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Portraits | Zeugnisse

„Ich bin mit dir, ich behüte dich!"

Dominikaner Frater Tobias Martin Sieberich

Das recht zufällig gewählte Studienfach Theologie, das Tobias Martin Sieberich mit 19 Jahren nach einer schweren Krankheit inskribierte, führte ihn schließlich zum Predigerorden der Dominikaner, wie er in seiner Berufungsg'schicht für Quo vadis erzählt.  

 

Frater Tobias Martin Sieberich OP erzählt über seine Berufung zum Dominikaner.

 

„Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst“ (Gen 28,15). Dieser Vers aus dem Buch Genesis, den Gott Jakob zuspricht, wurde im Jahr 2011 zum Vers, der mich prägen sollte.
Damals hatte ich gerade mit dem Theologiestudium begonnen. Ich wusste noch nicht, in welche Richtung es mich ziehen würde. Ich hatte keine Ahnung von kirchlichem Leben, wenig Erfahrung in der Glaubenspraxis und erst recht keine Idee, was man eigentlich mit einem Abschluss in der Theologie macht.

 

Warum hatte ich eigentlich angefangen mit diesem Studium?
Nun, die Antwort ist kurios: Ursprünglich wollte ich Lehrer werden, schrieb mich in Freiburg für Mathematik und Physik, meine liebsten Schulfächer, ein. Schnell merkte ich jedoch, dass mir das Studium zu schwer fiel, ich zu viel Zeit aufwenden musste. Nach einer schweren Krankheit kurz vor meinem Abitur hatte ich einfach nicht ausreichend Kraft. Mit 19 Jahren bei meiner Mutter ausziehen und direkt voll ins Leben starten – das war zu dem Zeitpunkt zu viel für mich.
Meine Mutter war es, die mir aber weiter Mut machte: „Es ist nicht gut für dich, wenn du dich hängen lässt. Schreib dich doch irgendwo ein, und wenn es Theologie ist!“ Ob sie ahnte, dass ich die Aufforderung ernstnehmen würde?


Ich schrieb mich für Theologie ein und war von Beginn an zufrieden mit diesem Studiengang. Vor allem lernte ich Mitstudenten kennen, mit denen ich mich schnell anfreundete; die mir zeigten, wie sie ihren Glauben lebten. Zum anderen fand ich aber auch Gefallen an der Theologie: nachdenken über „Gott und die Welt“, meinen sich entwickelnden Glauben kennen und begründen lernen, die christliche Tradition ergründen – super! Im gelebten Glauben und in der theologischen Reflexion fand ich Antworten auf einige meiner Fragen – speziell im Blick auf meine von Krankheit geprägte Kindheit und Jugend: „Warum ist das mir passiert?“ „Wie und warum habe ich das so gut überstanden?“ „Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst“, wurde mir zur wichtigsten Antwort. Was auch passiert, Gott begleitet mich in meinem Leben!

 

Und ich?
Nachfolge bedeutet für mich Da-Sein für die Menschen, die in Not sind; Da-Sein für die, die Fragen ans Leben haben – ihnen im besten Fall helfen können. Nachfolge bedeutet für mich den Gott, den ich in meinem Leben erfahren habe, zu verkündigen – erkenntlich zu machen, dass er eine Relevanz in unserem Leben haben kann.

 

Hohe Ziele, doch wie sollte ich diese verwirklichen?
Meine geistliche Heimat fand ich in Freiburg in der Dominikaner-Pfarre St. Martin. Nahezu täglich besuchte ich dort die Messe. Irgendwann fiel ich dabei dem Pfarrer auf. Er lud mich ein, Lesungen zu lesen – Lektor und Ministrant zu werden. Immer mehr lernte ich die Pfarre und – damit verbunden – die Gemeinschaft der Dominikaner in Freiburg, kennen. Von den Brüdern wurde ich zum Frühstück eingeladen, zum Mittagessen, später zum Mitleben.


Ihre Lebensform gefiel mir. Dominikanisches Leben ist ein Leben aus der Gotteserfahrung heraus – im Gebet, im Studium, in der Gemeinschaft – in die Welt hinein. Im Idealfall sammelt der Dominikaner seine Kraft in der Zurückgezogenheit und der Gemeinschaft mit den Brüdern, seine Glaubensstärke im Gebet und im Studium der Theologie. Alles um in der Welt „zum Heil der Seelen“ zu wirken – z. B. in Seelsorge, Wissenschaft und Lehre.

 

„Toll! Das will ich auch machen!“
2015 trat ich in den Orden ein. 2017 legte ich meine einfache und 2020 meine Feierliche Profess ab. Seit vier Jahren lebe ich in Wien, werde in diesem Jahr eine weitere Ausbildung zum Geistlichen Begleiter abschließen und habe im vergangenen Jahr eine psychotherapeutische Ausbildung begonnen.


In den vergangenen Jahren merkte ich immer mehr, dass mir das Leben als Dominikaner taugt. Nicht weil die Jahre reibungslos und glücklich verlaufen sind – ich habe häufig mit mir, der Gemeinschaft und Gott zu kämpfen gehabt; manch schwere Zeit durchstehen müssen –, sondern weil ich spüre: „Bei Gott bin ich geborgen“ (vgl. Ps 91,1+2; Taizé) und in die Welt gesandt.

Frater Tobias Martin Sieberich 

Mehr zum Dominkanerorden:

http://wien.dominikaner.org/

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