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Werkzeug Gottes

Petrus Canisius

In einer Predigt vom 27.4.2007 würdigte Bischof Manfred Scheuer, damals Bischof der Diözese Innsbruck, den Patron der Diözese und Namensgeber des Canisiuswerkes.

 

Petrus Canisius ist Patron der gleichnamigen Pfarre in Innsbruck, Patron des internationalen Priesterseminars „Canisianum“ und auch der Diözese Innsbruck. Es gibt in Österreich das Canisiuswerk für geistliche Berufe. In der Nähe von Innsbruck ist das Canisiusbründl mit einem Gasthaus sehr bekannt. Ein Nebengebäude des Bildungshauses St. Michael in Matrei ist nach dem Heiligen benannt und schließlich denken wir in der Diözese Innsbruck daran, eine Canisiusmedaille für Verdiente auf Grund ihres Berufes zu vergeben. Petrus Canisius ist mit Innsbruck und Hall in Tirol eng verbunden. Er war Prediger in St. Jakob, der Vorgängerkirche des Domes, und auch Seelsorger, Beichtvater, Vater der Armen.

 

Bei allem ist er kein populärer Heiliger geworden, der einen fixen Platz in den Herzen und in den Gebeten der Leute gefunden hätte. Die meisten wissen recht wenig von ihm. Notburga etwa oder auch der selige Otto Neururer haben einen höheren Stellenwert in der Frömmigkeit des Volkes. Vielleicht liegt das an der – vordergründig – ignatianischen Nüchternheit und Intellektualität. Vermutlich liegt es auch an einem Charakterzug: Petrus Canisius ging ganz in seinem Auftrag auf, den er vom heiligen Ignatius empfangen hat und der am Petrusgrab in einer tiefen spirituellen Erfahrung bestärkt wurde. Diese Erfahrung der Gnade und der apostolischen Sendung war mit einem großen Herzenstrost verbunden. Vielleicht liegt die Reserviertheit der Leute auch daran, dass Petrus Canisius kirchlich und römisch war bis in die Knochen, nein bis ins Herz. In seinem Herzen lebte die Kirche. Er verstand sich als Werkzeug eines übergeordneten Willens. Er war dabei sicher keine mechanische Marionette, sondern ein lebendiges Werkzeug, eine beseelte Funktion. Petrus Canisius entspricht nicht gleich dem Bedürfnis nach Emotionalität, nicht der Suche nach dem Erlebnis. Er war ganz und gar Apostel. Vermutlich hätte sich die Geschichte der Kirche in Tirol, in Wien, Prag, München, Augsburg, Ingolstadt und Freiburg in der Schweiz ohne ihn anders entwickelt. Canisius wird nach Bonifatius mit Recht als der zweite Apostel Deutschlands bezeichnet, und das in einer Zeit, in der Tirol als religiös und sittlich verwahrlost galt.

 

Erfahrung der Exerzitien 

An der Wurzel seiner Sendung stehen die Exerzitien des Ignatius, die er vor allem bei Peter Faber (Weggefährte des Ignatius von Loyola und Mitbegründer der Jesuiten) gemacht hat. Die Exerzitien sind eine Schule der Indifferenz und der Freiheit, eine Schule der Beziehung und Freundschaft mit Jesus, eine Schule der Liebe. Das Herz Jesu war für Petrus Canisius die Quelle des Erbarmens, der Liebe, des Friedens und der Beharrlichkeit.

 

Entsprechend dem dritten Grad der Demut in den Exerzitien wollte er dem demütigen Herrn nachfolgen. Sein Gehorsam ist von der Christozentrik geprägt. Seine Sendung führte ihn hinein in die großen Nöte der Menschen. Petrus Canisius arbeitete in einer Zeit großer innerer und äußerer Not.

 

Die alte Kirche war innerlich zerfallen. Es herrschte politisch und auch konfessionell eine große Verwirrung. Der Klerus vergnügte sich, vernachlässigte die Seelsorge, lebte vielfach im Konkubinat, lief dem Geld und dem Spiel nach. Es fehlte an Hirten. Die Ausbildung der Priester lag im Argen. In Wien gab es etwa vor der Ankunft des Petrus Canisius lange Zeit keine Priesterweihe.

 

Mut zur Seelsorge 

Die damalige Diagnose hätte zu Mutlosigkeit und zu Rückzugsgefechten führen können. Er hätte auch zum großen Kritiker werden können, der von außen und von oben alles be- und verurteilt. Kritisch war er sehr wohl, aber er wollte auch aufbauen.

Er war aus einem ausdauernden Gründerwillen heraus fähig, Neuland unter die Füße zu nehmen. Für heute kann er uns bei allem Gegenwind und bei allen Schwierigkeiten den Mut zur Seelsorge zeigen. Seelsorger war er für die Herrschenden, für die Herzoge von Bayern, für die Landesherren von Tirol und auch für den Kaiser, er war es aber auch für die Armen und die Kranken. An jedem seiner Wirkungsstätten ging er in die Gefängnisse, er atmete den Geruch der Pestkranken ein. Materielle Hilfe durch Lebensmittel und Medikamente sowie spirituelle Begleitung durch die Sakramente der Buße und der Krankensalbung gingen dabei Hand in Hand. So war sein Glaube sicher nicht kühl, abstrakt oder lebensfern. Er, der Professor, unterrichtete unmündige Kinder und betreute verwaiste Pfarren auf dem Land. Wirklichkeitsverweigerung und Weltflucht waren ihm fremd. Die ignatianischen Experimente für Novizen können als sein Pastoralprogramm gelten: „Während ungefähr eines Monats die Geistlichen Übungen (Exerzitien) machen, ... während eines weiteren Monats in Armen- und Siechenhäusern dienen, ... einen weiteren Monat lang ohne Geld pilgern, ... Nach der Aufnahme ins Haus sich mit ganzem Fleiß und Bemühen in vielfachen niederen und demütigenden Diensten üben. Die christliche Lehre oder einen Teil von ihr öffentlich den Kindern und anderen einfachen Leuten erklären. ... Nachdem er erprobt und als auferbauend erfunden wurde, wird er zum nächsten übergehen, das ist predigen und beichthören oder in allem arbeiten, je nach Zeit, Ort und Veranlagung aller.“ – Petrus Canisius wollte „den Seelen helfen“ und das Volk auferbauen als einer, der die Zeichen der Zeit erspürt hat. Er hat eine Option für die Armen und eine Option für die Jugend getroffen.

 

Mut zur Bildung 

Petrus Canisius zeigt uns für die Gegenwart den Mut zur Bildung. Er predigte und dozierte oft vor ganz wenigen Hörern. Dabei hat er jede Predigt und jede Vorlesung genau vorbereitet. Bekannt ist er vor allem durch seine Katechismen, die Handbücher des christlichen Glaubens für die Priester und für das Volk, angepasst an die Altersstufen, an den jeweiligen Bildungs- und Reifegrad. Ein „Katechismusglaube“ ist heute eher negativ besetzt, weil ihm nachgesagt wird, dass er zu wenig personal und zu wenig erfahrungsbezogen ist. Freilich gehören Glaubensinhalt und Glaubensvollzug zusammen, Theologie und Nachfolge dürfen nicht auseinander gerissen werden. „Auf der einen Seite die Knochen ohne Fleisch: die überlieferte Dogmatik, auf der anderen Seite das Fleisch ohne Knochen: jene ganz fromme Literatur, die aus Aszetik, Spiritualität, Mystik und Rhetorik eine auf Dauer unverdauliche, weil substanzlose Kost vermittelt.“ (Hans Urs von Balthasar) „Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen“ (1 Petr 3,15). Petrus Canisius hat Rechenschaft von der Hoffnung abgelegt, und das in einer Zeit der Unwissenheit, der Dummheit und der Sittenlosigkeit. Er zeigt uns den Mut zur Bildung angesichts gegenwärtiger Reduktionen von Bildung auf bloße Fertigkeiten, angesichts der Ökonomisierung von Bildung und angesichts der Auflösung des Bewusstseins von der Gottebenbildlichkeit und von der Würde des Menschen. Er zeigt uns den Weg zu. einem bescheidenen und selbstbewussten Glauben.

 

Manfred Scheuer

Bischof der Diözese Linz,

ehemals Bischof der Diözese Innsbruck,

Predigt vom 27. April 2007

CANISIUSWERK
Zentrum für geistliche Berufe

Stephansplatz 6
1010 Wien

Telefon: +43 1 516 11 1500
E-Mail: office@canisius.at
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