Dienstag 16. Januar 2018
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Entscheidungshilfen

Um Gottes Willen

Entscheidungsfindung

Wie kann ich in den großen und kleinen Entscheidungssituationen Gottes Willen erkennen und leben? 

 

Seit Beginn des Propädeutikums findet jährlich ein fünftägiger Kurs statt zum Thema „Entscheidungen leben aus dem Glauben. Der dreifache Klang der einen Stimme Gottes“. Methodisch vielfältig behandelt er den Themenkreis: Was ist meine Berufung, und wie kann ich in ihr wachsen? Wie kann ich in den großen und kleinen Entscheidungssituationen Gottes Willen erkennen und leben? Im Folgenden entfalte ich einige Inhalte des Kurses, die aber auch für die Entscheidungsfindung jedes Christen und jeder Christin von Bedeutung sind.

 

Gottes Wille: Gott will, dass wir selber wollen 

Was meint eigentlich die Rede vom „Willen Gottes“? Häufig wird Wille Gottes im Sinn einer Vorherbestimmung[1] verstanden: Gott habe einen fertigen Plan vom Leben des Einzelnen; er zeichne dessen Weg wie auf einer Landkarte in allen Details vor. Die eigene Berufung finden und leben wird hier zum Versuch, Gott „in die Karten zu schauen“ (Was ist mein vorgeschriebener Weg?) und auf den vorherbestimmten Gleisen zu fahren.

 

Diese Vorstellung vom Willen Gottes entspricht nicht dem biblischen Gottesbild! Von der ersten bis zur letzten Seite der Bibel zieht sich durch: Freiheit ist ein Gütesiegel Gottes[2]. Schon die Schöpfungsgeschichte zeigt, dass Gott ein freies Gegenüber will. Hätte Gott eine Welt gewollt, die willenlos nach seiner Pfeife tanzt, hätte er einen aufziehbaren Affen schaffen können, der ihm ständig Beifall klatscht. Doch ein vorprogrammiertes Spielzeug kann eines nicht: eine freie und damit liebende Antwort geben. Gott will keine dressierten Sklaven, die alles nachbeten, sondern selbstbewusste Menschen, die von sich aus beten können. Er riskiert in der Schöpfung einen freien Menschen und damit auch den Schmerz, abgelehnt zu werden. Warum? Weil ihm an einem Bundespartner gelegen ist, an einem Geschöpf, das zugleich zum Freund taugt. Gott wirbt um die Liebe des Menschen – und Liebe ist allein in Freiheit möglich. Gott will, dass wir selber wollen (Thomas von Aquin), ja, er will Mitliebende (Duns Scotus).

 

Dieses dialogische Gottesbild ist von entscheidender Bedeutung für das Verständnis von Berufung: Die Zukunft ist, von Gott her gesehen, nicht einfach vorzementiert. Mit dem, was wir als richtig erkennen, malen wir nicht – wie in Kinderbüchern üblich – eine schön vorgestrichelte Landschaft aus. Vielmehr betreten wir Neuland, wo wir den Weg unter den eigenen Füßen entstehen lassen. Wer seine Schritte auf Gott abstimmt, hält sich also nicht an eine fixe göttliche Vorherbestimmung, sondern an seine Liebe. In ihr lässt Gott uns frei und wirbt zugleich unablässig um unsere Antwort. Das heißt: Den Willen Gottes im Großen und Kleinen zu erkennen und zu leben ist ein Beziehungsgeschehen. Es ist ein Dialog, in den der Mensch sich selber einbringen kann und soll.

 

Der dreifache Klang der einen Stimme Gottes 

Doch wie wirbt Gott? Wie macht Gott sich hörbar in diesem Dialog? Mit einem Bild von P. Josef Maureder gesprochen: Gottes Stimme wird in einem dreifachen Klang hörbar. Gott spricht zum Menschen durch dessen „Natur“ (was jemand kann), durch dessen Sehnsucht (was jemand will) und durch die begegnende Wirklichkeit (was jemand soll)[3].

 

Der tragende Klang der Stimme Gottes ist die „Natur“ des Menschen: Was einer Person in die Wiege gelegt ist, was ihr leicht von der Hand geht, aber auch, was ihre Kräfte übersteigt, ist von Bedeutung für die Erkenntnis des Willen Gottes. Gott überfordert nicht, denn er will das „Leben in Fülle“ (Joh 10,10). Nach dem Willen Gottes fragen, heißt also, nach dem eigenen Können zu fragen. Stärken und Schwächen sind dabei wichtige Wegweiser.

 

„Wer nicht weiß, was er will, weiß nicht, was Gott von ihm will“ – derart pointiert weist Teresa von Avila auf eine zweite „Erkenntnisquelle“ des göttlichen Willens hin: auf die Sehnsucht des Menschen. Sehnsucht ist die Spannkraft des Lebendigen: sie motiviert, lässt jemanden aufbrechen und Durststrecken durchstehen. Die Sehnsucht hat eine religiöse Tiefendimension. Augustinus schreibt: „Die Sehnsucht ist das Beten des Heiligen Geistes in uns.“ Gott hat die Sehnsucht, die allein ihn ihm Erfüllung findet, ins menschliche Herz gesenkt. Sie ist wie ein Kompass, der den Weg zum erfüllten Leben anzeigt. Nach dem Willen Gottes fragen, heißt also, nach der eigenen Sehnsucht fragen, nach dem „wahren Wollen“.

 

Der dritte Klang der Stimme Gottes ist die Wirklichkeit, die einem Menschen begegnet, das „objektive Gegenüber“: So spricht Gott durch Menschen, denen ich begegne, insbesondere durch Notleidende. Er spricht durch Aufgaben und Verpflichtungen, in denen ich mich vorfinde. In besonderer Weise bringt Gott sich durch Jesus Christus und das ganze Zeugnis der Heiligen Schrift zu Gehör. Und schließlich lebt jeder Christ und jede Christin davon, den Klang der Stimme Gottes in der Kirche zu hören. So wie die Kirche vom Hören auf den Klang der Stimme Gottes im Gewissen der Einzelnen lebt.

 

Gottes eine Stimme legt sich in einem dreifachen Klang aus. Es ist jeder und jedem anvertraut, auf diesen dreifachen Klang zu hören und demgemäß das eigene Leben zu gestalten. Immer wird es Spannungen geben zwischen diesen drei Polen. Doch wenn stimmiger wird, was ich will, mit dem, was ich soll und dies auch gut leben kann, dann wachsen Friede, Lebendigkeit und Freude.

 

Sr. Melanie Wolfers SDS

 

Dr. Melanie Wolfers ist Salvatorianerin, promovierte Theologin und leitet IMpulsLEBEN, ein Projekt für junge Erwachsene in Wien. Seit 2003 war sie mehrfach Referentin des o. a. Kurses im Propädeutikum (gemeinsam mit P. Josef Maureder und P. Andreas Knapp).

 


[1] Die Rede von der göttlichen Vorherbestimmung ist zu unterscheiden vom Gedanken des Vorherwissens Gottes.

[2] Zu diesem Absatz vgl. Andreas Knapp/Melanie Wolfers, Glaube, der nach Freiheit schmeckt. Eine Einladung an Zweifler und Skeptiker, München 22009.

[3] Zu diesem Absatz vgl. Josef Maureder, Wir kommen, wohin wir schauen. Berufung leben heute, 32005, 44 – 47.

 

 

Orte der Berufungsklärung für junge Erwachsene 

Haus Manresa

 

Haus Gennesaret

 

Augustinum

 

Zusätzlich bieten viele Ordensgemeinschaften die Möglichkeit an, in ihrer Gemeinschaft eine Zeitlang mitzuleben: Zu den Ordensgemeinschaften

 

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