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Porträts | Zeugnisse

Ruth gehört einfach dazu

Einsatz für die Roma - Lebensaufgabe von Ruth Zenkert

Elend und Not, Glaube und Lebensfreude: Bei den Roma im Herzen Siebenbürgens findet sich alles in konzentrierter Form. Für die deutsche Sozialmanagerin und Religionspädagogin Ruth Zenkert wurde der Einsatz für die Roma zur Lebensaufgabe. Von Georg Pulling für miteinander.

Vor neun Jahren steht die damals 49-jährige Ruth Zenkert eines Tages mit ihrem Rucksack in einem kleinen Dorf im rumänischen Siebenbürgen. 20 Jahre hat sie sich da schon in Rumänien für Straßenkinder eingesetzt, nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt: „Ich hatte nichts mit, nur die Frage: Wo ist die Not am größten?“ Sie weiß, dass unzählige Roma-Familien in der Gegend leben. Vielleicht kann sie helfen.

 

Ruth findet ein kleines Häuschen. „Ein Zimmer war bewohnbar, mit einem kleinen Holzofen darin. Seit dem ersten Winter mit minus 30 Grad weiß ich, was der Winter für viele hier bedeutet.“ Ruth besucht die Roma-Familien in den Dörfern. Die Menschen leben in Baracken ohne Strom und Wasser; keine Toiletten, keine Wannen, um Wäsche zu waschen, kein Geschirr, oft nichts zu essen. Im Winter wird mit der verdreckten Wäsche die Hütte isoliert. Die Menschen haben nichts – außer viele Kinder. „Bis zu zehn sind keine Seltenheit. Und dann gibt es ein oder zwei Betten in den Hütten. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie sie alle die Nächte verbringen.“

 

Wie kann Ruth die Menschen aus diesem Teufelskreis des Elends befreien? Bald merkt sie: gar nicht. Die Menschen müssen es selbst wollen. Doch Ruth kann ihnen dabei helfen. Und sie ist bald nicht mehr allein. Einige ehemalige Straßenkinder aus Bukarest stoßen zu ihr, für die Ruth einst da war. Und dann taucht auch noch P. Georg Sporschill auf – und bleibt.

 

Ein besseres Leben

Bildung ist der Schlüssel für ein besseres Leben. Es dauerte einige Zeit, die rumänischen Lehrer von ihren Vorurteilen Roma-Kindern gegenüber abzubringen; und es dauert einige Zeit, die Roma-Eltern davon zu überzeugen, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Über die Musik kann Ruth die Kinder gewinnen. Sie beginnt, in einer Schule Trommelunterricht zu geben. „Am ersten Tag kamen acht Kinder, am zweiten fünfzig, am dritten über achtzig." Schnell entwickelt sich eine erste Musikschule. Der Verein „Elijah“ wird gegründet.

Ruth und ihre Mitstreiter besorgen für die Roma Dokumente, damit die Kinder in die Schule gehen können. Sie starten Aktionen, in denen die Menschen selbst ihre Häuser und Dörfer sauber machen. Wer fleißig ist, erhält eine Belohnungen. Erste Schritte auf dem Weg zu einem echten Job. Und die gemeinsamen Anstrengungen gehen weiter: Das erste Sozialzentrum entsteht, dann eine erste Ausbildungsstätte, immer mehr Spender finden sich, immer mehr Freiwillige aus Rumänien und dem Ausland kommen.

 

Und Ruth? Sie gehört einfach dazu. Sie hat selbst so gut Saxophon gelernt, dass sie im „Elijah“-Orchester mitspielen kann; gemeinsam mit Roma- und Nicht-Roma-Kindern, denn „Elijah“ gelingt es immer mehr, die Barrieren zwischen Roma und Mehrheitsbevölkerung zu überwinden.

 

Ruth Zenkert wird 1962 im deutschen Schwäbisch Hall in eine Familie mit fünf Kindern geboren. Die jüngere Schwester Carolin hat das Downsyndrom. „Ich habe wahnsinnig viel gelernt von ihr. Achtsamkeit für all jene, die vermeintlich schwach sind, sie können auch eine unglaubliche Stärke entwickeln“, sagt Ruth. 1984 lernt sie in einer Bibelschule in Israel P. Sporschill kennen. Sie folgt dem jungen Jesuiten nach Wien, leitet bald eine Caritas, bevor sie Anfang der 1990er-Jahre gemeinsam mit P. Georg nach Rumänien geht, wo die beiden in den folgenden Jahren mit ihrem Projekt „Concordia“ tausende verwahrloste und obdachlose Kinder von den Straßen holen. Schließlich trennen sich die Wege von „Concordia“ und Ruth.

 

„Wie eine große Familie“

„Elijah“ ist Ruth Zenkerts „Baby“. Bei „Concordia“ war sie es, die P. Sporschill zur Seite stand. Hier in Transsilvanien ist Ruth die „Chefin“, die oft noch bis weit nach Mitternacht über den Zahlen brütet oder Verträge unterschreibt. Aber was ist „Elijah“? Ruth: „Wir leben wie eine große Familie, wir sind einfach ein paar Menschen, die zusammen sind, um anderen zu helfen. Und wir leben das ganz – niemand von uns hat eine eigene Familie.“ Wir – das sind Ruth, P. Sporschill, die Vorarlbergerin Angela King, Angelica (ein ehemaliges Straßenkind) und einige mehr. Meist leben in der „Elijah“-Zentrale im Dorf Hosman auch einige freiwillige Helfer aus aller Welt mit; und auch einige Roma-Kinder, für die in ihren Familien kein Platz ist. Der Morgen beginnt mit einem gemeinsamen Gebet und Frühstück, fast jeden Abend wird Messe gefeiert. „Es ist ein Geben und Nehmen bei Elijah“, sagt Ruth: „Alleine würde ich das nicht schaffen.“ Dazu sind die Herausforderungen viel zu groß. „Wir müssen auch lernen, mit Misserfolgen umzugehen und manchmal kann man nur mehr alles dem Herrgott im Gebet übergeben.“ Nachsatz: „Und er hat uns schon so oft mit Wundern überrascht.“

 

Infos

Der Verein "Elijah" ist mittlerweile in fünf Dörfern in der Umgebung von Sibiu und in der Stadt selbst tätig. Es gibt zahlreiche Sozialzentren, Musikschulen, Lehrwerkstätten und Arztpraxen. "Elijah" unterhält eine Tischlerei, eine Gärtnerei, eine Landwirtschaft, eine Fleischerei, eine Hauswirtschaftsschule, eine Bäckerei, eine Weberei, einen Bauhof und eine Keramikwerkstatt. Die eigene Gärtnerei versorgt alle "Elijah"-Einrichtungen mit Gemüse, die Möbel der Einrichtungen werden in der eigenen Tischlerei gefertigt. Im Dorf Nocrich wurden die Hütten in der Roma-Siedlung durch neue, wetterfeste Häuser ersetzt. Zu den 60 fixen Mitarbeitern von Elijah kommen noch rund 20 Volontäre.

www.elijah.ro

 

Buchtipp: Georg Sporschill SJ/Ruth Zenkert. Mit Feuer vom Himmel. Neue Geschichten von Elijah und seinen Raben. Amalthea Verlag 2019

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