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Weltgebetstag 2021

Der rechte Augenblick

Gedanken von P. Paul Weingartner

Mit offenen Augen für den rechten Augenblick durch den Tag zu gehen, bedeutet auch, die Bereitschaft zu haben, ein neues Mosaiksteinchen in das Gesamtbild des Lebens einzufügen. 

 

Der griechische Gott Kairos, Francesco de' Rossi, 1544 

 

Die Philosophen der Antike haben in zwei Zeitbegriffen gedacht und gesprochen: Mit „Chronos“ meinten sie die verstreichende Zeit, die sich mit Uhr und Kalender messen lässt. Diesen Begriff finden wir häufig in der Technik der Zeiterfassung, wie Chronometer, Chronologie oder Chronik. Der zweite Zeitbegriff, der uns vielleicht weniger geläufig ist, dem wir jetzt aber unsere Aufmerksamkeit zuwenden wollen, ist „Kairos“, „der günstige Augenblick“. Das ist der Zeitpunkt, der eine besondere Chance in sich birgt, der rechte Moment, also die „gute Gelegenheit“: Von den griechischen Philosophenwurde der rechte Zeitpunkt so hochgeschätzt, dass sie hinter ihm sogar eine Gottheit sahen. Sie nannten ihn „Kairos“, den Gott des rechten Augenblicks.

 

In der Hafenstadt Trogir, in Dalmatien, befindet sich ein altes Steinrelief, welches diese „Kairos-Gottheit“ als eine männliche Gestalt abbildet. Auffallend an ihr sind zwei Besonderheiten: eine große Haarlocke an der Stirn und der völlig kahl geschorene Hinterkopf. Dadurch veranschaulicht der Künstler das Besondere des rechten Augenblicks: Begegnet dir der günstige Augenblick, der Kairos, so packe die Gelegenheit am Schopf! Nütze diese einmalige Chance! Ergreifst du sie nicht, dann zeiht der günstige Augenblick ungenützt vorüber. Mit einem verspäteten Versuch greifst du ins Leere. Der kahle Hinterkopf macht es dir unmöglich, ihn von hinten noch zu fassen. Vermutlich weißt auch du aus deiner eigenen Erfahrung, dass heute manches nicht mehr verwirklichbar ist, was früher möglich gewesen wäre.

 

Der Kairos zeigt sich als unerwartete und „willkommene“ Überraschung, die spontan beim Schopf gepackt werden will. Der Kairos ist aber auch ein von uns erwarteter Zeitpunkt, der uns nach einer Phase des Klärens eine „gereifte“ Entscheidung treffen lässt. Zwei Arten des Wartens sind dabei zu unterscheiden: Einerseits können wir Zeit vorübergehen lassen, in der wir etwas aufschieben, weil es unangenehm ist. So wird der Kairos nicht genützt und wertvolle Zeit geht verloren. Andererseits können wir Zeit vergehen lassen, als mit einer entscheidenden Handlung warten, bis die Zeit „reif“ geworden ist. Denn für eine „gereifte“ Entscheidung braucht es oft eine Phase des Klärens, in der sowohl die Umständeals auch die Folgen unserer Handlung „studiert“ werden.

 

Ob sich der Kairos nun erwartet oder unerwartet zeigt: Wenn wir ihn beim Schopf packen wollen, braucht es von unserer Seite auch eine Portion Mut und Spontanität. Mit offenen Augen für den rechten Augenblick durch den Tag zu gehen, bedeutet, die Bereitschaft zu haben, ein neues Mosaiksteinchen in das Gesamtbild des Lebens einzufügen. Wenn wir diese Haltung mit den sinnvollen Einladungen des Lebens Schritt halten, werden wir auch das Mosaikbild unserer Persönlichkeit in seiner Klarheit mehr und mehr zum Strahlen bringen.

 

Quelle: Paul Weingartner, Klarheit, die von innen kommt. Das Mitdenken der Seele, ,MICHAVERLAG, Pettenbach, 2013. Das Canisiuswerk dankt dem MICHAVERLAG für die Abdruckerlaubnis dieses Textes anlässlich des Weltgebetstages für geistliche Berufungen.

 

Zur Person:

P. Paul Weingartner OCD ist Karmelit in Linz. 1991 wurde er zum Priester geweiht. Schwerpunkte seines Wirkens sind u. a. die christliche Persönlichkeitsbildung und die Einzelseelsorge. Seit Oktober 2019 ist er Spiritual des Salzburger Priesterseminars.

Stichwort: Weltgebetstag

Um das Thema „Berufung“ wachzuhalten, begeht die Kirche seit 1964 jeweils am

4. Sonntag der Osterzeit den Weltgebetstag für geistliche Berufungen. Der Vatikan veröffentlicht dazu meist eine Botschaft des Papstes. Für Österreich gibt das Canisiuswerk jährlich Unterlagen und Anregungen heraus.

 

Im Sinne von Mt 9,38 „Bittet den Herrn der Ernte“ beten wir um guten und ausreichenden Nachwuchs in den verschiedenen geistlichen und kirchlichen Berufen und Berufungen.

 

Wir erinnern uns aber auch daran, dass alle Christen Berufene sind, und mit ihrem Leben der in Taufe und Firmung grundgelegten Berufung zum gemeinsamen Priestertum Ausdruck geben sollen. Eine Antwort auf Gottes Ruf.

 

Deswegen initiiert das Canisiuswerk während des gesamten Jahres Impulse und Aktivitäten in der Berufungspastoral.

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