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Berufung

Gerufen-Werden und Rufen

Diakon Ralph Schimpl zur Kultur des Rufens

Die Texte zum 2. Sonntag im Jahreskreis, insbesondere die Berufung des Samuel und die Einladung Jesu "Kommt und seht!", waren Anlass für Diakon Ralph Schimpl, unsere Kultur des Rufens zu hinterfragen. 

 

Der göttliche Rufer ruft oft auch durch Menschen. „Angesichts der biblischen Texte frage ich frage mich manchmal, warum wir so wenig rufen“, so Diakon Ralph Schimpl. 

 

Mit dem letzten Sonntag und seiner Schilderung von der Taufe Jesu im Jordan ist die liturgische Weihnachtszeit zu Ende gegangen. Und schon bestürmen uns die Texte dieses Sonntags mit Erzählungen, in denen es um Berufung geht. Gerade so, als könnte es, nach dieser besonderen Zeit der Menschwerdung Gottes nicht schnell genug gehen, bis sich das Reich Gottes hier auf Erden vermehrt und wächst.

 

Aber welche Bilder entstehen, wenn wir das Wort Berufung hören? Geht es dabei um mystische Ereignisse, die nur selektiv einigen wenigen Auserwählten vorbehalten sind? Oder doch um etwas, an dem wir alle teilhaben können? Ich möchte nach einer kurzen Reflexion über das Rufen und Gerufen-Werden mit einer persönlichen Erfahrung diese Betrachtung schließen.

 

Unermüdlicher Rufer

Die erste Lesung erzählt vom Ruf Gottes, der an Sámuel ergeht. Nicht nur einmal – da ist kein Aufgeben oder Resignieren auf der Seite des Rufers. Und die Antwort Sámuels, dieses „Hier bin ich!“, hat die Kirche so sehr bewegt, dass sie bei der Vorstellung der Weihekandidaten in die Weiheliturgie integriert wurde. ER gibt bei Sámuel nicht auf, bis er eine Antwort auf diesen Ruf erhält. Erst dann geht die Geschichte weiter und es hat sich etwas verwandelt.

 

Göttlicher Rufer bedient sich der Menschen

Ich bin überzeugt davon, dass der Ruf eines anderen Menschen auch diese verwandelnde Kraft in sich tragen kann. Wenn ich jemandem eine Fähigkeit zuspreche, sie oder ihn frage, ob diese Fähigkeit nicht erprobt werden könnte, so kann das Selbstvertrauen in der angesprochenen Person wachsen und zum Nachdenken anregen. Ein solches Auffordern und Ermutigen sollte freilich nicht inflationär eingesetzt werden. Vielmehr kann hier die Unterscheidung der Geister helfen, wie sie in der ignatianischen Spiritualität verankert ist. Denn durch solchen Zuspruch, durch solche Anfragen wachsen weltliche Gemeinschaften, Kollektive und auch die Kirche.

 

Jesus spricht die späteren Apostel von Mensch zu Mensch an: „Kommt (und seht)“! Nach all diesen eindrucksvollen Schilderungen frage ich mich manchmal, warum wir so wenig rufen. Haben wir Angst vor der Reaktion des Gegenübers, das mit „Das kann ich nicht“ oder „Ich traue mir das nicht zu“ antworten könnte? Könnten wir dadurch nicht gerade das Gegenteil bewirken, nämlich Vertrauen und Neugier zu wecken?

 

Saite zum Schwingen bringen

Vor etwas mehr als 14 Jahren erging ein solcher Ruf durch einen Menschen an mich. Nein – es war keine mystische Erfahrung und der Himmel blieb auch so, wie ich ihn über Lainz-Speising gewohnt war. Und trotzdem kann ich mich noch heute gut an den Moment erinnern, an dem mich unser damaliger Pfarrer Wolfgang Dolzer gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, mich zum ständigen Diakon ausbilden zu lassen. Ich wusste damals nicht wirklich, was sich alles hinter diesem Begriff verbirgt und worauf ich mich einlassen würde. ABER es hat eine Saite in mir zum Schwingen gebracht. Meine Neugier war geweckt und dieser Ausdruck des Vertrauens hat mich angespornt, mich zu informieren und zu lernen. Die Anfrage hat mir geholfen, mich auf den Weg einzulassen. Und dann habe ich erkannt, dass es für mich passt. Nun darf ich schon mehr als 8 Jahre den Dienst als ständiger Diakon ausüben. Das wäre wohl nicht oder ganz anders geschehen, wenn nicht dieser Ruf damals an mich ergangen wäre.

 

Was ich damals gelernt habe ist, dass es Aufmerksamkeit braucht, wenn man einem Mitmenschen einen Zuspruch machen möchte. Vor allem wenn es um Fähigkeiten geht, die ich sehe oder erahne, das Gegenüber für sich aber noch nicht erkannt hat. Und es darf nicht entmutigen, wenn die oder der Angesprochene Zeit zum Nachdenken und Verdauen braucht. Aber der Ruf kann etwas auslösen – und manchmal kann er auch aufgenommen werden.

Ralph Schimpl

Ständiger Diakon der Erzdiözese Wien

www.diakon.at/Wien/

 

Texte zum 2. Sonntag im Jahreskreis

1 Sam 3, 3b–10.19 | 1 Kor 6, 13c–15a.17–20 | Joh 1, 35–42

Joh 1, 35–42

In jener Zeit stand Johannes am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm.


Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes!


Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus.


Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wohnst du?


Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde.
Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren.


Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte - Christus.


Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels – Petrus.

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