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Weltgebetstag 2022

Werde, wer du sein kannst

P. Josef Maureder über geistliches Wachstum und Reifen

Was gilt es im Blick zu behalten, um sich im Sinne Gottes zu einem reifen Menschen zu entwickeln, dessen Leben gelingt? Ein Brief mit hilfreichen Aspekten an eine Studentin. Von P. Josef MAUREDER SJ Text zum Download

 

Woman portrait double exposure

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Liebe Barbara,

vor drei Jahren hast du Tage der Einkehr gemacht. Damals hast du dich entschieden, mit einem Pädagogikstudium zu beginnen. Jetzt fragst du mich, was hilfreich wäre, dass du im Sinne Gottes ein reifer Mensch wirst und das Leben gelingt.

 

Dich selbst,

Gottes Offenbarung und

 die Ereignisse in der Welt

im Blick behalten

Zuerst würde ich dich ermutigen, nicht nur menschlich, sondern auch geistlich unterwegs zu bleiben. Was meine ich damit? Es ist wichtig, dass du dich selbst im Blick behältst, wahrnimmst, was sich in dir bewegt, wenn du das eine tust und das andere lässt. Dass du immer mehr dem folgst, was in dir Frieden auslöst. Du hast auch dich mit deinen Grenzen und deinen Stärken wahrzunehmen. Du hast deine Ziele mit dem in Einklang zu bringen, was du tatsächlich mit Einsatz und Hingabe ausführen und erreichen kannst. Wie sehr wünsche ich dir, dass du dich in den kommenden Jahren immer mehr selber kennen und lieben lernst. Zugleich willst du dich Tag für Tag offen halten für das Geheimnis Gottes in deinem Leben und in dieser Welt. Es freut mich, wie du immer mehr darüber staunen kannst, dass der große Gott sich in Jesus von Nazareth so auf unsere menschliche Geschichte eingelassen hat. Behalte die Offenbarung Gottes in Christus im Blick und im Herzen: indem du betest, die Heilige Schrift betrachtest, von heiligen Menschen lernst. Das wird dir entscheidende Wegweisung sein. Es gibt noch einen dritten Pol, den ich dir nahelegen möchte: die Ereignisse in der Welt zu beachten. Gott spricht nicht nur in der Stille zu deinem Herzen. Er wirkt und macht sich bemerkbar mitten im Alltag. Er tröstet dich, er ruft dich in den Begegnungen und Ereignissen deines Lebens. Das ist eine erste Spur für menschliches und geistliches Wachsen, damit dein Leben gelingt: dich selber, Gott in seiner Offenbarung in Christus und die Ereignisse in der Welt im Blick zu behalten. Dabei ist bedeutsam, dass du nicht einsam unterwegs bist, sondern dich auf Beziehungen und Gemeinschaft einlässt. Dass du als Frau und Glaubende mit anderen diese „drei Pole“ im Blick behältst und darüber im Austausch bleibst.

 

Achtsamkeit für 

Lebens-Räume, 

Lebens-Sinn und

Lebens-Wege

Barbara, so viele Anregungen, Bilder und Glücksversprechen strömen auf dich ein, dass du manchmal nicht mehr weißt, wem du vertrauen sollst. Bleib dafür achtsam, was nicht nur im Augenblick, sondern auf längere Sicht deinem Leben guttut, was dir wirklich hilft, dich zu entfalten. Suche immer wieder Lebensorte und Lebens-Räume, wo du vertrauen und atmen kannst. Suche den Lebens-Sinn für die richtigen Aufgaben, damit du deine Kraft und Zeit nicht umsonst vergeudest. Und vor allem: Hab Mut, dich für Lebens-Wege zu entscheiden, damit du nicht hinter deinen Möglichkeiten zurückbleibst. Du darfst Wege versuchen und auch Fehler machen. Bleib nicht stehen oder liegen, wenn du fallen solltest. Gott geht alle Wege mit.

 

Wachsen in Hingabe und Treue,

reifen in der Verantwortung

Kommen wir zum innersten Kern deiner Berufung und wie sie sich entwickelt. Erinnerst du dich, Barbara, wie du noch vor drei Jahren sagtest, dass du irgendwie in Gott verliebt warst? Du bist seither nüchterner geworden, hast weniger Wert auf deine Emotionen gelegt und mehr darauf geschaut, was sich durchhält. Könnte man vielleicht sagen, dass sich die Verliebtheit von damals in Liebe wandelt? Auch in der Beziehung zu Menschen ist das so geworden. Du bist nicht mehr bloß Feuer und Flamme. Du siehst auch die offenen Fragen, das Wagnis, sich wirklich auf jemanden einzulassen. Du stellst Begegnungen mehr in einen größeren Zusammenhang, gehst verantwortlicher damit um. Freu dich über diesen Wachstumsprozess. Du hast auch stärker das Wir, die Gruppe, die Gemeinschaft im Blick. Auch auf dem Weg deiner Lebensaufgabe machst du eine ähnliche Entwicklung durch. Sprachst du nicht früher davon, wie sehr du von einer Aufgabe begeistert oder fasziniert bist? Jetzt verwendest du Ausdrücke wie Einsatz und Hingabe. Auch da bist du konkreter und realistischer geworden. Du willst Versprechen auch einlösen können. Manchmal frage ich Ehepaare, ob sie meinen, dass es nach Verliebtheit und Liebe noch eine Entwicklung gäbe. Nicht wenige antworten: Doch, die Treue! Barbara, das ist eine weitere Spur des Reifens zu erfülltem Leben. Treue zu einem Menschen, Treue zu Gott, das ist Liebe mal Zeit. Das ist reife Liebe. Wie großartig und hilfreich ist es, wenn jemand zu mir steht, auch wenn ich Fehler mache, wenn ich Misserfolg habe, wenn es mir nicht gut geht, wenn ich gerade nicht so einfach oder liebenswert wirke. Da trägt mich Gottes Treue. Da gehen gute Menschen mit, die mich bedingungslos lieben. Das wünsche ich dir vor allem anderen: Dass du diese Erfahrung machst und so auch selbst ein liebender Mensch wirst, der zu Beziehungen und Bindungen steht, auch zu Gott. Und das in Momenten, wo der oder die andere schwer zu verstehen oder anzunehmen sind. Ähnlich in Aufgaben und in deiner Berufung: dass du durchhältst, dass du Krisen durchstehst und daraus gereifter hervorgehst und tiefer und erfüllender deinen Einsatz leben kannst. Treue, Geduld, Ausdauer, sie sind die Lebensspur, damit dein Leben gelingt, in Beziehungen, im Beruf, in deiner Berufung.

 

Dieser Weg, Barbara, ist schön und spannend, aber nicht bequem. Da gibt es einfachere und schwierigere Wegstücke, auch Zeiten, wo du müde bist. Aber der Weg lohnt sich. Und es ist wichtig, die Asche, die sich manchmal über die Glut der Liebe und Hingabe legen kann, wieder zu entfernen. Beziehungen zu erneuern, wieder intensiver zu pflegen, zu Gott und zu Menschen. Auch in den Aufgaben den Sinn und das Ziel wieder in den Blick zu nehmen, nicht zu schnell aufzugeben. Wachsen in Hingabe und Treue, Reif werden in Verantwortung und Beständigkeit. Ist das nicht auch der Weg Jesu Christi? Dieser Weg schenkt dir Frieden und tut anderen gut. So wirst du, was du sein kannst in einer doch recht orientierungslosen Gesellschaft: ein liebender und aus Gott lebender Mensch, eine Frau mit klarem Blick und sinnvoller Hingabe, in hellen und in dunklen Tagen.

 

P. Josef Maureder SJ

Zum Autor

P. Mag. Josef Maureder ist Jesuit und leitet den Bereich Spiritualität und Exerzitien im

Kardinal König Haus, Wien

 

Buchtipp:

Josef Maureder, Wir kommen, wohin wir schauen, 128 Seiten, 4. Auflage, Tyrolia 2007, ISBN 978-3-7022-2595-7.

 

 

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Stichwort: Weltgebetstag

Um das Thema „Berufung“ wachzuhalten, begeht die Kirche seit 1964 jeweils am

4. Sonntag der Osterzeit den Weltgebetstag für geistliche Berufungen. Der Vatikan veröffentlicht dazu meist eine Botschaft des Papstes. Für Österreich gibt das Canisiuswerk jährlich Unterlagen und Anregungen heraus.

 

Im Sinne von Mt 9,38 „Bittet den Herrn der Ernte“ beten wir um guten und ausreichenden Nachwuchs in den verschiedenen geistlichen und kirchlichen Berufen und Berufungen.

 

Wir erinnern uns aber auch daran, dass alle Christen Berufene sind, und mit ihrem Leben der in Taufe und Firmung grundgelegten Berufung zum gemeinsamen Priestertum Ausdruck geben sollen. Eine Antwort auf Gottes Ruf.

 

Deswegen initiiert das Canisiuswerk während des gesamten Jahres Impulse und Aktivitäten in der Berufungspastoral.

CANISIUSWERK
Zentrum für geistliche Berufe

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1010 Wien

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