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Spiritualität

Weihnachten – ganz unerwartet?

Je größer die Hoffnung, desto größer die Überraschung, wenn sie sich erfüllt. Eine kleine Geschichte der biblischen „großen Hoffnung“ von Neutestamentler Söding.

Weihnachten ist das christliche Fest mit den geringsten Überraschungsmomenten; in der Familie und in der Kirche ist es hoch ritualisiert. Heinrich Böll hat beschrieben, wie grausam es ist, Tag für Tag Weihnachten feiern zu müssen, der Erbtante zuliebe. Aber alle Jahre wieder einen Weihnachtsbaum und eine Weihnachtskrippe aufzustellen, die Weihnachtsgeschichte zu hören und Weihnachtslieder zu singen, von den Weihnachtsgeschenken ganz zu schweigen, ist für viele eine Serie von Glücksmomenten, die in der Kindheit begonnen hat und möglichst lange dauern soll. Die meisten, die nicht dabei sein können, wünschen sich, irgendwo mitfeiern zu können.

 

Wegen dieser Sehnsucht ist die Vorfreude auf Weihnachten so groß, sind die Erinnerungen an Weihnachten so stark – und genau deshalb gibt es an keinem Tag des Jahres so viel Streit und Gewalt, so viel Trauer und Tränen, so viel Leerlauf und Langeweile wie zu Weihnachten. Aber wie kann heute die „ganz große Hoffnung“ lebendig werden? Wie kann die ganz große Überraschung eintreten?

 

Hoffnung wider die Knechtschaft

Die beste Antwort gibt das Weihnachtsfest selbst. Gefeiert wird die Geburt eines Menschen, die nur deshalb stattgefunden hat, weil Gott den Menschen unendlich nahekommt, um ihnen das ewige Leben zu schenken. Das Neue Testament zeichnet den Horizont dieser Hoffnung nach. Sie hat nur in Israel entstehen können, weil nur hier das Bekenntnis des einen Gottes lebendig ist und die Verheißung einer Zukunft, die vollendetes Heil für alle Völker bringt. Mit dieser Hoffnung ist das Volk Gottes unterwegs.

 

Im Neuen Testament werden die Stimmen der Prophetie eingefangen, die von dieser Hoffnung sprechen. Sie verweisen nie ins Ungewisse, sondern immer ins Konkrete. Gerade so wird das Überraschungsmoment stark. Alle Welt, so der jüdische Glaube, wartet auf die Geburt des Erlösers (oder sollte und dürfte es tun); aber nirgendwo anders kommt der Messias zur Welt als im kleinen Bethlehem des Landes Juda (Mt 5,1f.). Der „Sohn Davids“ soll er sein, aber die Königsdynastie von Jerusalem ist im babylonischen Exil definitiv abgebrochen. Die Freiheit soll er bringen, aber mitten in der Knechtschaft werden die Gebete und Lieder der Hoffnung laut.

 

Weihnachten – unsentimental

Das Neue Testament löst diese Spannung nicht auf, sondern baut sie auf. Nichts scheint zusammenzupassen: Der Gottessohn liegt in der Krippe; über den Hirten auf dem Feld öffnet sich der Himmel; Kaiser Augustus will seine Herrschaft durchsetzen – und Gott bedient sich dessen Befehles, um seine ganz eigenen Pläne zu verwirklichen. Maria weiß nicht, wie ihr wird, als ihr ein Engel eröffnet, die Mutter des Messias zu werden – und willigt doch ein, damit sich das ganz große Weihnachtsgeschenk, die einzig wahre Weihnachtsüberraschung einstellen kann.

 

Wer diese Spannung dogmatisch oder katechetisch auflösen wollte, würde die ganze Weihnachtsstimmung zerstören – und hätte nichts als gähnende Leere hinterlassen. Wer ihr den Stachel zieht, macht das Weihnachtsevangelium sentimental.

 

Eine unglaubliche Geschichte

Die ganze Geschichte ist unglaublich: für die einen unglaublich gut, für die anderen nur unglaubwürdig. Sie ist zart und verletzlich; sie lässt nur wenige Menschen kalt. Sie kann ganz leicht ironisiert, aber auch ganz tief geliebt werden. Wäre sie nicht unglaublich, könnte sie keine Hoffnung machen.

 

Käme die Geburt Jesu nicht ebenso unerwartet, wie die Ankunft des Messias ersehnt wird, so könnte sie die Menschen nicht glücklich machen. So würde sie nicht jene so berühren, die auf die unendliche Nähe Gottes hoffen, wie sie Jesus nicht nur verkündet, sondern verkörpert hat – von Geburt an.

 

Thomas Söding für „miteinander“

 

Zur Person: Dr. Thomas Söding ist Professor für Neutestamentliche Exegese an der Ruhr-Universität Bochum.

 

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