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Herbsttagung der Orden

Prophetische Präsenz zentrales Thema

Vom 26. bis 29. November 2018 berieten Vertreter der Ordensgemeinschaften. Der traditionelle Ordenstag war dem Thema "Wach - prophetische Präsenz" gewidmet.

 

Wach - Prohetische Präsenzen

Unter diesem Thema luden die Ordensgemeinschaften Österreich zum Ordenstag 2018. 

Den Reigen der Vorträge am Ordenstag am 27. November 2018 im Kardinal König Haus in Wien XIII eröffnete Erzabt em. Asztrik Várszegi von der Benediktinerabtei Pannonhalma in Ungarn. Er sprach vor rund 500 Ordensoberinnen, Ordensoberen und leitenden Verantwortlichen bei den Orden über „Treu zu seiner Sendung stehen schafft prophetische Zeichen“.

"Es gilt nur von Herz zu Herz, von Jesu Herz zu der Menschen Herz." 

 

„Ich bin kein Prophet“ – mit diesen überraschenden Worten begann Erzabt em. Asztrik Várszegi seinen Vortrag. „Aber ich habe Anteil am Prophetentum durch meine Taufe, durch die Sakramente … wie ihr alle, meine Brüder und Schwestern.“ Um dann sein Resümee mehr oder weniger vorwegzunehmen: Es brauche keine große Taten, um prophetische Zeichen zu setzen. „Ich bin der Meinung, wir Kleinen können mit Kleinigkeiten Neues und Gutes beginnen.“

 

Und er nannte auch gleich ein Beispiel: Vor einigen Jahren waren 400 StudentInnen aus aller Welt nach Pannonhalma auf Besuch gekommen, und Várszegi hatte fünf Minuten Zeit zu erklären, was ein Kloster sei. Letztendlich meine er, Pannonhalma sei ein „über 1000jähriges Kommunikationszentrum“. Seine Begründung für diese ungewöhnliche Definition: „Wir versammeln uns jeden Tag, lesen, beten, suchen und fragen gemeinsam nach dem Geheimnis unserer Menschseins. Wir versuchen unsere eigenen Wünsche, Laster und Tugenden zu verstehen. So entsteht ein Dialog. Was daraus entsteht, das wollen wir in unseren Pfarren weitergeben. Wir machen nichts anderes als das Hauptgebet Jesu Christi zu verwirklichen: Liebe Gott von deinem ganzen Herzen, und auch deinen Mitbruder und Mitmenschen“.

Tatsache sei, die Welt habe sich komplett verändert; fast fühle man sich als Ordenschrist schon selber fremd in dieser Welt. Aber auch die Menschen fühlen sich unwohl. Und hier stellt Várszegi die eigentliche Frage: „Welche prophetische Präsenz brauchen die Christen?“ Um auch gleich die Antwort zu geben: „Wir müssen in unsern Kommunitäten leben und vorleben, was wichtig ist: die Liebe. Sie ist die Barmherzigkeit Gottes.“ Das müsse man leben, nicht nur im Gebet, wie man mit den Menschen umgehe. „Das soll Frieden und Freude in ihren Herzen schenken“, so der Erzabt. Dazu müsse man einfache Worte finden. „Wir müssen nur das Notwendigste mitnehmen. Es gilt nur von Herz zu Herz, von Jesu Herz zu der Menschen Herz.“

Und ein weiteres Beispiel nannte Várszegi: Pannonhalma lebte in seiner 1000jährigre Geschichte schon immer an der Grenze zu zwei Welten: Türken und Christen, Ost und West. Das Kloster war immer ein Zufluchtsort. Nach der Französischen Revolution nahmen die Ordensmänner französische Mitbrüder, aber auch Mitschwestern auf; sie ruhen bis heute gemeinsam in der Krypta. Während des ersten kommunistischen Regimes versteckte das Kloster einen Rabbi; im II. Weltkrieg retteten sie Juden und Soldaten. „Auch Migranten kamen vor sechs Jahren; wir haben Familien aufgenommen, und das zum Trotz der Regierung. Das war unser Alltag“, erzählte Várszegi. „Es gibt Situationen für einen Christen, wo er sich anders benehmen muss als von ihm erwartet wird.“ Und weiter: „Wach sein heißt kritisch, aber auch voller Güte sein.“

  

Ordenspreis 2018

Im Rahmen des Ordenstags am 27. November 2018 im Kardinal König Haus in Wien XIII wurde der mit 12.000 Euro dotierte “Preis der Orden” verliehen. Insgesamt vier Preisträger wurden für ihre wache Präsenz ausgezeichnet: VinziDorf-Hospiz/Graz, Flüchtlingshilfe der Steyler Missionarinnen in Athen, Trauerbegleitungsprojekt für Kinder in Linz und die Kainbacher Passionsspiele. (#otag18 #wach)

Der "Preis der Orden" wird von den heimischen Ordensgemeinschaften seit 2012 verliehen. Alle zwei Jahre werden Einzelpersonen als auch Personengruppen oder Einrichtungen in den Ordensgemeinschaften für „engagierte soziale, journalistische, künstlerische oder wirtschaftliche Leistungen an der Schnittstelle zwischen Ordensgemeinschaften und Gesellschaft“ ausgezeichnet. Die Dotation beträgt insgesamt 12.000 Euro. 2018 wurden insgesamt vier Preisträger ausgezeichnet.

 

Community in Movement / Steyler Missionsschwestern

Anfang Mai 2017 beschlossen die Steyler Missionsschwestern, eine kleine Schwesterngemeinschaft nach Griechenland zu schicken, um Flüchtlingshilfe zu leisten. Es sollte eine bewegliche Gemeinschaft sein, die ihre Mission danach ausrichtete, wo sie gerade gebraucht wurde. Seit damals sind Schwestern aus Österreich, Spanien und Slowenien unter dem Motto "Community in Movement" in Athen tätig, wo sie in einem Flüchtlingshaus leben und mithelfen. Die Schwestern kümmern sich vor allem um Familien und Mütter mit ihren Kindern.

Die Laudatio hielt Abt em. Christian Haidinger, Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Orden Österreichs. Er sagte, die „Schwestern hatten die Zeichen der Zeit und die Not, die zum Himmel schreit, erkannt.“ Sie könnten zwar nicht das Flüchtlingsproblem lösen, aber sie hätten damit "ein Zeichen der Hoffnung“ gesetzt und "prophetische Präsenz" gezeigt, so Männerorden-Vorsitzender Haidinger.

 

Begleitung trauernder Kinder und Jugendlicher/Ordensklinikum Linz

„Einen besonderen Schwerpunkt sehen wir darin, Kindern und Jugendlichen in altersentsprechender Weise rund um das Sterben, bei Ritualen zum Abschied nehmen, einzubinden und in der Trauerarbeit zu berücksichtigen.“ – mit diesen Worten beschreibt das Ordensklinikum Linz der Barmherzigen Schwestern Elisabethinen ihr Projekt, das sie seit Jahren betreiben. Ein sog. interdisziplinäres Kompetenzteam unterstützt Kinder und Jugendliche, wenn ein Elternteil schwer krank ist oder im Sterben liegt. Zudem wird MitarbeiterInnen, PatientInnen und Angehörigen Hilfe angeboten.

"Sie sind Schutzengel, die Kinder und Jugendliche durch die Hölle begleiten“, nannte ORF-Journalistin Brigitte Krautgartner die Mitglieder des Kompetenzteams in ihrer Laudatio. Sie könne hier aus eigener Erfahrung sprechen, erzählte Krautgartner, denn als jugendliche hätte sie ihre Mutter verloren. Die Arbeit im Ordensklinikum Linz mache einen großen Unterschied für die Gegenwart und Zukunft der Kinder und Jugendlichen, so die ORF-Journalistin.

 

Kainbacher Passionsspiele/ Lebenswelt der Barmherzigen Brüder - Steiermark

Bereits seit 1990 entstanden aus einer Klangspielgruppe die Kainbacher Passionsspiele. Heute besteht die Theatergruppe aus Bewohnern und Mitarbeitern der "Lebenswelt der Barmherzigen Brüder - Steiermark" sowie weiteren Mitgliedern, die gerne Theater spielen. Ziel ist, Brücken zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zu bauen. Alle zwei Jahre mit traditioneller Premiere am ersten Freitag in der Fastenzeit sehen etwa 1.200 Besucher das Spiel vom Leiden und Sterben Jesu auf der Bühne in Kainbach bei Graz.

„Das Ensemble der Kainbacher Passionsspiele schafft es, ein kleines Stück Himmel auf Erden greifbar zu machen", brachte es Magdalena Holztrattner, Direktorin der Katholischen Sozialakademie, in ihrer Laudatio auf den Punkt. Was zähle, sei das gemeinsame Tun. Es gehe darum, Berührungsängste abzubauen und der herzlichen Begegnung von Mensch zu Mensch Raum zu öffnen. Nichtsdestotrotz bzw. auch gerade deshalb lasse auch die künstlerische Qualität der Aufführungen ihresgleichen suchen, so Holztrattner.

 

VinziDorf Hospiz / Elisabethinen in Graz

Seit 2017 haben die Elisabethinen in Graz mit dem VinziDorf-Hospiz das erste stationäre Hospiz für obdachlose Menschen errichtet. Ein interdisziplinäres Team betreut unheilbar kranke Obdachlose, die in ihrer letzten Lebensphase Mitmenschlichkeit, professionelle medizinische Betreuung und ein Dach über dem Kopf bekommen.

Caritas Wien-Generalsekretär Klaus Schwertner, der kurzfristig verhindert war, schickte seine Laudatio als Rede, die Sr. Franziska Madl stellvertretend verlas. Er bezeichnete das VinziDorf-Hospiz in seiner Laudatio als "Ort des Lebens. Gerade weil es hier um den Tod und um das Sterben geht". Zu einer Kultur des Lebens gehöre auch eine Kultur des Sterbens bzw. eine Kultur der Solidarität mit den Sterbenden. Und diese Solidarität werde im VinziDorf-Hospiz deutlich und spürbar, so Schwertner.

 

Eine Stimme für mehr Menschlichkeit

„Wir werden die Stimme erheben müssen“, lautete der Titel des Vortrags von Susanne Scholl am Nachmittag des Ordenstages. Die Journalistin und Schriftstellerin erlebt heute eine Gesellschaft, in der man „hellhörig und wach sein sein muss, damit sich nicht wiederholt, was sich nicht wiederholen darf“. 

Die Referentin berichtete von „Omas gegen rechts“, der Plattform für zivilgesellschaftlichen Protest, in der sie sich engagiert. Gegründet wurde die Plattform von der ehemaligen evangelischen Pastorin Monika Salzer nach dem Angelobung der neuen Regierung. Sie könne nicht zuschauen, wie dieses Land umgestaltet wird, wie Hass, Verachtung und Unmenschlicheit zunehmen und von unten nach oben umverteilt werde, so die Stellungnahme der Gründerin von „Omas gegen rechts“, die sie auch auf Facebook postete. „Da bin ich dabei“, sagte sich Susanne Scholl. „Wir haben nichts zu verlieren und gehen auf die Straße mit Häubchen und einem eigens komponierten Lied.“ Sie appellierte an die versammelten Ordensleute: „Wir dürfen nicht aufhören, genauer hinzuschauen und müssen auch laut aufschreien, wo es notwendig ist.“

 

Predigt von Sr. Sonja Dolesch

Als sie gebeten wurde, die Predigt zu halten, hätte sie als erstes gedacht: Ich habe keine Predigterfahrung, das überfordert mich, erzählte Sr. Sonja Dolesch. Die Provinzoberin der Grazer Schulschwestern, die auch Regionalleiterin der Frauenorden Graz ist, wollte daher dankend ablehnen. „Aber dann hat es klick gemacht und ich habe Ja gesagt“, erinnerte sich Sr. Dolesch. „Warum ich das erzähle? Weil es darum geht, aus dem Nein herauszutreten und Ja zu sagen. Ich weiß, ich muss meine Komfortzone verlassen. Und so wurde meine Zusage zum bewussten Auftakt zum Wachsein. Zur Wachsamkeit und Bereitschaft, sich dem Wort Gottes auf Anruf zu stellen.“

 

Die Ordensgemeinschaften stellen sich dem Anspruch, prophetisch sein zu wollen. Das Motto Wach für ein gutes Leben aller sei eine große Herausforderung. Denn: „Prophetische Präsenz ist kein Zustand, es ist ein Zustand des Gerufen-seins, zwischen gerufen und gesandt von Gott zu den Menschen, zu der Welt, hören und hörend“, so die Ordensfrau. „Es erfordert eine ständige Dynamik zwischen Nein und Ja.“ Prophetische Präsenz – sie verlange die Leidenschaft für Gott und die Menschen. Dolesch: „Zunächst das Wort, das Gott an mich richtet, dass es mich erfasst und nicht loslässt. Ich fühle mich gedrängt, dem Ruf Gottes Antwort zu geben, der Sehnsucht der Menschen eine Spur zu Gott zu geben.“ Es brauche aber auch die „adventliche Haltung der Wachheit“, um zur Liebe Gottes zu gelangen.

 

Es gäbe viele Gründe, ins Nein zurückzufallen. Was Kraft gäbe zum Ja, sei das Gebet. Es ist Quelle der Kraft und der Freude. „So sind wir als Schwestern und Brüder prophetisches Zeichen“, betonte die Ordensfrau. Und weiter: „Ich gehe mutiger, erfüllter, leidenschaftlicher aus diesem Ordenstag zurück. Ich möchte mich einreihen in die Spur wacher Menschen, in die Spur wacher Christinnen und Christen, in die Spur wacher Ordensfrauen und Ordensmänner, in die Spur unserer Gründerinnen und Gründer, in die Spur Jesu Christi.“ Und das Ziel sei klar definiert: „Unsere Seele und die Seele der Menschen in Balance zu bringen – das ist unsere stete prophetische Aufgabe.“

 

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