Montag 25. Juni 2018
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Pilgern

Wandern von Kraft zu Kraft

Bibelwissenschafter Johannes Marböck führt zu Textquellen im Alten & Neuen Testament.

Pilgern, dessen Faszination Menschen unserer Tage neu entdeckt haben, meint mehr als Bewegung um der Fitness, um der Gesundheit willen, mehr als Wandern mit aufmerksamem Blick für die Schöpfung. Pilger nehmen teil an uralten Aufbrüchen zu Stätten, an denen Menschen tiefe Erfahrungen geschenkt worden sind. Christen brechen als Pilger auf zu Stationen einer großen Geschichte von Glaubenden mit ihrem Gott, zu Orten der Erfahrung seiner Nähe, seines Segens.

 

Stätten der Nähe Gottes 

So erzählt die Bibel von Anfang an von solchen Stationen: Hagar, die vertriebene, geflüchtete Magd Abrahams, benennt einen Ort in der Wüste „Brunnen des Lebendigen, der nach mir schaut“ (Gen 16,14–16). Jakob gibt der Stätte, an der sich auf der Flucht über ihm der Himmel geöffnet hatte, den Namen Bet-El, Haus Gottes, Pforte des Himmels (Gen 28,10–19). Wir können auch die Geschichte von der Wallfahrt der kinderlosen Hanna mit ihrer Not und ihrer Erhörung in Schilo lesen (1 Sam 1–2).

 

Für die Stämme des Gottesvolkes Israel wird in der späteren Königszeit Jerusalem zentrales Ziel der Wallfahrt. Der Tempel ist dabei zugleich Ort und Zeichen bleibender Gegenwart und Nähe Gottes, der sie durch die Wüste ins Gelobte Land begleitet hatte. So begeben sich die Israeliten dreimal im Jahr zu Festen nach Jerusalem, um dort Gemeinschaft zu erleben, die soziale Grenzen aufhebt (Dtn 12,11; 16,11.15). Auch Jesus pilgert mit seinen Eltern zum Pascha nach Jerusalem (Lk 2,41f.) und vollendet dort auf einer solchen Wallfahrt schließlich sein Leben.

 

Lieder der Pilgerschaft 

Schönster Ausdruck dessen, was solches Pilgern mit dem Heiligtum in Jerusalem als Ziel für Israel bedeutet hat, sind Lieder auf die Gottesstadt Zion in den Wallfahrtspsalmen. Es sind Lieder der Sehnsucht nach dem Gott auf dem Zion, nach seinem rettenden Eingreifen als Schöpfer und König in Verlassenheit und Bedrohung – wie etwa die Psalmen 42 bis 48. Empfehlenswert sind auch die kurzen Wallfahrtspsalmen 120 bis 134. Es sind Lieder der Suche nach letzter Geborgenheit, Lieder des Vertrauens auf den Ort des Segens für die kleinen Leute in ihren alltäglichen Nöten, Lieder von einer schützenden Mitte in einer bedrohten Welt.

 

Beispielhaft sei nur ein Blick auf die Bewegung von Psalm 84 geworfen, einem Lied von der Kraft aus der Sehnsucht. Dem Staunen über Gottes Wohnen unter den Menschen entspringt die brennende Sehnsucht nach Gott selbst, aber auch der Lobpreis auf den Gott des Lebens, dessen Nähe Geborgenheit schenkt (Ps 84,2–5). In der Mitte (Ps 84,6–8) steht über dem Aufbruch zur Pilgerschaft der Füße und des Herzens ein „Selig“; denn Pilger verwandeln als Menschen der Sehnsucht das Tal der Dürre bereits in einen Ort von Quellen. Sie wandern von Kraft zu Kraft (Ps 84,8). Sie pilgern mit unerschöpflicher, ja wachsender Kraft dem Ziel der Schau Gottes auf dem Zion entgegen. Dieser Gott ist Sonne und Schutz zugleich. So steht über all denen, die sich auf seine Wege einlassen und ihm vertrauen, das dritte „Selig“ (Ps 84,9–13).

 

Das Ziel jenseits aller äußeren Orte

Für Christen sind die Stationen der Wanderschaft des Herrn, vor allem seines Todes und seiner Auferstehung, bald kostbare Ziele der Pilgerschaft geworden; die Pilgerin Egeria ist dafür bereits Ende des vierten Jahrhunderts eine couragierte Zeugin. Wir sollten aber nicht vergessen, was schon die Pilger in den Psalmenliedern getragen hat: die Gewissheit, dass das Ziel bereits in ihren Herzen, unterwegs, am Werk ist (Ps 84,6.8). So ist es für uns, wenn wir im Glauben dem neuen Jerusalem (Offb 22,1–3) entgegenpilgern, Jesus selbst, der jenseits aller äußeren Orte Ströme lebendigen Wassers für uns bereithält (Joh 7,38).

 

Johannes Marböck

(in "miteinander" 7-8/2013) 

 

Zur Person: Em. Univ.-Prof. Prälat Dr. Johannes Marböck lehrte Alttestamentliche Bibelwissenschaft in Linz und Graz, wo er 2003 emeritierte.

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