Priesterweihe im Stephansdom

 

Fünf Männer wurden am Samstag im Wiener Stephansdom zu Priestern geweiht. Erzbischof Josef Grünwidl nannte in seiner Predigt Gottvertrauen, Menschennähe und Mut zum Träumen als Grundhaltungen priesterlichen Dienstes.

 

 

Erzbischof Josef Grünwidl hat am Samstagvormittag im Wiener Stephansdom fünf Männer zu Priestern geweiht: Joachim Losehand, Manuel Rennhofer, Richard Johannes Andrae, Cristian Xavier Gonzalez und Giovanni Wu. Zahlreiche Gläubige, Priester und Ordensleute nahmen an der Feier teil, unter ihnen auch der Wiener Alterzbischof Kardinal Christoph Schönborn sowie die Weihbischöfe Franz Scharl und Stephan Turnovszky.

 

In seiner Predigt bezeichnete Grünwidl die Priesterweihe als „Sakrament der Immunisierung gegen jede Form des Klerikalismus“. Das Sakrament der Weihe sei „etwas Großes und Heiliges“, aber keine persönliche Auszeichnung und keine Ehre, sondern „Beauftragung zum Dienst am Volk Gottes“. Wenn die Priesterweihe die Neupriester Christus ähnlich mache und tiefer mit ihm verbinde, müsse das besonders in der Haltung des Dienens sichtbar werden.

 

Ausgangspunkt der Predigt war das Tagesevangelium aus der Bergpredigt: „Sorgt euch nicht um euer Leben“ und „Macht euch keine Sorgen, ihr Kleingläubigen“ (Mt 6,24–34). Grünwidl deutete diese Worte als Glaubensfrage: ob Menschen Gott etwas zutrauen, mit seiner Hilfe rechnen oder der Illusion erliegen, alles hänge allein von ihnen selbst ab.

 

An die Weihekandidaten gerichtet sagte der Erzbischof: „Ihr seid heute alles andere als kleingläubig. Ihr setzt heute einen mutigen Schritt, stellt euch Gott zur Verfügung, seid bereit, am Aufbau seines Reiches mitzuwirken, und tretet als Priester in den Dienst der Kirche.“ Ihr Weg sei nicht einfach Ergebnis von Planung und Organisation, sondern Antwort auf einen Ruf. „Euer Gottvertrauen ist das Fundament für das ‚Ich bin bereit!‘“

 

Nach der Predigt erklärten die fünf Weihekandidaten vor dem Erzbischof und der versammelten Gemeinde ihre Bereitschaft zum priesterlichen Dienst. Joachim Losehand und Manuel Rennhofer waren zu Beginn der Feier von Regens Richard Tatzreiter für das Wiener Priesterseminar vorgestellt worden, Richard Johannes Andrae, Cristian Xavier Gonzalez und Giovanni Wu von Rektor Federico Colautti für das Missionskolleg Redemptoris Mater.

Grünwidl verband die Weihe mit dem Wunsch, dass die neuen Priester in ihrem Glauben wachsen und ihre Beziehung zu Gott sowie ihre Freundschaft mit Christus pflegen. „Euer ganzer Weg hat mit Gottsuche und Gottvertrauen zu tun“, sagte der Erzbischof. Die Glaubwürdigkeit eines Priesters hänge nicht zuerst an Programmen, Projekten und Leistung: „Nicht so sehr, was ihr tut, sondern wer ihr seid und wie ihr euren Glauben lebt, euer Mut zum Gottvertrauen, eure Beziehung zu Jesus Christus, eure Suche nach dem Reich Gottes macht euch als Priester glaubwürdig und hilfreich.“

 

Als zweiten Gedanken hob Grünwidl die Menschennähe hervor. Priestersein heiße zuerst, Mensch zu bleiben, Bruder der Menschen zu bleiben und Christ zu sein. „Wir brauchen Priester mit dem Stallgeruch der Herde“, sagte Grünwidl mit Bezug auf Papst Franziskus. Den Neupriestern gab er die „4-M-Regel“ mit: „Menschen muss man mögen.“ Er wünsche ihnen ein weites Herz und eine große Liebe zu den Menschen, besonders zu den Kleinen, Armen und Kranken.

 

Als dritten Impuls nannte der Erzbischof den Mut zum Träumen. Er erinnerte an den Traum von Papst Innozenz III., in dem Franz von Assisi die einsturzgefährdete Lateranbasilika stützt. Dieses Bild sei auch sein Wunsch für die Neupriester: dass sie aufstehen, sich vom Wort Gottes leiten lassen, das Evangelium verkünden, anpacken und durch ihren Dienst die Kirche stützen und aufbauen.

 

In der Allerheiligenlitanei lagen die fünf Kandidaten ausgestreckt am Boden, während die Gemeinde um Gottes Beistand und die Fürsprache der Heiligen betete. Der eigentliche Moment der Weihe geschah schweigend: Erzbischof Grünwidl legte jedem Kandidaten die Hände auf, anschließend taten dies auch die anwesenden Priester. Danach sprach der Erzbischof das Weihegebet. Die Neugeweihten wurden mit Stola und Kasel bekleidet, ihre Hände mit Chrisam gesalbt, Brot und Wein wurden ihnen überreicht. Mit dem Friedensgruß nahm der Erzbischof sie sichtbar in den priesterlichen Dienst auf.

 

Musikalisch gestaltet wurde die Feier vom Vokalensemble St. Stephan, den Wiener Dombläsern und Domorganist Robert Kovács unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Landerer. Zu hören waren unter anderem Teile aus der „Salzburger Messe“ von Hans Haselböck, Mendelssohn Bartholdys „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ sowie Gesänge von Mitgliedern des Neokatechumenalen Wegs, dem drei der Neugeweihten angehören.

 

Aufgrund eines technischen Problems konnte die Feier nicht wie geplant live gestreamt werden. Die Aufzeichnung ist ab heute 18.00 Uhr auf dem YouTube-Kanal der Erzdiözese Wien verfügbar: https://www.youtube.com/watch?v=yjfFnSlCX3A

 


 

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