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    » Weltgebetstag 25. April

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Weltgebetstag 2021

Worauf wartest du?

Biblische Annäherungen

„Du bist mein Schutz und mein Schild, ich warte auf dein Wort“, ruft das Ich in Ps 119,114 Gott zu. Warten kann sich lohnen. Es kommt darauf an, worauf und wie. Von Elisabeth Birnbaum

 

 

„Wie lange noch?“

„Warten“ hat mit „erwarten“ zu tun. Wer auf etwas wartet, erwartet auch, dass dieses etwas einmal eintritt, wer auf jemanden wartet, dass dieser Jemand auch irgendwann kommt.

 

Ein solches Warten kann zur Ungeduld führen: Wenn das Volk darauf wartet, dass JHWH aus der Bedrängnis befreit, ruft es ihm sein „Wie lange noch“ entgegen. Und umgekehrt kann auch Gott dem Volk sein „Wie lange noch?“ entgegenrufen, wenn er ungeduldig darauf wartet, dass es endlich begreift, wo es sein Glück findet.

 

Manchmal wird die Ungeduld so groß, dass nicht zielführende Handlungen gesetzt werden, nur, um irgendetwas zu tun. Aus einer solchen Ungeduld machen sich die Israelit:innen am Sinai ein goldenes Kalb. Sie ertragen die Unsicherheit nicht, wissen nicht, wann Mose wiederkommt und ob der unsichtbare Gott sie nicht doch längst verlassen hat. Ebenfalls aus Ungeduld wenden sich zur Zeit des Paulus viele Christ:innen sogenannten „Irrlehrern“ zu. Den nur vagen Angaben, die Paulus zu Termin und Zeitpunkt der Wiederkehr Christi machen kann, setzen diese „Irrlehrer“ vorgebliches „Wissen“ über das Wann, Wo und Wie entgegen. Sie nützen das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit aus und befriedigen es: durch klare, aber falsche Antworten.

 

Erwartung als Forderung

Schwierig wird es auch, wenn aus der Erwartung eine Forderung wird, wenn versucht wird das Eintreten des Erwarteten zu erzwingen. Damit ist eine zweite Nuance der Frage „Worauf wartest du?“ angesprochen: Jene Nuance, die Eltern gewöhnlich mitschwingen lassen, wenn sie Kinder zu unangenehmen Pflichten drängen möchten oder zur Eile gemahnen. Dann wird nicht mehr gewartet, sondern gefordert. Das kleine Betulia im Juditbuch etwa wird von den übermächtigen Assyrern belagert und die Ältesten stellen in ihrer Not Gott ein Ultimatum (Jdt 7,30f.). Innerhalb von fünf Tagen soll Gott ihnen Rettung schicken, sonst kapitulieren sie. Dieses Vorgehen tadelt Judit zu Recht. Erwartungshaltungen lassen den Adressat:innen nur wenig Spielraum. Handeln sie danach, erfüllen sie nur ihre „Pflicht“. Verweigern sie, ziehen sie sich den Zorn der in ihren Erwartungen Enttäuschten zu. Eine unerfreuliche Situation.

 

Noch etwas zu erwarten?

Und trotzdem: Schlimmer noch ist, wenn von Anfang an nicht mehr gewartet wird; wenn das „Worauf wartest du?“ zu einem: „Von dir ist ohnehin nichts zu erwarten“ wird. Und geradezu fatal wäre, wenn Gott sich im Gegenzug nichts mehr von seinem Volk erwartete.

In 2 Kön 6 ist das „Gott sei Dank“ nicht der Fall. In 2 Kön 6 spricht zwar der König von Israel angesichts einer bedrückenden Belagerungssituation verbittert: „Dieses Elend kommt vom HERRN. Was soll ich noch vom HERRN erwarten?“ Doch der Prophet Elischa verkündet, dass ganz im Gegenteil vom HERRN noch einiges zu erwarten ist.

 

In der Hoffnung

Und hier kommt eine neue Nuance von „warten“ ins Spiel. Ein „Warten“ das mit „Hoffen“ zu tun hat. Ein solches Warten lässt den anderen Raum, zwingt sie nicht in eine Schablone. Und auf Gott bezogen erkennt es an, dass Gott sich vorzugsweise als einer erweist, der auf unerwartete Weise eingreift und hilft. Ob das bedrängte Betulien im Juditbuch, das bedrängte Gottesvolk in Ägypten, die Israeliten angesichts der Philistergefahr (z.B. in 1 Sam 17) oder die bedrängten Christengemeinden des Neuen Testaments: Sie alle erfahren, dass Gott gerade so handelt, wie es nach menschlichem Ermessen gerade nicht erwartet werden kann.

 

Natürlich ist das hoffende, nicht fordernde Warten weniger leicht auszuhalten. Es verhindert Planungssicherheit und Gewissheit. Ein solches Warten will gelernt sein. Aber nur so kann Gott sich als der erweisen, der er eigentlich ist: als der ganz Andere, der immer schon Unverdiente und Unfassbare; als der Unerwartete. Auf ihn in Geduld und Zuversicht zu hoffen, statt zu fordern und zu verlangen, ist wohl die beste Art zu warten.

 

Übrigens: Der eingangs zitierte Psalmvers Ps 119,114 lautet in der Übersetzung der Lutherbibel: Du bist mein Schutz und mein Schild; ich hoffe auf dein Wort.“ Auf Gott, den Unerwarteten zu warten und zu hoffen lohnt sich. In diesem Sinne: Worauf wartest du?

 

Elisabeth Birnbaum

Zur Autorin

Dr.in Elisabeth Birnbaum ist promovierte Alttestamentlerin und seit 2017 Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerkes.

Webtipp: www.bibelwerk.at

Stichwort: Weltgebetstag

Um das Thema „Berufung“ wachzuhalten, begeht die Kirche seit 1964 jeweils am

4. Sonntag der Osterzeit den Weltgebetstag für geistliche Berufungen. Der Vatikan veröffentlicht dazu meist eine Botschaft des Papstes. Für Österreich gibt das Canisiuswerk jährlich Unterlagen und Anregungen heraus.

 

Im Sinne von Mt 9,38 „Bittet den Herrn der Ernte“ beten wir um guten und ausreichenden Nachwuchs in den verschiedenen geistlichen und kirchlichen Berufen und Berufungen.

 

Wir erinnern uns aber auch daran, dass alle Christen Berufene sind, und mit ihrem Leben der in Taufe und Firmung grundgelegten Berufung zum gemeinsamen Priestertum Ausdruck geben sollen. Eine Antwort auf Gottes Ruf.

 

Deswegen initiiert das Canisiuswerk während des gesamten Jahres Impulse und Aktivitäten in der Berufungspastoral.

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