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09.
Dec.
Niederösterreich
Aus der Diözese Graz-Seckau

In selbst gewählter Quarantäne

Die Karmelitinnen auf dem Heiligen Berg im steirischen Bärnbach nützen das bewusste Weniger als Chance für mehr Tiefgang

 

Alles eine Frage der Perspektive. An der israelischen Mittelmeerküste ist der knapp 550 Meter hohe Berg Karmel ein mächtiges Gebirge. Im Alpenland Österreich ist der fast gleich hohe Heilige Berg bei Bärnbach, 17 Kilometer westlich von Graz, mit einem Karmel-Kloster auf seinem Gipfelplateau bloß eine Erhebung im weststeirischen Hügelland. Was für die einen groß ist, erscheint anderen klein. Was für die einen Verlust ist, nennen andere Gewinn. „Die Welt ist einige Nummern zu klein, um die Sehnsucht meines Herzens zu stillen“, erkennt die Oststeirerin Marianne Töglhofer mit 17 Jahren.

 

 

Mit 20 tritt sie ins Heilig-Kreuz-Kloster am Heiligen Berg ein, wird zur Unbeschuhten Karmelitin Sr. Maria und lebt seit 34 Jahren freiwillig jenes isolierte Leben, welches das Coronavirus den Menschen in Österreich, Europa und weltweit einmal mehr, einmal weniger aufzwingt.

 

Der Karmeliterorden entstand 1150 auf dem Berg dieses Namens im Heiligen Land in der Tradition der frühkirchlichen Eremiten, die in Einsamkeit und Gebet lebten. 1562 gründete die hl. Teresa von Avila in Spanien den Frauenorden der Unbeschuhten Karmelitinnen. Mit mehr als 8.000 Schwestern sind sie heute der größte kontemplative Frauenorden weltweit. „Unser Auftrag in der Kirche und unser Charisma ist das Gebet für alle und im Namen aller Menschen“, sagt Sr. Maria.

 

„Um einen Raum und eine Atmosphäre des Gebets zu schaffen, leben wir in Klausur, das heißt in einem abgeschlossenen Lebensbereich, der für andere nicht ohne Weiteres zugänglich ist und daher auch nicht leicht zu verstehen ist.“ Diese Begrenzung haben Sr. Maria und ihre sieben Mitschwestern im Karmel am Heiligen Berg freiwillig gewählt: „Nicht, weil wir die Welt verachten, sondern weil wir uns für einen Lebensstil der Freundschaft mit dem lebendigen Gott entschieden haben.“

 

Freiheiten unter der Oberfläche

Um den Sinn ihres Klausur-Lebens anschaulicher zu machen, erzählt die Karmelitin von einem Erlebnis bei der Gartenarbeit: Ein in die Enge getriebener Maulwurf wühlte sich in die Erde zurück. „Unter der Oberfläche, in der Tiefe, gewinnt er seine Welt, wo sich für ihn viele Möglichkeiten und Freiheiten auftun“, überträgt sie die Flucht- und Lebensweise des Tieres in das spirituelle Konzept ihres Ordens: Das Abtauchen aus dem oberflächlichen Leben und die Konzentration auf weniges soll den Karmelitinnen größeren geistigen Tiefgang ermöglichen und helfen Gott zu finden.

 

So weit die Theorie. Nach der Praxis des Zusammenlebens auf begrenztem Raum befragt, erklärt Sr. Maria, dass es auch in ihrer Gemeinschaft immer wieder „menschelt“ und individuell „Zeiten großer Trockenheiten“ und mitunter Spannungen gebe, „in denen wir innerlich kochen“. Beides Emotionen, die den vielen derzeit in die Corona-Klausur gestoßenen Quasi-Karmelitinnen wider Willen nicht fremd sind. Von nicht immer nur angenehmen Home-Office-Pflichten, nicht immer nur lerneifrigen Kindern, nicht immer nur verständnisvollen Partnern und anderen „Bleib zu Hause!“-Plagen in die Enge getrieben – wer wäre da nicht gern ein sich davonwühlender Maulwurf im Garten?

 

Rezepte gelingenden Zusammenlebens

„Zentral ist, jedem Tag eine feste Struktur zu geben“, beginnt Sr. Maria ihr Quarantäne-Einmaleins für ein gelingendes Zusammenleben. Es muss ja nicht so ambitioniert – 5.00 Uhr aufstehen, ab 5.25 Gebet – wie im Karmel gestartet werden, dennoch rät sie, „den Tag mit einer regelmäßigen Routine zu beginnen und nicht planlos laufen zu lassen“.

 

Dazu gehört, „sich selbst nicht gehen zu lassen“, auf Ordnung in der Wohnung, bei der Kleidung und Pflege des Körpers zu achten – und „die Seelenhygiene nicht zu vergessen“. Dazu zählt die Ordensfrau auch Selbstdisziplin im Umgang mit Medien, „nach dem Motto: Prüft alles und behaltet das Gute“. Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Höflichkeit zählt sie als weitere Ingredienzen auf, damit das Zusammenleben nicht vergiftet wird.

 

Die Ordensregel der Karmeliten verbietet Müßiggang als aller Laster Anfang. „Nur keine Langeweile aufkommen lassen“, übersetzt das Sr. Maria in die To-do-Liste für Ausgehverbotszeiten und rät, „das Gespräch miteinander und mit Gott zu pflegen, zum Beispiel beim gemeinsamen Tischgebet“ und zu versuchen, „im Augenblick zu leben, so schwierig das oft ist, aber Vergangenheit und Zukunft habe ich nicht in der Hand“. Wie vieles andere auch nicht, darum betont Sr. Maria die Bedeutung von Dankbarkeit: „So vieles ist nicht selbstverständlich, Angst engt den Fokus ein, Dankbarkeit weitet unsere Perspektive“ – am Berg Karmel, in der Klausur in Bärnbach und überall.“

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