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DIÖZESE Eisenstadt
P. Mag. Karl Schauer OSB
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Armut ist eine Wirklichkeit und eine Herausforderung, oft versteckt, verborgen oder verdrängt. Es gibt sie in vielen Formen, aber sie ist nicht immer laut, sie schreit nicht und sie stellt das Erbärmliche oft nicht in das Schaufenster des Lebens. In manchen Kulturen und Religionen war und ist Armut ein gottgewolltes Schicksal oder eine Gottesstrafe. Die christliche Sichtweise ist eine andere und eine Umkehrung dieser Perspektive: Gott ist ein Armer, er bleibt arm, er liefert sich dieser Welt und dem Menschen aus. Seine Menschwerdung ist kein Kinderspiel, sein Leiden und seine Kreuzigung kein Passionsspiel und die Auferweckung Christi ist kein Frühlingsspiel. Gerade in der Auferstehung zu Ostern erweist sich der Arme als der, der alle herkömmlichen Vorstellungen, Bewertungen und Muster sprengt. Auch unsere Armen werden festgenagelt, sind uns ausgeliefert und werden vergessen und verdrängt, aus dem Blickfeld genommen, denn sie könnten beunruhigen, den Menschen und die Gesellschaft anklagen.
Die Kirche muss eine Kirche der Armen sein. In diesem unbequemen Aufruf erweisen sich die Päpste vieler Generationen als wahre Hirten. Ordensgründer wie der heilige Franz von Assisi oder die heilige Mutter Teresa und viele andere Frauen und Männer haben als Revolutionäre der Liebe nicht nur die Kirche, sondern die ganze Gesellschaft umgekrempelt und sich aufgerieben, um die Wunden des Lebens zu heilen. Auf der Seite der Armen zu sein und einer von ihnen zu werden, ist eine große Berufung. Dafür gibt es viele Wege: Sie alle führen zu den Menschen und zu Gott. In der Armut, wie immer sie sein mag, wird der Mensch Gott ähnlich.
Gebet
Gib mir die Größe,
im Zeichen des Todes
den Anker des Lebens zu erkennen.
Gib mir die Kraft, auf dein Kreuz
zu schauen,
wenn Angst und Not mich fesseln,
Hoffnung und Freude schwinden.
Lass mich erkennen,
dass dein Kreuz zum Lieben befähigt
und mir die Kraft gibt,
jenen zu helfen,
die unter der Last des Kreuzes zusammenbrechen.
Pater Karl Schauer OSB