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Berufung in der Bibel

Gott im Gespräch mit den Menschen

Bibelverständnis des II. Vaticaniums

Das Konzil bringt die Bibel in neuer Weise ins Gespräch. Univ.-Prof. em. Dr. Walter Kirchschläger zum Bibelverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Das Konzil bringt die Bibel in neuer Weise ins Gespräch. In früheren Aussagen des Lehramtes zur Heiligen Schrift überwiegen zwei Themen: Da geht es zunächst um eine genaue Darstellung der Inspiration, also der Geistgewirktheit der Heiligen Schrift; sodann beschäftigt sich das Lehramt mit einer logisch scheinenden Folgerung, nämlich der Irrtumslosigkeit der Bibel. In diesem Zusammenhang ist von „Diktat“ die Rede (Konzil von Trient und Vaticanum I) und davon, dass der menschliche Verfasser bei der Niederschrift der Offenbarung Gottes als ein instrumentum, also als ein „Werkzeug“ des Heiligen Geistes, dient. Diese Denkweise ist dem Anliegen zugeordnet, die Wahrheit der Heiligen Schrift in jeder Hinsicht zu verteidigen. „Weit gefehlt, dass der göttlichen Inspiration irgendein Irrtum unterlaufen könnte“, schreibt Leo XIII. in seinem Bibelrundschreiben 1893.

 

Das Zweite Vatikanische Konzil stellt weder Inspiration noch Wahrheitsgehalt der Bibel in Frage. Aber es versucht, mit einem anderen Denkmodell von der Offenbarung Gottes zu sprechen, die sich dann in der Bibel niederschlägt. Erstmals wird grundlegend über die Eigentümlichkeit der Bibel nachgedacht und nach den sich daraus ergebenden Folgen gefragt.

 

Gottes Initiative im Gespräch

Für die Väter des Konzils ist die Bibel das Ergebnis der Anrede Gottes an die Menschen. Dabei ergreift Gott die Initiative. Er handelt aus Liebe – mit dem Ziel, die Menschen „in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen“ (Dei Verbum, Art. 2). Diese Gesprächsinitiative Gottes ist ein Prozess, der sich durch die gesamte Epoche der Bibel hinzieht und im Christusgeschehen seinen Höhepunkt findet. Er, Jesus Christus, „ist es, der … durch göttliches Zeugnis bekräftigt, dass Gott mit uns ist“ (so Art. 4, siehe dazu Mt 1,23). Diese Botschaft Gottes ist also auf Heil und Rettung, auf Gemeinschaft ausgerichtet. Daraus ergibt sich: Die Rede Gottes zu den Menschen ist kein von Gott allein geführtes Gespräch; sie sucht nach Reaktion, nach Antwort des Menschen. Daher ist vom Glauben des Menschen die Rede, der Gott angesichts dieses seines ersten Schrittes entgegengebracht wird (vgl. Art. 5).

 

Die Bibel – ein Gemeinschaftsprojekt

Wird die Bibel selbst (und in der Folge wohl ihre Aufnahme beim Lesen bzw. Hören der Botschaft) als ein dialogisches Geschehen zwischen Gott und Mensch begriffen, ist neu über ihre Entstehung nachzudenken. Das Konzil wiederholt, was in früheren Lehraussagen über die Inspiration gesagt wurde, und es bekräftigt, dass diese Schriften „Gott zum Urheber (auctor) haben“ (Art. 11). Aber der Text spricht auch die Bedeutung der menschlichen Verfasser an. Sie werden von Gott als „Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte“ bei der Niederschrift dessen, was Gott sagen möchte, dienen sollen und die daher „als echte Verfasser (auctores)“ gelten (Art. 11). In der Folge des Konzils wurde die Kurzformel geprägt: Gottes Wort – in menschlicher Rede.

 

Damit wird auf das einander ergänzende Wirken zwischen Gott und Mensch in der Entstehung der Bibel hingewiesen. Gott hat die führende Rolle; trotzdem dürfen die menschlichen Elemente nicht vernachlässigt werden. Daher wird die Bibelwissenschaft in die Pflicht genommen, die Aussageabsicht der biblischen Texte und ihrer Verfasser zu erforschen (Art. 12). Dazu gehört die Berücksichtigung der verschiedenen Sprechgattungen ebenso wie der Blick auf „die Bedingungen von Zeit und Kultur“ und „die vorgegebenen umweltbedingten Denk-, Sprach- und Erzählformen“ (ebda.). Dieses Bewusstsein einer Inkulturation der Bibel ist nicht nur für die wissenschaftliche Schriftauslegung unerlässlich, sondern auch für die persönliche Auseinandersetzung mit dem biblischen Wort.

 

Die Bibel – „Brot des Lebens“

Die Väter des Konzils wollten die Bibel vermehrt in der Hand der Menschen sehen. Anregungen verschiedenster Art sollen dazu beitragen: die Errichtung der Bibelwerke, biblische Erwachsenenbildung, gute Übersetzungen, biblisch orientierte Predigten und entsprechende katechetische Unterweisung, fundierte Ausbildung der Seelsorgenden im biblischen Fach und Neuorientierung der gesamten Theologie an der biblischen Botschaft.

 

Dies darf nicht als ein Aktionsprogramm für einige Jahre oder Jahrzehnte missverstanden werden, sondern es gilt als Neuausrichtung der Kirche und aller Menschen in der Kirche. Denn all das ist Folgerung aus einem vertieften Verständnis der Bibel: Wie den Menschen im Brot der Eucharistiefeier das „Brot des Lebens“ gereicht und so Christusbegegnung ermöglicht wird, so auch in der Lektüre der Bibel als Wort Gottes. Auch darin wird – gleichsam vom „Tisch des Wortes“ – den Menschen „Brot“ gereicht, das Leben ermöglicht und zum Leben führt (vgl. Art. 21). Indem das Konzil die Beschäftigung mit der Heiligen Schrift in diesen unmittelbar sakramentalen Bereich rückt, hat es in einer neuen Weise die Bedeutung dieser Schriftensammlung über das Gespräch Gottes mit den Menschen aufgezeigt.

Walter Kirchschläger

 

Univ.-Prof. em. Dr. Walter Kirchschläger war Professor für Exegese des Neuen Testaments an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Luzern, Schweiz. Die Dogmatische Konstitution Dei Verbum über die göttliche Offenbarung finden Sie unter: www.vatican.va oder in: Karl Rahner, Herbert Vorgrimler, Kleines Konzilskompendium, Freiburg, Basel, Wien 352008.

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