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Berufung

Den ganzen Menschen im Blick

Kleruskongregation: Neue Haltung in Zusammenarbeit

Weihbischof Anton Leichtfried, Verantwortlicher der Bischofskonfernz für die Priesterausbildung, im Radio Vatikan-Interview: „Es geht darum, dass die menschliche Bildung, die menschliche Dimension genug Platz bekommt, die spirituelle Dimension, das Studium, die pastorale Befähigung …″  

 

Weihbischof Dr. Anton LeichtfriedVon der vor allem aufs Spirituelle konzentrierten Ausbildung für Priesteramtskandidaten hin zu einer Ausbildung, die die Reifung des ganzen Menschen in den Blick nimmt: Das ist eine der wichtigsten Neuerungen in der „Ratio fundamentalis“, den vatikanischen Richtlinien zur Priesterausbildung, die im vergangenen Dezember veröffentlicht wurden. Auf nationaler Ebene sind die Bischofskonferenzen nun aufgerufen, eine „Ratio nationalis“, also Richtlinien für ihr eigenes Gebiet, zu erstellen. Doch wie soll man das anstellen? Das war Thema im Rahmen eines großen Kongresses, den die Kleruskongregation am Donnerstag und Freitag dieser Woche in Castelgandolfo veranstaltet hat. 230 Bischöfe und Seminarleiter der Weltkirche waren eingeladen, um mit ihnen die im Dezember 2016 veröffentlichte Rahmenordnung zur Priesterausbildung zu vertiefen. Am Samstag traf Papst Franziskus die Mitglieder an der Tagung in Audienz.

 

Neue Haltung

Beim Kongress dabei war auch Österreichs Verantwortlicher für Priesterausbildung; er lobt die vatikanische Kleruskongregation für ihre Unterstützung von Seminarleitern. Da sei „eine neue Haltung“ spürbar, sagte der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried im Gespräch mit Radio Vatikan. Wie Leichtfried hervorhob, bot die Kleruskongregation unter Präfekt Kardinal Beniamino Stella und Sekretär Erzbischof Jorge C. Patrón Wong dabei an, die besten Praktiken zu sammeln, die Seminarleiter in der Priesterausbildung erprobt hätten, und sie allen anderen zur Verfügung zu stellen. An Herangehensweisen wie diesen sehe Leichtfried eine „neue Qualität der Zusammenarbeit zwischen Vatikan und Ortskirchen verwirklicht“. Er jedenfalls verabschiede sich mit einem recht guten Gefühl aus Rom: Österreich habe viele der Neuerungen in der Priesterausbildung bereits vor Jahren eingeführt und werde auch in den Diskussionen immer wieder als erfolgreiches Beispiel angeführt, erklärte der langjährige Regens des Priesterseminars von St. Pölten.

 

„Es geht darum, dass die menschliche Bildung, die menschliche Dimension genug Platz bekommt, die spirituelle Dimension, das Studium, die pastorale Befähigung … Das ist für uns in Österreich, den deutschsprachigen Raum nicht neu, wir haben das sogenannte Propädeutikum mit einem Schwerpunkt für den menschlichen und den spirituellen Bereich ja schon fast überall eingeführt. Was jetzt noch mehr dazu kommt und von Anfang an betont wird, ist, dass die Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielt. Kirche ist ja von Anfang an kein Solistenverein, sondern Gemeinschaft.“

 

Sehr wenige Berufungen

Gemeinschaft, das ist leider auch ein zweischneidiges Schwert, räumt der Pöltener Weihbischof unumwunden ein. Denn die Zahlen sind alarmierend, nur noch wenige junge Männer sind es, die ihrer Berufung zum Priestersein folgen oder diese überhaupt wahrnehmen. „Also man muss sich über jeden Kandidaten freuen, denn es gibt leider sehr wenige“, meint der Weihbischof. „Aber deshalb ist es auch für die wenigen wichtig, dass sie Gemeinschaft erleben.“

 

Aus diesem Grund haben sich drei Diözesen vor fünf Jahren dazu entschieden, zu kooperieren: Die Diözesen Eisenstadt, Wien und St. Pölten arbeiten nun zusammen, so dass zwischen 30 und 35 junge Männer gemeinsam ausgebildet werden können. „Da kann man wieder Fußball spielen, ins Theater gehen und das ist auch für die spirituelle Dimension wichtig, weil ich Gleichgesinnte treffe und auch ganz andere, sodass ich die katholische Vielfalt erlebe und den eigenen Glauben vertiefen kann.“

 

Vatikanische Handreichung „eine große Hilfe“

Die Handreichungen aus dem Vatikan seien für die Ausbildung eine große Hilfe, meint der Geistliche, der auch in ständigem Austausch mit seinen Kollegen steht, die in anderen Diözesen für die Ausbildung der Priesterkandidaten verantwortlich zeichnen. Denn es sei hier ein offensichtliches Anliegen, den Mensch als Ganzes ins Zentrum der Ausbildung stellen: „Bildung ist ja nicht nur eine Wissensvermittlung, natürlich geht es auch um Kenntnisse, aber Informationen kann ich mir heute überall besorgen. Vielmehr ist das Ziel, dass es verinnerlicht wird und in das persönliche Leben übergeht, dass es zu meinem Leben gehört. Wir wollen insgesamt Persönlichkeiten festigen und beim Gestalten helfen.“

 

Kinderschutz zentrales Anliegen der Ausbildung

Kinderschutz sei dabei ein zentrales Anliegen, meint der Geistliche, der zwölf Jahre lang Regens in Sankt Pölten war. Seine Ernennung fiel in die Zeit nach der Aufdeckung des Skandals um (pädo)pornographisches Material und homosexuelle Praktiken, die das Priesterseminar in eine schwere Krise gestürzt hatten.

 

„Es ist ein sehr wichtiges Thema, weil ja ein Priester hoffentlich mit vielen Kindern und Jugendlichen zu tun hat, s dass sie dann auch in einer verantwortlichen Weise mit ihnen umgehen und alles verhindert wird, wo Kinder nicht geschützt werden. Da sind wir auf mehreren Ebenen unterwegs, auf der psychologischen Ebene, oder wenn es Schwierigkeiten gibt, dann wird ein Gutachten erstellt. Aber vor allem Information und die Weitergabe von Erfahrungsmodellen, damit das möglichst verantwortungsvoll geschehen kann und damit man sich auch wieder gerne mit Kindern und Jugendlichen unterhalten und auch etwas mit ihnen unternehmen kann.“

 

Natürlich wolle und dürfe man die jungen Menschen nicht unter Generalverdacht stellen, doch es sei mittlerweile eine wesentlich stärkere Sensibilisierung bei diesem diffizilen Thema des Kinderschutzes erreicht, betont der Weihbischof. Es gebe mittlerweile gute Verhaltensregeln, die den angehenden Priestern mit auf den Weg gegeben würden, „und auch ein viel stärkeres Bewusstsein dafür, dass ich mich über dieses Thema informieren muss und eine große Verantwortung habe. Hundertprozentig ausschließen kann man das natürlich nie, aber man muss alles menschenmögliche tun, dass man das ausschließen kann und damit man auf der anderen Seite positiv, unverkrampft und mit Freude mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen kann.“

 

Freude, das ist für Leichtfried überhaupt ein zentraler Begriff, wenn er den Beruf – oder die Berufung – des Priesterseins beschreibt. Ihm ist es vor allem wichtig, dass Seminaristen „Priester erleben, die ihren Weg mit Freude machen, dass man sieht, man kann auch heute und in Zukunft gut Priester sein." Er wünsche sich vor allem, so der Geistliche, „dass junge Menschen eine Berufung spüren, einen Rahmen und Menschen finden, wo sie diesem Ruf nachgehen können und ihn entfalten können. Das ist mein größter Wunsch.“

 

Hintergrund

Die neue Rahmenordnung für die Priesterausbildung ist am 8. Dezember 2016 veröffentlicht worden. Bereits bei ihrer Abfassung waren die Ortskirchen, die sie nun auf nationaler Ebene umsetzen müssen, maßgeblich beteiligt. Die Verantwortung für die einheitliche Ausbildung katholischer Priester liegt erst seit Januar 2013 auf Veranlassung von Papst Benedikt XVI. bei der Kleruskongregation, davor war die Bildungskongregation zuständig. Papst Franziskus erneuerte nach seinem Amtsantritt mit der Berufung von Stella und Patrón Wong die Spitze der Kleruskongregation.

Quelle: rv 08.10.2017 cs

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