Samstag 21. Juli 2018
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Mit anderen Augen

Kirchenführerin Theresia Fuetsch

Die seit 16 Jahren schrittweise erblindende Kirchenführerin aus Berufung öffnet bei Führungen Menschen die Augen für sakrale Kunst und einen Zugang zum Glauben. 

Kirchenführerin Theresia Fuetsch

In den 1980er-Jahren arbeitete ich in unserem Tourismusbüro in Virgen. Unser Osttiroler Dorf ist schon in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen als idealer Urlaubsort touristisch genützt worden. Der Tourismus wurde mit etwa 150.000 Nächtigungen jährlich ein von der Bevölkerung hart erarbeiteter Wirtschaftszweig, für den auch ich arbeiten durfte. Eine meiner Überlegungen war: „Was können wir unseren Gästen anbieten?“ In erster Linie war und ist es immer noch unsere wunderbare Bergwelt mit den höchsten Gipfeln von Großglockner und Großvenediger, mit den vielen Wandermöglichkeiten, Almen und Hütten.

Kirche Maria Schnee, Obermauern

Kleinod sakraler Kunst 

Aber wir haben auch kulturelle Angebote, etwa eine Wallfahrtskirche. Mit einmalig gut erhaltenen Fresken und einem interessanten historischen Hintergrund ist sie eines der bemerkenswertesten sakralen Kunstdenkmäler der Spätgotik in unserem Land. Ich dachte, es wäre ein Angebot, dieses Kleinod sakraler Kunst unseren Gästen mittels einer kulturhistorischen Führung bewusst näherzubringen. Den Zeitpunkt hierfür setzte ich mit Freitag am späten Nachmittag fest, um damit eine aktive, erlebnisreiche Urlaubswoche etwas meditativ abzuschließen. Die Schwierigkeit war, jemanden für diese Aufgabe zu finden. Da mir das nicht gelungen ist, habe ich sie selbst übernommen. Ich besorgte mir Literatur, studierte diese und begann, die Kirche „Maria Schnee“ mit ganz anderen Augen zu sehen, als ich dies bis dahin in oft oberflächlich erlebten Gottesdiensten getan habe.

 

Die Führungen waren sehr gut besucht, das Angebot wurde angenommen und ausgedehnt. Wallfahrergruppen, Bildungshäuser, Schulen, Busunternehmer … wurden darauf aufmerksam, und ich lernte durch diese Führungen immer mehr interessante Menschen kennen. Ich muss sagen, ich bekam es mit theologisch und historisch sehr gebildeten Leuten zu tun, von denen ich sehr viel gelernt habe. Natürlich stieg auch mein Interesse, und ich erweiterte mein Wissen – auch durch die mündliche Überlieferung unserer älteren Menschen.

 

Neue Beziehung

In den 30 Jahren, in denen ich mich mit dieser Kirche und nur mit dieser Kirche beschäftige, bekam ich eine andere Beziehung zu unserer Religion. Bei der immer wieder erklärenden Betrachtung der bildnerisch dargestellten Passion des Jesus von Nazareth – der Maler hat sich am Johannesevangelium orientiert – kam mir zu Bewusstsein, was der Mensch Jesus gelitten haben muss, was er für ein kräftiger Mann, wie stark seine psychische Verfassung gewesen sein muss … Alles Dinge, die mir nie so intensiv bewusst gewesen waren. Ich begann, mich mit Jesus und seinem Leben zu beschäftigen, ihn mir als Mensch meiner Zeit vorzustellen und ihn als meinen ganz persönlichen Mittler zu Gott zu engagieren. Für mich ist Gott eine unfassbare Größe, seine Kraft und Weisheit sind aber durch Jesus erlebbar.

 

Die Bilder unseres Künstlers Simon Marenkl (sein Heimatort ist Traisten im südtirolerischen Pustertal) im Altarraum sind dem Leben Mariens gewidmet: Sehr interessant ist ihre dargestellte Verwandtschaft – in der Bibel nicht so genau beschrieben, wie es die Bilder hier erzählen.

 

Was mich in dieser Kirche so beeindruckt, ist die Einfachheit. Ja, ich möchte sagen, sie strahlt, trotz der wertvollen Fresken, Bescheidenheit aus. Und das ist bei vielen Wallfahrtskirchen nicht der Fall.

Fresken, Kirche Maria Schnee 

Den Zugang zur Kunst bekam ich durch meinen Mann, der sich als „Klassiker der Tiroler Bildhauer“ bereits zu seinen Lebzeiten „einen Namen“ erworben hat.

 

Was meine Sprache betrifft, so habe ich diese im Gymnasium der Ursulinen, damals noch in Wien I, Johannesgasse, gelernt. Es freut mich, dass sie immer wieder lobend bedankt wird. Ich gebe diese Anerkennung gerne meinen ehemaligen leider bereits verstorbenen Lehrerinnen weiter.

 

Abschließend möchte ich erwähnen, dass ich seit 12 Jahren schrittweise erblinde und meine Sehkraft zurzeit nur noch zwei Prozent beträgt. Dass ich diese Führungen trotzdem machen kann, ohne dass diese Behinderung nennenswert auffällt, sehe ich als Berufung an, durch die ich immer wieder Kraft und Liebe zum christlichen Glauben bekomme.

 

Ich liebe diese kleine, bescheidene Kirche inmitten unserer Bergwelt so sehr, dass ich sie als mein geistiges Eigentum betrachte. Bin ich nicht sehr reich? Ich glaube nicht, dass so bald jemand in diesem Sinne eine Kirche besitzt. Und als mein Erbe gebe ich mein Wissen gerne an Interessierte weiter. Bisher waren es in fast 30 Jahren etwa 12.000 Personen.

 

Theresia Fuetsch

 

Zur Person

Theresia Fuetsch ist gebürtige Wienerin, übersiedelte aber der Liebe wegen nach Virgen in Osttirol.

 

Info
Kirche Maria Schnee in Obermauern

 

Diese Kirche wurde in der Zeit von 1432 bis 1456 aufgrund eines Schneewunders gebaut. Dieses bezog sich auf Wetterkapriolen – Schnee im August, verbunden mit der großen Sorge um die Ernte. Die Patroziniumskirche für dieses Fest ist Maria Maggiore in Rom, ebenfalls aufgrund eines Schneewunders im 5. Jahrhundert erbaut wurde. Das Patroziniumsfest wird am 5. August gefeiert.

 

Gebaut wurde die Kirche von der Görzer Bauhütte, einem Wirtschaftsbetrieb in Lienz. Der damalige Hofmaler der Görzer Grafen, der Landesherren dieses Teiles von Tirol, war Simon Marenkl aus Traisten, einem Dorf auf Südtiroler Seite des Pustertals. Dieser Maler bekam den Auftrag, die Passion Jesu von Nazareth an die Nordwand der Kirche zu malen, damit das Volk, das damals nicht lesen und schreiben konnte, diesen Teil der Bibel in Bildern veranschaulicht bekommt.

 

Im Altarraum wird in sechs Bildern das Leben und gegenüber an der Südseite das Sterben Mariens dargestellt.

 

Der Hochaltar ist in seiner ursprünglichen Form erhalten, wurde aber im 17. Jahrhundert mit Säulen und einem Aufbau bis zum Rippengewölbe barockisiert.

Die Gnadenmutter mit Kind aus dem Jahr 1425 ist holzgeschnitzt und steht über dem Tabernakel.

 

Die alte Orgel stammte von einem bekannten Salzburger Orgelbauer des 18. Jahrhunderts namens Egerdacher. Sie wurde bis 1925 gespielt. Schließlich baute ein Orgelbauer aus Obermauern, Alois Fuetsch, eine neue.

 

Über dem Seitenportal an der Außenseite befindet sich ein großes Fresko eines Lienzer Künstlers vermutlich aus dem Jahr 1468. Es stellt den heiligen Christophorus dar.

An der Außennordseite zeugt ein Marienbild in Form eines griechischen Tympanons von dem älteren Teil eines sakralen Baues, ebenso eine in Stein gehauene Madonnenfigur, die, laut einer mystischen Überlieferung, aus der Mauer wächst.

 

Die Kirche Maria Schnee war nie eine Pfarrkirche, sie wird aber von Wallfahrern gerne besucht. Es gibt viele schöne Gottesdienste an Marienfesttagen, im Advent und in der Fastenzeit. Die ausgezeichnete Akustik dieser spätgotischen Kirche erlaubt so manches wunderbare Konzert. Ja, man kann sagen, sie ist ein „Konzertsaal“ Gottes.

 

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