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Berufung

Studieren am Sehnsuchtsort

P. Bernhard A. Eckerstorfer aus Rom

Die ewige Stadt ist beliebtes Touristenziel, aber auch Bildungsdrehscheibe. Mittendrin: die unter österreichischer Leitung stehende Päpstliche Hochschule Sant’Anselmo.

 

„Woche für Woche entdecke ich Neues, stoße auf bisher unbedachte Zusammenhänge, nehme den Glanz der Stadt neu wahr“, so P. Bernhard Eckerstorfer.

 

Als ich Anfang Jänner 2020 nach Rom übersiedelte, ahnte ich nicht, dass die größte Herausforderung meiner neuen Aufgabe von einem unsichtbaren, winzigen Virus ausgelöst werden würde. Genau zwei Monate nach Amtsantritt musste ich die Aussetzung des Lehrbetriebs verfügen. Innerhalb weniger Tage kam das öffentliche Leben zum Stillstand, Leben und Arbeiten in Italien änderten sich schlagartig.

 

Unsere Benediktinerhochschule auf dem Aventin war darauf nicht vorbereitet. Rückblickend bin ich erstaunt, wie das Studienjahr mit provisorischen Vorkehrungen abgeschlossen werden konnte. Über den Sommer brachten wir dank der großzügigen Spende einer Schweizer Stiftung die Hörsäle auf den neuesten Stand. Nun können Studierende Lehrveranstaltungen über das Internet verfolgen und sich auch live einbringen; für jene aus weit entfernten Zeitzonen wie Nord- oder Lateinamerika ist es wesentlich, Video-Aufzeichnungen zur Verfügung zu haben. Wir haben Hörer aus über 70 Nationen, einem Teil von ihnen war es aufgrund der Reisebeschränkungen gar nicht möglich, das neue Studienjahr in Rom zu beginnen.

 

Studienvielfalt in der Ewigen Stadt

Das Päpstliche Athenäum Sant’Anselmo würden wir in Österreich als Privatuniversität bezeichnen. Es ist nur eine von über einem Dutzend akademischer Institutionen in Rom, die der vatikanischen Bildungskongregation unterstehen und zumeist von einem der großen Orden geführt werden. Diese Hochschulen haben ihre eigenen Charismen, die sich im Studienangebot niederschlagen. Bei uns in Sant’Anselmo gibt es neben der Philosophischen und der Theologischen Fakultät als Schwerpunkt ein Monastisches Institut sowie eine eigene Liturgiewissenschaftliche Fakultät. An dieser lässt sich das Proprium römischer Studien veranschaulichen: Etwa 120 Studierende vertiefen sich nach dem theologischen Grundstudium in drei Jahrgängen in Liturgie und schließen mit einem Lizentiat ab. Dazu kommen etwa 70, die an ihrem Doktorat in Liturgie arbeiten. Die Studierenden erleben damit viele Professoren und ein großes Lehrangebot in der gewählten Fachdisziplin.

 

Leider findet der für Rom so typische internationale Austausch durch die Reisebeschränkungen und den teilweise online durchgeführten Lehrbetrieb nur bedingt statt. Doch auch wenn die Hälfte der Studierenden meiner derzeitigen Vorlesung virtuell zugeschaltet ist, werden mir die vielfältigen Erfahrungen der Weltkirche vor Augen geführt. Wiederholt passiert es mir, dass ich selbstverständlich von meinem gewohnten Horizont ausgehe. Erst Rückfragen und Beiträge führten mir vor Augen: Die Mehrheit der Studierenden kommt nicht aus Europa oder Nordamerika, sondern aus Lateinamerika, Afrika und zunehmend aus Asien. Ihre Fragen, Anliegen und Sichtweisen lassen mich zum Lernenden werden.

 

Rom ohne Touristen

Ob Professor oder Student: In der Ewigen Stadt zu leben, hat einen mindestens so großen Einfluss auf die Bildung wie das Geschehen in den Hörsälen und vor den Computern. Auf dem Weg zu einem Termin, beim Spazierengehen oder Joggen treffe ich so nebenbei auf kulturelle und religiöse Zeugen verschiedener Jahrtausende: ägyptische Obelisken neben römischen Tempeln, dazwischen frühchristliche Spuren und mittelalterliche Kirchen. Woche für Woche entdecke ich Neues, stoße auf bisher unbedachte Zusammenhänge, nehme den Glanz der Stadt neu wahr.

 

Das ist gerade derzeit möglich, weil die Stadt seltsam leer ist. Minutenlang allein vor der Pietà stehen zu können, ist eine Gelegenheit, die nach der historischen Corona-Pandemie schnell wieder Vergangenheit sein wird. Die ansässige Bevölkerung scheint aufzuatmen und vergnügt sich mit lauter Stimme in den zentralen Gebäuden, Straßenzügen und Parks, die sonst aufgrund des Massentourismus unzugänglich sind. Dennoch herrscht eine triste Grundstimmung: Viele Geschäfte und Restaurants bleiben geschlossen, selbst wenn sie vorübergehend öffnen könnten. Spürbar fehlt das frühere Leben dem Taxifahrer, der Kellnerin, dem Kinobesitzer.

 

Die Pandemie hat uns Benediktiner auf dem Aventin mehr mit den Einheimischen verbunden, die auch einen guten Teil unserer Anstellten und Professoren ausmachen. Wir fühlen stärker mit ihnen und sie merken, wie wichtig wir Ausländer und die von uns geführten Einrichtungen sind. Und beide Seiten wissen, dass die Ewige Stadt schon weit heftigere Stürme überstanden hat und es versteht, immer neu im alten Erbe einen neuen Anfang für die Zukunft zu sehen.

P. Bernhard A. Eckerstorfer OSB

Zur Person

P. Bernhard A. Eckerstorfer OSB ist Direktor der internationalen Benediktinerhochschule Sant'Anselmo in Rom. Er studierte Theologie, Philosophie und Geographie und trat 2000 in das Benediktinerkloster Kremsmünster ein. 2005 empfing er die Priesterweihe. Seine vielfältigen Aufgaben im Stift Kremsmünster waren Novizenmeister und Klerikermagister, Verantwortlicher für Berufungspastoral, Pressesprecher, Redaktionsmitglied der benediktinischen Zeitschrift „Erbe und Auftrag“.

 

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