht im Kontrast zu der am Ideal orientierten Arbeit der Spätmanieristen.

 

1599 kommt es zu Caravaggios „öffentlicher Berufung“. Auf Intervention Kardinal Del Montes hin wird ihm der Auftrag für die Bilder der Seitenwände einer Kapelle der Kirche San Luigi dei Francesi übertragen, ein Auftrag, den sein Rivale Cavalier d’Arpino über Jahre hin nicht erfüllt hat. 400 Scudi gehen nun laut Vertrag an Caravaggio, der die Berufung des Zöllners Matthäus und dessen Martyrium darstellen soll. 1602 erhält er auch den Auftrag für das Altarbild: Matthäus als Evangelist.

 

Nachfolge-Ruf: Ein neuer Schöpfungsakt?

Die Berufung des Matthäus malt Caravaggio, wie sie nie zuvor gemalt worden ist: ein dunkler Hinterhof, eine Hausmauer in Rom, ein Fensterladen nach außen geöffnet; an einem Holztisch fünf Gestalten in damaliger Kleidung. Einer – am Hut eine Münze – zahlt Geld an einen Jüngeren; der ist ganz dem Geldzählen und -einstreifen hingegeben, den Geldbeutel in der Linken verborgen, gut gekleidet und verwahrlost zugleich. Einer mit Pelzkragen und Zwicker kontrolliert – über den Tisch gebeugt – die Zahlung. Ein anderer mit Schwert und Federmütze gibt Begleitschutz. Der Zahlende blickt sichtlich erstaunt auf zwei hinzugetretene Gestalten. Auch ein Knabe mit Federhut sieht abwartend auf die beiden. Diese treten in die römische Straßenszene ein wie aus dem Schatten der Geschichte, gekleidet wie zur Zeit des Apostels Matthäus: eine grobschlächtige Gestalt mit Hirtenstab und felsgrauem Haar – Petrus, der fast den Blick auf die Hauptfigur des Bildes verstellt; und Jesus mit angedeutetem Heiligenschein, der Schatten gibt nur seine linke Gesichtshälfte frei, den rechten Arm, die Hände und Füße. Die Fußstellung zeigt, dass er im Gehen ist, sich im Schritt noch zurückwendet, um einen hinter sich her zu rufen, in einem Augenblick, der gleich beginnen soll und nie enden wird. Jesu Handhaltung – wie gespiegelt vom Adam am Gewölbe der Sixtinischen Kapelle. Jesus, der „neue Adam“ – sein Nachfolge-Ruf ein neuer Schöpfungsakt?

 

Der Sünder als der Berufene?

Jesu Blick und Hand deuten scheinbar auf den Zahlenden, tatsächlich aber – von dessen ungläubiger Geste noch verstärkt – auf den jungen Mann hin, der voller Passion Geld einstreift: Matthäus, „der Zöllner“. Oder doch Caravaggio, der durch dieses Bild berufene Sünder, dem der Ältere, mit den Zügen des zuvor beauftragten Cavalier d’Arpino, 400 Scudi abgeben muss – auf Anweisung des Papstes obendrein, eines Petrus, dessen unbeholfen nachgeahmte „Berufungsgeste“ genau auf die Zahlung weist? Caravaggio, der als Raufbold ein mehr als ungeordnetes Leben führt und seine Samtkleidung so lange trägt, bis sie ihm zerschlissen vom Leib hängt – Caravaggio, der Sünder, als der Berufene? Noch sitzt er geduckt, ist ganz versunken in seine Leidenschaft.

 

„Bin ich gemeint?“

Was aber, wenn er gleich den Kopf hebt, getroffen wird vom Licht dessen, der gekommen ist, „um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten“ (Mt 9,13)? Er wird nicht fragen: „Bin ich gemeint?“ Keine/r fragt je so in einer solchen Begegnung – auch nicht, wer sich als unwürdig oder unvermögend erkennt. Berufung: Begegnung mit dem, der auf mich zu kommt, mich anblickt, mich ruft, mit ihm und ihm hinterher zu gehen. Caravaggio malt die Dynamik der Berufung, lässt alle Augenzeugen sein für den nun einsetzenden Augenblick, der Zu-kunft Gottes ist. Matthäus, der Zöllner und Sünder, wird nicht fragen, wird getroffen und angezogen sein von Blick und Geste Jesu, wird wissen, dass ihm das Wort Jesu gilt: „Folge mir nach!“ – „Da stand Matthäus auf und folgte ihm nach“ (Mt 9,9).

 

Raphaela Pallin

 

Dr. Raphaela Pallin studierte Theologie in Wien, Salamanca und Rom, arbeitete in der Krankenhausseelsorge und bis 2015 als Assistentin am Institut für Theologie der Spiritualität an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien.

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