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09.
Dec.
Niederösterreich
Aus der Diözese Linz

Mit der inneren Stimmgabel schwingen

Von Ewald Nathanael Donhoffer OPraem

Das Ordensleben hat mich früh „gepackt“, aber es hat manchen Umweg gekostet, bis ich zuletzt „Ja“ sagen konnte zu meiner Berufung.

 

Der Gedanke, Ordensmann zu werden, beschäftigte mich bereits recht früh. „Schuld“ war mein Schulseelsorger, der Trinitarier P. Quirin de Leeuw, der mich sehr beeindruckt hat. Er war einfach für alle da: Kinder, Erwachsene, Flüchtlinge, Arme, Ausgegrenzte – ja sogar Tiere. Alle schienen Platz zu haben unter dem Mantel seiner Fröhlichkeit. Oft denke ich: Was würde Quirin jetzt sagen? Als knapp 10-Jähriger wollte ich unbedingt so werden wie er; dieser Wunsch war stärker als viele andere kindliche Berufswünsche.

 

Am Firmwochenende in Heiligenkreuz lernte ich das Chorgebet kennen, das mich sehr berührt hat; ein Entschluss war schnell gefasst: nach der Matura Orgel studieren und eine Orgelbaulehre machen und ins Kloster gehen. Ab 1995 studierte ich in Wien, zur selben Zeit, als die verhängnisvolle Groer-Krise begann.

 

Sie traf mich mit voller Wucht: Ende der 1990er-Jahre war ich – auch durch schmerzliche Erfahrungen im Bereich der Kirchenmusik – „fertig“ mit dieser Kirche: Abgesehen von den Verfehlungen selbst, schockierte mich die Haltung der Kirche (aber auch der Gesellschaft) zutiefst. In meiner musikalischen Ausbildung gab es eine Wende: Ab 2000 studierte ich Orchesterdirigieren in Wien, was dann bis vor wenigen Jahren mein „Brotberuf“ war.

 

Saite in Schwingung

 

Meine tiefe Überzeugung vom Geschehen der Auferstehung hat mich dabei nie verlassen. Auch durfte ich im Lauf der Zeit immer wieder großartige Ordensleute kennenlernen, die wohl sehr viel dazu beigetragen haben, einen letzten Funken Hoffnung nie erlöschen zu lassen. So habe ich trotz allem den finalen Schritt des Kirchenaustritts nie getan.

 

Kirche und Ordensleben blieben im Hintergrund, wie eine etwas merkwürdige Saite, die hin und wieder zu schwingen begann. In Graz lernte ich im Rahmen des Theologiestudiums schließlich einen jetzigen Mitbruder kennen, der mich spontan nach Schlägl einlud. Schlussendlich begann ich im August 2016 mein Noviziat als Prämonstratenser von Schlägl und setze meine Studien seit 2017 an der KU Linz fort.

 

Einwände und Fragezeichen gab es genug – von innen wie von außen: Ist es die richtige Gemeinschaft? Hab ich mir das alles auch gründlich genug überlegt? Sollte ich nicht zuerst noch andere Gemeinschaften kennenlernen? Aber ich dachte auch: Jetzt oder nie. Ich war bereit, mich mit Mitte 30 neu zu erfinden Die Grazer Musikuniversität gewährte mir ein unbezahltes Karenzjahr – was hatte ich also zu verlieren? Und: Was über 20 Jahre Wunsch, ja Desiderat im eigenen Denken war: sollte man dem nicht endlich Raum geben?

 

Äußerlich betrachtet konnte ich den „Bruch“ mit dem bisherigen Leben sehr stark wahrnehmen, während ich innerlich bis heute, durch alle (auch heftigen) Krisen, fast so etwas wie eine logische Konsequenz und Kontinuität wahrnehme.

 

Meine Stimmungslage schwankte in diesen Jahren ständig zwischen „ich bin vollkommen verrückt, das geht alles nicht“ sowie großer Freude und Dankbarkeit. Und ich machte eine eigenartige Erfahrung: Je weiter außerhalb von kirchlichen Kontexten sich Menschen aus meinem Freundeskreis befanden, desto positiver war ihre Reaktion auf meinen Schritt ins Ordensleben.


 

Fr. Ewald Nathanael Donhoffer OPræm, geboren 1977 in Wien, ausgebildeter Dirigent, Cembalist und Organist, trat 2016 in das Prämonstratenserstift Schlägl im Mühlviertel ein.

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