Wofür lebst du?
Andrea Ederer
„Ich fühle mich beschenkt mit Kreativität, Fantasie, aber auch Beharrlichkeit und Ausdauer. Damit arbeite ich gerne...
Wofür lebst du?
Andrea Ederer

„Ich fühle mich beschenkt mit Kreativität, Fantasie, aber auch Beharrlichkeit und Ausdauer. Damit arbeite ich gerne an einer besseren, gerechteren und liebevolleren Welt in Familie, in meinem Beruf und Kirche!“ Andrea Ederer, Präsidentin KA Stmk

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Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018
von Chefredakteur Henning Klingen
Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018

von Chefredakteur Henning Klingen

Alt werden, jung bleiben

 

Was für ein Sommer! Abkühlung boten da nicht nur wohltemperierte Kirchen, sondern auch die „Salzburger Hochschulwochen“, die heuer mit dem Slogan „Smarte Sommerfrische“ warben. Auch wenn’s denkbar schwierig war: Gemeinsam mit fast 900 Teilnehmern versuchte ich auch heuer wieder, einen kühlen Kopf zu bewahren, zuzuhören und mitzudiskutieren. Ich erzähle Ihnen das, weil ich dabei zwei Phänomene beobachten konnte: zum einen zahlreiche gerade ältere Teilnehmer, die mit Hingabe diskutiert, kritisch nachgefragt, mitgedacht und damit im Geiste Jugendlichkeit bewiesen haben; zum anderen aber auch so manchen jugendlichen Teilnehmer, der sich gerade in religiösen Fragen und Debatten mit einer erstaunlichen Beharrlichkeit kritischen Anfragen an den Glauben verweigert hat.

Auch wenn dies nur verstreute Beobachtungen sind, so setzt sich bei mir doch schon seit Längerem ein Verdacht fest: Kann es sein, dass junge Gläubige von der Kirche gerade nicht Agilität und kritischen Geist erwarten, sondern Beständigkeit und vermeintliche Gewissheiten suchen? Ein Eindruck, den ich im Übrigen auch von mancher Gemeinschaft habe, die mit Feuereifer von Neuevangelisierung, Wahrheit, Gott und Erlösung spricht, sich aber zugleich jenem Feuer der Aufklärung entzieht, durch das der Glaube meines Erachtens gehen muss, will er nicht nur oberflächliche Zustimmung erheischen, sondern zur tiefen Überzeugung werden.

Jugend, das meint doch immer auch Zukunftsdrang und Rebellion. Wird sich dies auch bei der „Jugendsynode“ zeigen, die in Kürze in Rom stattfindet? Ist das vielleicht gar die Faszination, die von Papst Franziskus ausgeht: seine Jugendlichkeit, die die geistige Regsamkeit manch kirchlicher Jugend überstrahlt? Wenn es zutreffen soll, dass die Kirche jung ist, dann wird sie dies wohl nicht dadurch, dass sie sich zur Eventfabrik umgestaltet. Das machen andere besser, professioneller. Nein, wenn Kirche jung sein will, dann muss sie im Geiste jung bleiben. Das jedoch ist keine Frage des biologischen Alters ...


Henning Klingen

 

Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff
Kolumne vonDr. Georg Plank
Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff

Kolumne vonDr. Georg Plank

 

Das Rebenprinzip

 

Wer im Herbst pralle Trauben bewundert, weiß, wie viel Arbeit das ganze Jahr über notwendig war, damit jetzt Früchte geerntet werden können. Zur jeweils rechten Zeit mussten die richtigen Maßnahmen erledigt werden, sonst wären viele Blätter gewachsen, aber wenige Lebensmittel. Oft übersehen wird, dass es auch lange Perioden des Nichtstuns, des Gewährenlassens und des aufmerksamen Beobachtens gibt, in denen das eigentliche Wachstum einfach passiert bzw. geschenkt wird.

 

Im Sinne von Joh 15,2 gilt es daher auch in den Weingärten unserer pastoralen Handlungsfelder, dem Vorbild des guten Winzers zu folgen. Er rückt die Reben, die Frucht tragen, in den Mittelpunkt. Er reinigt sie, damit sie mehr Früchte bringen. Für mich bedeutet das mehr Möglichkeiten für heutige Menschen, zu erleben, was Menschen aller Kulturen (nicht nur Glaubens- oder Volksgenossen) vor 2.000 Jahren mit Jesus erlebten: Aufrichtung, Orientierung, Befreiung, Ermächtigung, Heilung, Gottesbeziehung und Sendung. Dieses „die fruchtbaren Reben reinigen“ korrespondiert mit dem Konzept inkrementeller Innovationen: Konzentriere dich auf das schon vorhandene Gute und investiere darin, es noch besser zu machen. Denn der Feind des Besseren ist oft nicht das Schlechte, sondern das Gute – eine bittere Erfahrung, die gerade große traditionelle Organisationen in Zeiten des Umbruchs machen.

 

Wir kennen aber auch den ersten Teil dieses Vorgangs: Der Weinstock muss von Reben befreit werden, die keine Frucht (mehr) bringen. Auch davor scheuen kluge Weinbauern nicht zurück.

 

 

Georg Plank

Pastoralinnovation

www.pastoralinnovation.at

Wir haben zu danken!

Gottsucherin aus Leidenschaft

Provinzleiterin Sr. Brigitte Thalhammer

Aus keiner religiösen Familie kommend, hat sich Brigitte Thalhammer mit ihrer Glaubenssehnsucht für ein Leben als Ordensfrau entschieden. Heute ist sie mit Anfang fünfzig Provinzleiterin der Salvatorianerinnen.

 

Mit wachem kritischen Geist war und ist sie an vielen Stationen auf der Suche nach ihrem Lebensgrund: Dabei wächst die in Hallstatt geborene Brigitte Thalhammer in Vorarlberg und Oberösterreich in einem eher glaubensfernen Umfeld auf. Doch evangelische Mitschüler lassen nicht locker, laden sie zu Gebets- und Bibelkreisen ein, bis sie sich nicht mehr drücken kann. Einschneidend erlebt sie das freie Gebet der Klassenkollegen und hofft: „Es wäre schön, wenn da einer zuhören würde.“ Zunehmend gerät sie in einen Zwiespalt: „Und wenn es Gott doch gäbe?“ Bis sie entscheidet: „Eigentlich will ich glauben.“

 

Nach der Matura besucht Thalhammer ein Fremdenverkehrscollege in Innsbruck. In Glaubensangelegenheiten erlebt sie Zerrissenheit: Weder bei Mitbewohnern im Studentenheim noch der Familie outet sie sich mit ihrer Glaubenssehnsucht. Nach ihrem Abschluss arbeitet sie in einem Salzburger Reisebüro. Sie tritt einem überkonfessionellen Studentenkreis mit evangelikaler Prägung bei. Glaube wird hier differenzierter erfahrbar und ihr Christin-Sein vertieft.

 

Eine Reihe kleiner Wunder

Thalhammer plant ein Auslandsjahr in Amerika, will „aber nicht, dass dieses Glaubenspflänzchen verloren geht“. Kurzfristig findet sie Kontakt zu einer gläubigen Familie in Texas. Ihr Chef findet die Auszeit, um ihrem Glauben nachzugehen, „cool“ und bezahlt ihr den Flug.

 

Gut als Au-pair bei der texanischen Familie aufgenommen und integriert in eine Bible Church, beeindruckt Thalhammer, „wie intensiv die Menschen ihren Glauben leben und wie ihr Glaube in den Alltag hineinschwingt“. Nur eines ärgert sie: als sie sich (ein zweites Mal) taufen lassen soll. Seitdem betont sie ihr Katholisch-Sein.

 

Zurück in Salzburg, will sie dem Katholisch-Sein nachgehen: in der Pfarre Salzburg-Gneis mit Pfarrer Heinrich Wagner, bibelorientiert und mit Sinn für Liturgie. Sie spürt, „hier ist mein Platz“, arbeitet in der Pfarre mit, zieht in die WG im Pfarrhof: eine lebendige Glaubenszelle, die ein Leben in Gemeinschaft, eine Gebets-, bald auch Gütergemeinschaft mit sich bringt.

 

Sehnsucht nach Verbindlichkeit

Bei einem Kurs für geistliche Begleitung begegnet Thalhammer Ordensleuten: „normalen, lebendigen Menschen“. Und sie lernt die Salvatorianerin Hildegard Enzenhofer kennen. Sie überlegt nun intensiv, was sie an dieser Lebensform anzieht: der gemeinsame geistliche Grund und die Verbindlichkeit. Neben den Salvatorianerinnen schaut sie sich zwei andere Gemeinschaften an. Bei einer Begegnung mit Sr. Hildegard trifft sie eine Plakatbotschaft ins Herz: „Einander heilend begegnen“. In ihr wächst der Wunsch, Menschen diese heilsame Erfahrung der Liebe Christi zu ermöglichen.

 

Sie tritt 1996 bei den Salvatorianerinnen ein, feiert 2005 ihre ewige Profess. In der Niederlassung in Gurk übernimmt Thalhammer Aufgaben in der Gästebetreuung. Als in Linz ein neuer Standort aufgebaut wird, absolviert sie die berufsbegleitende Ausbildung zur Pastoralassistentin und arbeitet in der Linzer Dompfarre mit. Sie erlebt Rückenstärkung durch den Pfarrer, trägt Mitverantwortung, hat Anteil an der Leitung: „eine sehr positive Erfahrung, als Frau Kirche mitzugestalten“.

 

2009 wird Thalhammer zur Provinzleiterin gewählt. Seither lebt sie in Wien-Hietzing. „Salvatorianerinnen sollen Frauen sein, die sich für andere engagieren, mit allen Mitteln, die die Liebe eingibt. Frauen, die die Liebe des heilenden Christus durchscheinen lassen.“ Einiges werde durch den Mangel an Ordensfrauen zu Ende gehen. Hier ist es ihr Wunsch, es gut zu beenden und dem, was wachsen will, Raum, auch Freiraum für die Mitschwestern, zu schaffen. „Dies erfordert Flexibilität – zugleich in manchen Bereichen Stabilität, so dass ein Projekt auch ohne uns leben könnte. Mit ein Grund, warum wir beim Einsatz gegen Menschenhandel, wo wir für Menschen in Schutzwohnungen Verantwortung tragen, mit anderen Ordensgemeinschaften kooperieren.“

 

„Tauche ein in den Ozean der Liebe deines Gottes“ ist Thalhammers Lieblingswort von Ordensgründer P. Franziskus Jordan: als Grundwasserspiegel für ihr Leben. Wenn ihr diese Rückbindung verloren geht, „beginnt sich ein Grauschleier auf alles herabzusenken“. In ihren Lebens- und Glaubensentscheidungen hat sie bisher die Erfahrung eines dialogischen Geschehens gemacht: Sie wagt etwas und indem sich neue Horizonte öffnen, kommt „eine Antwort“ zurück.

 Maria Fibich

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Jänner/Februar 2018

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