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Entscheidungshilfen

Schritt für Schritt

Bewusste Entscheidungen

Ein freiwilliges soziales Jahr liegt vor Peter, eine Zeit, um Klarheit für nächste Schritte zu finden. Ein Ratschlag von P. Josef Maureder.  

balanceaktLieber Peter!

 

Du hast mir vor einigen Tagen einen persönlichen Brief geschrieben, in dem Du mir Deine Entscheidungssituation schilderst. Vor Dir liegt ein freiwilliges soziales Jahr. Du möchtest diese Zeit auch nützen, "um endlich Klarheit über Deinen künftigen Weg zu finden". Du hast schon Monate "herumgesucht" und Dich bewegt der Wunsch, "die Sache bewusster anzugehen". Kurz erzählst Du mir auch von Birgit und Andrea, die in einer ähnlichen Situation stehen. Du bittest mich in Deinem Brief, Dir einige Hinweise zu geben, wie Du diese kommenden Monate gestalten könntest, um "zu der für Dich richtigen Entscheidung zu kommen". Peter, gerne gehe ich auf Deine Bitte ein. Du wirst verstehen, dass ich in meiner Antwort etwas allgemein bleibe, da ich Deine Situation noch zu wenig kenne. Ich bin aber überzeugt, dass Du selbst herauslesen und finden kannst, was für Deinen Entscheidungsweg nun wichtig und weiterführend ist.

 

Die rechte Einstellung suchen

Ich bewundere Deinen Wunsch und Deine Entschlossenheit, Dich bewusster Deiner Lebensentscheidung zu stellen. Du merkst bereits: es ist nicht einfach und nicht immer angenehm. Du triffst auf Widerstände in Dir, aber auch darin, wie andere mit dieser Frage oft umgehen. Scheinbar ist es viel leichter, die Sache laufen zu lassen, nichts zu entscheiden, schnell das zu wählen, was gerade anspricht, oder der Meinung anderer nachzulaufen und sie über das eigene Leben entscheiden zu lassen.


Aus Deinem Schreiben spüre ich einen inneren Druck, endlich wissen zu wollen, wo Deine Lebensaufgabe liegt. Das ist mir sehr verständlich. Für den Weg zur Entscheidung ist es allerdings nicht günstig, Dich selbst unter zu großen Druck zu setzen und zu meinen: Am Ende dieses Jahres muss es klar sein! Hängt doch die Antwort nicht allein an Deinem Bemühen.


Rechne auch mit dem normalen Zustand einer Restunsicherheit; absolute Gewissheit, was Du tun sollst, wirst Du nie finden. Was aber möglich sein wird: zu entdecken, was der nächste richtige Schritt ist, oder die folgenden zwei, und dabei eine innere Zustimmung und Ruhe zu erfahren.

 

Das Leben mitteilen und ordnen lernen

Die Erfahrung zeigt, dass Du besser und sicherer vorankommst, wenn Du Dich jemandem regelmäßig mitteilst, wenn Du Dir einen Menschen suchst, der Dich begleitet, der Dich versteht und Dich herausfordert, wenn es nötig ist. Meinst Du nicht, dass es auf einem Entscheidungsweg beinahe notwendig ist, immer wieder mal Ermutigung, Korrektur und neue Gesichtspunkte zu hören? Ich gebe zu, dass es nicht einfach ist, einen Menschen zu finden, zu dem Du Vertrauen hast, der persönliche Reife und Tiefe besitzt und der von einem solchen Entscheidungsweg etwas versteht.


Du hast Deine Arbeit, die Dich fordern wird. Daneben brauchst Du Zeiten der Entspannung, um Kraft für Deine Überlegungen zu haben. Auch benötigst Du Freiräume für Gebet, Reflexion und dafür, Informationen zu sammeln und Gespräche zu führen. Es wird Dir sehr helfen, schon zu Beginn dieses "Entscheidungsjahres" einen gesunden Tages- und Wochenrhythmus zu suchen. Denn zu leicht verlieren sich im Chaos die wichtigen Spuren und Hinweise des Lebens.

 

Mit Gott leben und entscheiden lernen

Es ist Dir wichtig, "die nächsten Schritte aus Deinem Glauben zu tun, Deine Entscheidung nach Gottes Willen zu treffen." Mein Ordensgründer, der hl. Ignatius, hat eine Form des Gebetes besonders geschätzt, die Dir in Deiner Situation vor Gott viel weiterhelfen kann: Es ist das "Gebet der liebenden Aufmerksamkeit". Du nimmst Dir wenigstens einmal am Tag, vielleicht am Abend, dafür Zeit, das Erlebte, Deine Gedanken, Gefühle, Gespräche, Deine Arbeit und Deine Begegnungen vor Gott hinzulegen, dafür zu danken, sie in seinem Licht zu sehen und vielleicht eine Botschaft für Dein Weitergehen zu hören. Daneben hoffe ich, dass Du Dir jeden Tag eine bestimmte Zeit freihalten kannst (und wenn es regelmäßig auch nur fünfzehn Minuten sein sollten), in der Du anbetend und hörend vor Gott stehst, im Dank, in der Bitte, im stillen Dasein, in der Meditation eines Bibelwortes; was auch immer Dir hilft, mit Gott zu reden, wie mit einem Freund, mit dem Du gerne zusammenkommst, das ist gut.
Für Deine Entscheidung wird es auch von großem Nutzen sein, jeden Monat oder alle sechs Wochen einen "Wüstentag" einzulegen, einen Tag ganz frei für einen Ausflug, für Gebet und Reflexion über Deine Fragen. Vielleicht wagst Du es auch, Tage der Stille oder eine Woche von Exerzitien zu planen und damit nicht bis ans Ende Deines Jahres zu warten. Ganz sicher wirst Du dies als einen bedeutenden Schritt zur Lebensentscheidung erfahren und dabei das Mitgehen Gottes erleben.

 

Ein geeignetes Lebensumfeld wählen

So eine Entscheidung aus dem Glauben zu treffen, wie Du es vorhast, heißt gegen den breiten Strom unserer Zivilisation zu laufen. Du kannst Dich auf Deiner Suche aber nicht ständig infrage stellen lassen; es würde Dich überfordern. Ich hoffe, Du kannst eine Gruppe oder Gemeinschaft finden, in der Du lebst oder mit der Du Dich regelmäßig triffst, die Deine Suche teilt, Dich versteht, mitgeht und mitbetet. Du kannst dort tiefe Beziehungen gestalten und Dich mit Deinen Stärken und Schwächen erleben. Die Bibel sagt uns, dass sich Gott in besonderer Weise den Armen zuwendet und uns in ihnen begegnet. Suche - wenigstens zeitweise - eine Arbeit mit Armen, lass Dich von Menschen am Rande unserer Gesellschaft ansprechen, herausfordern, und nimm wahr, was ihr Leben und ihre Nöte in Dir bewegen.

 

Dich kennen- und begrenzen lernen

Als die ersten beiden Jünger Jesus folgen, wendet er sich um und fragt sie: "Was sucht ihr?" Dies in Dir zu entdecken, Deine tiefere Sehnsucht wahrnehmen und formulieren zu lernen, das wird ein entscheidendes Element für Deine Entscheidungsfindung sein. Achte auch auf Deine Bedürfnisse, die sich im Lauf der Wochen melden, nimm sie wahr und versuch sie zu benennen. Das Gleiche gilt für Deine Ideale und Ziele. Nur im ehrlichen Gespräch mit Deinen Bedürfnissen und Idealen wirst Du zu einer tragfähigen Entscheidung kommen, die mit Deiner ganzen Person und Deinem Leben übereinstimmt.


Jungen Menschen fällt es gewöhnlich nicht leicht, sich in der Wahl eines konkreten Schrittes zugleich von anderen Dingen oder Wegen verabschieden zu müssen. Vielleicht hat Dich dies auch bisher so hin- und herschwanken lassen. Es ist aber einsichtig: Um Ja sagen zu können, wirst Du zu vielen anderen guten Möglichkeiten Nein sagen müssen. Glaub mir, sich so "begrenzen" zu lernen schenkt Freiheit und das Erleben einer neuen Tiefe und Klarheit.

 

Übungen zur Entscheidungsfindung

Zwei Übungen, die zur Abklärung Deiner Fragen oder konkreter Wahlmöglichkeiten helfen können, will ich Dir kurz beschreiben. Die erste wäre: Versuch das ganze Jahr hindurch mit einem Evangelium zu leben. Lies jede Woche einige Abschnitte davon und frag Dich, was Dir diese Perikope oder jenes Wort des Herrn für Deine Fragestellung sagt. Wenn Dich etwas mehr anspricht, so bleib geduldig mehrere Tage dabei. Du wirst erleben, dass sich etwas in Dir klärt und Du zu wertvollen Einsichten kommst.


Die zweite Übung: Stell Dir einfach vor, eine Wahlmöglichkeit wirklich zu leben, etwa in einem konkreten Beruf zu stehen. Leb mit dieser Einstellung einige Wochen. Lass all Deine Gedanken und Gefühle kommen und schreib sie auf. Dann wechsle die Vorstellung auf eine andere Wahlmöglichkeit und tu dasselbe, indem Du einige Zeit damit lebst. Im feinen Unterschied der Gedanken, inneren Stimmungen und Bilder wirst Du dann im Gespräch mit Deiner Begleitung feststellen können, worin vermutlich mehr der Wille Gottes für Dein Leben liegt.

 

Realistisch und treu bleiben

Wenn sich langsam Deine Wegrichtung klärt und Deine Entscheidung reift, so lege ich Dir sehr ans Herz, die nächsten Schritte gut zu überdenken, konkret zu planen und dabei realistisch zu bleiben. Du wirst auch eine Zeit der Überprüfung Deiner Entscheidung brauchen, zumindest einige Wochen, wo Du mit der getroffenen Entscheidung lebst und sie Gott im Gebet vorlegst. Achte aufmerksam darauf, wie es Dir damit geht. Gewiss werden bisweilen wieder Ängste und Bedenken auftreten; das ist normal. Aber als Grundstimmung wären wachsender innerer Friede, Freude, Klarheit und Liebe zu Gott wünschenswert. Das darfst Du dann als Bestätigung des Herrn verstehen.


In Zeiten der inneren Verwirrtheit, Traurigkeit, Lauheit und Versuchung ist es nicht gut, Entscheidungen zu treffen. Genauso wäre es verhängnisvoll, in solchen Zeiten des "Misstrostes" Deine Schritte, die Du Dir in Zeiten des "Trostes" gut überlegt und vorgenommen hast, wieder abzuändern. Prüfungen sind normaler Bestandteil unseres Lebens. Erst die Treue macht erfülltes Leben und Hingabe möglich.


Lieber Peter, ich hoffe, diese kurzen Hinweise sind Dir eine Hilfe. Du beginnst einen Weg, dessen Richtung und Ziel Du noch nicht kennst. Sei gewiss, Gott geht mit. Ich bitte ihn darum, dass in diesem "Jahr der Entscheidung" in Dir die nächsten richtigen Schritte reifen dürfen.

 

Josef Maureder

aus: entschluss 51 (1996) Heft 5, 19-20.

 

Entscheide dich
Old wooden door with rusty iron handle

Halte die Türe offen

es könnte ja sein…

Oder rollst du einen Stein
vor die Türe
damit der Wind dir nicht
den Atem raubt

und das Haus
auf den Kopf stellt
oder die Nacht dich
in ihrer Dunkelheit täuscht?

Sei wachsam und
entscheide dich
ob ja oder nein
gib deiner Angst
keine Gelegenheit
dir den Kopf
zu verdrehen

Wilhelm Bruners

CANISIUSWERK

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