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Visionen und Herausforderungen

Generalsekretärin Sr. Christine Rod MC

Seit 1. Mai steht mit Sr. Christine erstmals eine Frau an der Spitze der Österreichischen Ordenskonferenz. Im Interview mit Michael Ausserer vom Wiener SONNTAG.

 

Seit 1. Mai 2020 neue Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz: Sr. Christine Rod MC

 

Viele Leserinnen und Leser kennen Sr. Christine Rod MC sehr gut. Die neue Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz hat eine lange Laufbahn in der Erzdiözese Wien hinter sich und sie war auch jahrelang Evangeliums-Kommentatorin hier im SONNTAG (2016 bis 2019). An diese Zeit erinnert sich Sr. Christine sehr gerne: „Es macht mir große Freude, in kompakter Form das zu übersetzen, was ich begriffen habe. In der Hoffnung natürlich, dass es auch anderen Menschen hilft, einen Zugang zu finden.“

 

Seit Anfang 2020 gibt es für die Männer- und Frauenorden die gemeinsame Österreichische Ordenskonferenz, die die Interessen der 192 Orden in Österreich wahrnimmt. Sr. Christine Rod MC ist die erste Generalsekretärin dieser neuen Organisation und sie tritt mit Motivation und klaren Zielen an: „Meine Stärke ist es, Themen zu erkennen, aufzugreifen und weiter zu entwickeln. Ich möchte die Orden in ihren Umbrüchen unterstützen und begleiten. Diese sind wahrlich tiefgreifend, so wie alle gesellschaftlichen und kirchlichen Umbrüche. Nur merken wir es bei den Orden noch stärker, weil sie geschlossene soziale Systeme sind. Darüber hinaus wollen wir gewährleisten, dass Informationsaustausch, Wissensaustausch und Vernetzung unter den Ordensleuten stattfinden kann.“

 

Sie sprechen von Umbrüchen. Von welchen?

Die größte Herausforderung ist, wie sich Orden neu orientieren können, damit sie auch in Zukunft weiterbestehen können. Wir kämpfen mit dem Problem der Überalterung und noch dazu war die Mission der meisten Orden früher meistens klarer als heute. Vor allem im 19. Jahrhundert, als mehr Orden gegründet wurden als jemals vorher und nachher in der Kirchengeschichte, gab es sehr klare Aufträge: Bildung, Krankenpflege, Betreuung von Waisenkindern usw. Vieles von dem hat mittlerweile unser schöner Wohlfahrtsstaat übernommen, der wohlgemerkt nicht so effektiv wäre, wenn die Orden nicht ursprünglich diese Leistung übernommen hätten. Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen, sondern wir müssen alles dafür tun, dass die Orden und ihre Einrichtungen wichtige Partner für die Gesellschaft bleiben.

 

Wie kann das gelingen?

Wir sind dabei auf Verbündete angewiesen; auf Partner und Kompagnons, die mit uns im wahrsten Sinne des Wortes das Brot teilen und sich gemeinsam mit uns einsetzen. Das gilt übrigens auch für unsere eigenen Mitarbeiter, wenn man bedenkt, dass in vielen Ordenseinrichtungen, Schulen und Krankenhäusern mittlerweile viele Laien arbeiten. Diese Situation ist ursprünglich definitiv aus einer Not heraus entstanden, hat sich aber längst als große Chance erwiesen. Aber man darf es nicht so verstehen, dass die einen die Professionellen sind – und die anderen die Ordensleute. Denn es gibt viele extrem professionelle Ordensleute. Sondern es geht um ein motiviertes Miteinander.

 

Wo und wie wollen Sie konkret ansetzen?

Ein wichtiger Schritt wird sein, dass wir bereits bei der Ausbildung von Ordensleuten ansetzen. Dazu werden wir in einer Arbeitsgruppe konkrete Maßnahmen erarbeiten. Klarerweise muss jeder Orden eigenständig dafür sorgen, dass die neuen Mitglieder gut eingeführt und ausgebildet werden. Aber gleichzeitig müssen Novizinnen und Novizen österreichweit gut vernetzt werden. Sonst könnten sie recht schnell das Gefühl haben, dass sie „Einzelkinder“ sind, die in ihrem jeweiligen Orden mit Abstand die Jüngsten sind. Jeder hat das Recht, jung sein zu dürfen, dazu braucht es andere Junge. Ansonsten kann es passieren, dass schon junge Menschen deutlich vor der Zeit vergreisen.

 

Was macht für Sie die besondere Strahlkraft von Orden aus?

Ordensleute sind gefragte Gesprächs- und auch Geschäftspartner. Ordensfrauen und -männer haben eine extrem anziehende Aura für viele Menschen. Gleichzeitig leidet unsere Strahlkraft, wenn man z.B. bedenkt, dass „die Nonne“ eines der beliebtesten Faschingskostüme ist. Ich sage immer, dass wir hinaus müssen zu den Menschen, wir müssen in Kirche und Gesellschaft präsent sein. Das ist zwar für diejenigen schwierig, die schon älter oder krank sind, doch alle anderen Ordensleute müssen hinausgehen und greifbar sein.

 

Sie sind die erste Frau an der Spitze der Österreichischen Ordenskonferenz. Ein wichtiges Signal?

Ja, ein sehr wichtiges. Generell werden Frauen in unserer Gesellschaft nämlich immer noch viel zu oft übersehen, das ist auch im Ordensbereich so. Das lag sicher auch an den Strukturen und nicht zuletzt auch am Selbstbild von einigen Ordensfrauen in der Vergangenheit. Aber mittlerweile kommen viele top ausgebildete Ordensfrauen nach, wir haben eine Sr. Melanie Wolfers SDS, die Bestseller-Bücher schreibt, wir haben eine Sr. Beatrix Mayrhofer SSND, die den Ordensfrauen mit hoher Autorität seit Jahren eine starke Stimme verleiht – um nur einige zu nennen. Und auch ich selbst habe jahrelang Ordensmänner begleitet und ausgebildet. Das alles führt natürlich zu einem neuen Wahrgenommen-Werden.

 

Warum sind Sie Ordensfrau geworden?

Mein Glaube war mir immer schon wichtig. Doch das alleine hat mir nicht gereicht, sondern man muss den Glauben auch leben. Ich habe zwei Jahre in Ostasien auf den Philippinen verbracht und dort die unglaubliche Kraft kennengelernt, die sich einstellt, wenn man den Glauben gemeinsam lebt und sich gemeinsam für etwas Gutes einsetzt. Mit Umwegen bin ich dann mit 41 Jahren in den Orden eingetreten. Dabei hatte ich nicht das Gefühl, viel umlernen zu müssen, sondern ich habe stattdessen einen starken Schub erlebt. Ich bin gerne Ordensfrau, weil ich das Gefühl habe, dass sich das multipliziert, was ich als Christine Rod alleine leben würde. Das gibt mir eine unglaubliche Freiheit und gleichzeitig Verbundenheit.

 

Sie waren ja jahrelang für unsere Erzdiözese Wien tätig. Welche Emotionen verbinden Sie mit ihr?

In erster Linie Beheimatung, ich bin hier groß geworden und gewachsen. Als ich zum Studieren nach Wien gekommen bin, habe ich in St. Florian in der Wiedner Hauptstraße eine sensationelle Zeit erlebt. Es war eines dieser Projekte von Kardinal König, bei denen ich begriffen habe, dass Kirche auch ganz anders funktionieren kann und dass ich im Glauben tatsächlich Beheimatung finden kann. Das war eine unendlich inspirierende Erfahrung und seitdem bin ich in verschiedenen Aufgaben immer wieder mit der Diözese stark verbunden. Auch jetzt noch ist sie für mich Beheimatung, auch wenn ich mich auf Österreich-Ebene einbringe.

Quelle: Wiener SONNTAG.

Das Interview führte Chefredakteur Michael Ausserer.

 

Zur Person

Sr. Christine Rod MC wurde 1959 in Niederösterreich geboren.

Ausbildung, Beruf, Werdegang
Von 1985 an stand Christine Rod im pastoralen Dienst der Erzdiözese Wien. Dort war sie 15 Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen tätig: als Pastoralassistentin, Gemeindeberaterin und in der Priesterfortbildung.

Ordensleben
Zwischen 1990 und 1992 verbrachte sie dabei einen Studienaufenthalt auf den Philippinen in Manila. Im Jahr 2000 trat Christine Rod in die Gemeinschaft der Missionarinnen Christi ein. Von 2003 bis 2013 leitete sie den Bereich Ordensentwicklung im Kardinal König Haus. 2013 übernahm sie für sechs Jahre die Regionalleitung der Missionarinnen Christi für Deutschland und Österreich in München. Nach einem Sabbatjahr in Israel ist Sr. Christine Rod MC neue Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz.

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