Wofür lebst du?
Rupert Santner
„Für Menschen, die ein Teil meines Weges werden. Für Gott, um mein Leben von Ihm sprechen zu lassen. Für das Schöne,...
Wofür lebst du?
Rupert Santner

„Für Menschen, die ein Teil meines Weges werden. Für Gott, um mein Leben von Ihm sprechen zu lassen. Für das Schöne, Wahre, Gute, das mein Herz immer wieder neu erfüllt.“ Rupert Santner, Priesterseminarist Salzburg

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Mag. Elisabeth Mayr

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Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018
von Chefredakteur Henning Klingen
Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018

von Chefredakteur Henning Klingen

Alt werden, jung bleiben

 

Was für ein Sommer! Abkühlung boten da nicht nur wohltemperierte Kirchen, sondern auch die „Salzburger Hochschulwochen“, die heuer mit dem Slogan „Smarte Sommerfrische“ warben. Auch wenn’s denkbar schwierig war: Gemeinsam mit fast 900 Teilnehmern versuchte ich auch heuer wieder, einen kühlen Kopf zu bewahren, zuzuhören und mitzudiskutieren. Ich erzähle Ihnen das, weil ich dabei zwei Phänomene beobachten konnte: zum einen zahlreiche gerade ältere Teilnehmer, die mit Hingabe diskutiert, kritisch nachgefragt, mitgedacht und damit im Geiste Jugendlichkeit bewiesen haben; zum anderen aber auch so manchen jugendlichen Teilnehmer, der sich gerade in religiösen Fragen und Debatten mit einer erstaunlichen Beharrlichkeit kritischen Anfragen an den Glauben verweigert hat.

Auch wenn dies nur verstreute Beobachtungen sind, so setzt sich bei mir doch schon seit Längerem ein Verdacht fest: Kann es sein, dass junge Gläubige von der Kirche gerade nicht Agilität und kritischen Geist erwarten, sondern Beständigkeit und vermeintliche Gewissheiten suchen? Ein Eindruck, den ich im Übrigen auch von mancher Gemeinschaft habe, die mit Feuereifer von Neuevangelisierung, Wahrheit, Gott und Erlösung spricht, sich aber zugleich jenem Feuer der Aufklärung entzieht, durch das der Glaube meines Erachtens gehen muss, will er nicht nur oberflächliche Zustimmung erheischen, sondern zur tiefen Überzeugung werden.

Jugend, das meint doch immer auch Zukunftsdrang und Rebellion. Wird sich dies auch bei der „Jugendsynode“ zeigen, die in Kürze in Rom stattfindet? Ist das vielleicht gar die Faszination, die von Papst Franziskus ausgeht: seine Jugendlichkeit, die die geistige Regsamkeit manch kirchlicher Jugend überstrahlt? Wenn es zutreffen soll, dass die Kirche jung ist, dann wird sie dies wohl nicht dadurch, dass sie sich zur Eventfabrik umgestaltet. Das machen andere besser, professioneller. Nein, wenn Kirche jung sein will, dann muss sie im Geiste jung bleiben. Das jedoch ist keine Frage des biologischen Alters ...


Henning Klingen

 

Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff
Kolumne vonDr. Georg Plank
Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff

Kolumne vonDr. Georg Plank

 

Das Rebenprinzip

 

Wer im Herbst pralle Trauben bewundert, weiß, wie viel Arbeit das ganze Jahr über notwendig war, damit jetzt Früchte geerntet werden können. Zur jeweils rechten Zeit mussten die richtigen Maßnahmen erledigt werden, sonst wären viele Blätter gewachsen, aber wenige Lebensmittel. Oft übersehen wird, dass es auch lange Perioden des Nichtstuns, des Gewährenlassens und des aufmerksamen Beobachtens gibt, in denen das eigentliche Wachstum einfach passiert bzw. geschenkt wird.

 

Im Sinne von Joh 15,2 gilt es daher auch in den Weingärten unserer pastoralen Handlungsfelder, dem Vorbild des guten Winzers zu folgen. Er rückt die Reben, die Frucht tragen, in den Mittelpunkt. Er reinigt sie, damit sie mehr Früchte bringen. Für mich bedeutet das mehr Möglichkeiten für heutige Menschen, zu erleben, was Menschen aller Kulturen (nicht nur Glaubens- oder Volksgenossen) vor 2.000 Jahren mit Jesus erlebten: Aufrichtung, Orientierung, Befreiung, Ermächtigung, Heilung, Gottesbeziehung und Sendung. Dieses „die fruchtbaren Reben reinigen“ korrespondiert mit dem Konzept inkrementeller Innovationen: Konzentriere dich auf das schon vorhandene Gute und investiere darin, es noch besser zu machen. Denn der Feind des Besseren ist oft nicht das Schlechte, sondern das Gute – eine bittere Erfahrung, die gerade große traditionelle Organisationen in Zeiten des Umbruchs machen.

 

Wir kennen aber auch den ersten Teil dieses Vorgangs: Der Weinstock muss von Reben befreit werden, die keine Frucht (mehr) bringen. Auch davor scheuen kluge Weinbauern nicht zurück.

 

 

Georg Plank

Pastoralinnovation

www.pastoralinnovation.at

Themen & Schwerpunkte

Wir wollen gehört werden!

Anlässlich der bevorstehenden Weltbischofssynode zum Thema „Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung“ im Oktober 2018 wollen wir Jugendliche und Kirche miteinander ins Gespräch bringen. Jugendbischof Turnovszky diskutiert dazu mit zwei jungen Menschen über den Glauben, die Kirche und was Jugendliche damit zu tun haben.

 

 

Daniel Seper lud Weihbischof Stephan Turnovszky, Magdalena Pittracher und Raphael Schicho zum "Runden Tisch".

 

 

miteinander: "Jugendliche beißen nicht, man kann sich ihnen nähern", hat Papst Franziskus einmal gesagt. Warum ist denn das Verhältnis zwischen der Kirche und Jugendlichen oft etwas  herausfordernd, wie es diese Aussage von Papst Franziskus ja suggeriert?

 

Weihbischof Stephan Turnovszky: Ich glaube gar nicht, dass das Verhältnis zwischen der Kirche und Jugendlichen distanziert oder angespannt ist, sondern es geht eher um das Verhältnis zwischen den Generationen - und die Kirche wird eben geleitet von älteren Generationen. Viele Ältere haben den Kontakt zur Lebenswelt der Jugendlichen verloren, fühlen sich oft selber auch unsicher und trauen sich deshalb nicht, den Kontakt mit jüngeren Leuten aufzunehmen. Also ich führe das eher auf eine Unsicherheit zurück, die durch eine Milieuverengung der Verantwortungsträger in der Kirche, durch ihr Umfeld stark passiert. Ich erlebe auf der anderen Seite auch Menschen in der Kirche, die überhaupt keine Scheu vor jungen Leuten haben, die junge Leute gewohnt sind, die entweder in der Jugendarbeit tätig sind oder selber jung sind.

 

Magdalena Pittracher: Ich glaube, dass es wichtig ist, dass auch junge Menschen in der Kirche Verantwortung tragen, um diesen Generationenstreit auch irgendwie zu umgehen und um sich einander besser anzunähern. Dass Jugendarbeit auch von jungen Menschen gemacht wird. Das war auch die Intention vom Pastoralassistenten, der mich damals angefragt hat, Jugendleiterin zu werden. Im ersten Moment hab ich mich sehr überfordert gefühlt. Er hat damals gesagt hat, er fühlt sich jetzt nicht mehr in der Lage dazu, weil er nicht mehr so nahe dran ist. Und als junger Mensch ist man halt näher an Kindern und Jugendlichen dran.

 

Raphael Schicho: Ich habe das Gefühl, dass wir eine sehr pragmatische Generation sind, die  in einem Zeitalter lebt, in dem es viel Wettbewerb für unsere Aufmerksamkeit gibt und wir suchen ständig bei den Dingen, die wir tun, nach einem Warum. Und auf dieses Warum eine Antwort zu finden, ist für die Kirche oft schwer, auch wenn es in vielen Bereichen sehr wohl funktioniert.

 

Pittracher: Wir leben in einer Welt, in der ganz viel Veränderung passiert jeden Tag und es muss alles schnell gehen. Wenn wir uns ehrlich sind, ist die Kirche halt ein bisschen langsam bei der Veränderung - und das ist dann für junge Menschen schwierig zu akzeptieren, dass es nicht so schnell, nicht so einfach von heute auf morgen geht. Da gibt es einen anderen Zugang zur Wirklichkeit, zur Veränderung.

 

miteinander: Die Kirche ist ja schon 2.000 Jahre alt. Aber ist sie wirklich einfach nur alt oder: Iin welchen Bereichen zeigt sie sich denn als junge Kirche?

 

Schicho: Ich habe da zum Beispiel auf Facebook diese Kirchen-App entdeckt, die habe ich irgendwie lässig gefunden. In Richtung Social Media macht die Kirche ja auch recht viel. Aber es ist halt immer ein Prozess. Entwicklung passiert immer schneller und daher ist es einfach schwierig, da Schritt zu halten.

 

Pittracher: Ich glaube in den Pfarren ist die Kirche jung. Was heißt denn Kirche eigentlich? Man denkt da schnell an eine Sonntagsmesse und da ist die Kirche oft nicht so jung. Aber Kirche ist ja eigentlich viel mehr und da, wo Kirche auch gelebt wird - in den Jungscharstunden, in Jugendgruppen, in Ministrantengruppen, in der Katholischen Jugend -, da ist sie schon sehr jung und lebendig. Aber irgendwie zeichnet sich das in den oft Sonntagsgottesdiensten so nicht ab.

 

Turnovszky: Ich hätte drei Beispiele, wo Kirchen jung sind, eines ist aus Österreich, zwei sind von außerhalb. In Österreich erlebe ich Kirche dort jung, wo junge Leute miteinander beten und feiern. Das ist nicht so die große Fläche, das sind seltener die Sonntagsmessen in den Pfarren, aber es sind ausgewählte Gruppen. Da habe ich als Jugendbischof das Privileg, dass ich von denen oft eingeladen werde und deswegen darf ich das entdecken. Sonst würde ich sie auch nicht wahrnehmen. Das kann eine Pfarrjugend sein, irgendeine Bewegung, eine Gemeinschaft. Da erlebe ich: Kirche ist jung, auch in Österreich. Ansonsten würde ich sagen, Kirche ist vor allem außerhalb von Europa jung. Ich war schon mehrmals in Ländern des Südens. Alleine, wenn man sich dort die Gottesdienstbesucher anschaut, ist das Durchschnittsalter ein Drittel von dem bei uns oder noch tiefer. Alleine schon wegen des Durchschnittsalters der Bevölkerung: Sie ist kinderreich und es ist selbstverständlich, dass man in die Kirche geht. Also in Afrika ist Kirche jung, auch wenn man einfach nur in den Gottesdienst hineinschaut. Und das dritte Beispiel, wo Kirche jung ist, ist Papst Franziskus. Er ist zwar ein alter Herr, aber man erlebt da: Kirche muss nicht immer so sein, wie wir sie immer gekannt haben, sondern er traut sich mit manchen Konventionen zu brechen. Er fährt ein kleines Auto, er hat schwarze, ausgelatschte Schuhe an, wenn man so sagen möchte. [lacht] Also er bricht mit manchem, von dem man gedacht hat, das gehört unbedingt zum Papsttum dazu. Er kann das gut unterscheiden, was ist konstitutiv für sein Amt und was kann man auch anders ausgestalten und leben. Ich finde, er hat eine gewisse Art von Jugendlichkeit im Herzen. Er probiert einmal etwas Neues und macht das in beeindruckender Art und Weise.

 

miteinander: Wie halten denn Sie als Jugendbischof den Kontakt zur Jugend?

 

Turnovszky: Ich bin verantwortlich für Jugendpastoral auf Österreichebene und halte vor allem Kontakt zu Multiplikatoren aus der Jugendpastoral, zur Katholischen Jugend Österreich, zu JAKOB, der Koordinierungsstelle für Jugendapostolate Katholischer Orden und Bewegungen, und zu ausgewählten anderen Gruppen, die an mich herantreten und mich als Jugendbischof einladen möchten. Da werde ich zum Beispiel zu Firmungen auch außerhalb der Erzdiözese Wien eingeladen, zu denen ich sicher sonst nicht eingeladen wäre. Ich nütze auch viele Möglichkeiten, die ich als Jugendbischof habe, wie zum Beispiel Schulvisitationen. Das mache ich ausgesprochen gerne. Das ist für mich eine großartige Gelegenheit, um mit Kindern und jungen Leuten in Kontakt zu kommen.

 

miteinander: Im Oktober findet die Weltbischofssynode unter dem Thema "Jugend, Glaube und Berufungsentscheidung" statt. Oft war die Kritik zu hören, dass bei der eigentlichen Synode nur Bischöfe über die Jugendlichen sprechen und die, um die es geht, sind eigentlich nur als Zuhörer ohne Stimmrecht dabei. Natürlich ist eine Bischofssynode, wie der Name schon sagt, eine Versammlung von Bischöfen... 

 

Pittracher: Also ich verstehe diese Kritik und würde das auch so sehen. Aber ich kenne das einfach von der Pfarrebene, dass es immer ein Problem ist, wenn man über Jugend spricht. Man muss den Jugendlichen auch eine Stimme geben und ich finde es toll, dass es in der Vorsynode die Möglichkeit gab. In den Pfarren ist es oft so, dass man ja eigentlich so gern Jugendliche hätte, aber man ihnen nicht zuhört und keine Verantwortung und keine Stimme geben will. Wenn es nicht ehrlich gemeint ist, dass man Jugendliche wirklich da haben will, dann merken die das ganz schnell und dann sind sie einfach nicht mehr da. Ich glaube, dass diese Umfrage, die es als Vorbereitung auf die Synode über das Internet gegeben hat, an der auch ganz viele Jugendliche teilnehmen konnten, dass die so ein Zeichen war "Ja, wir wollen euch hören" und so etwas ist ganz wichtig.

 

Schicho: Was will ein Mensch? Ein Mensch will gefragt werden und das gilt für Jugendliche sowie für jede andere Gruppe. Und dann natürlich auch ernst genommen werden.

 

Miteinander: Was sagen Sie, Herr Weibhischof: Ist diese Kritik berechtigt? Es hat natürlich Möglichkeiten gegeben, damit sich Jugendliche im Vorhinein einbringen konnten. Aber wenn es dann um die Entscheidung geht, dann sind sie nur Zuhörer.

 

Turnovszky: Für mich ist ein Blick in die Geschichte erhellend: Die Synode ist ja eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils. Man hat entschieden, eine ständige Einrichtung, die Bischofssynode, zu schaffen, bei der sich ausgewählte Bischöfe aus der Welt alle paar Jahre treffen und relevante Themen besprechen. Das ist eigentlich ein Schritt in Richtung Kollegialität gewesen: Die Bischöfe treffen sich öfters, nicht nur zu einem Konzil, und beraten über relevante Themen. Und in erster Linie ist das halt ein Moment, wo sich Bischöfe beraten und versuchen, sich eine Meinung zu bilden. Ich glaube, die Synode ist auch selbst etwas, das sich weiterentwickelt - durch Erfahrungen, die man sammelt. Vor dem Konzil hat es das gar nicht gegeben. Und jetzt entwickelt es sich so, dass man sagt, man müsste doch im Vorfeld oder dann auch selbst bei der Synode mehr Leute einbeziehen. Ich glaube, man würde zu kurz greifen, wenn man das nur am Jugendthema festmacht. Man müsste das am Synodenthema festmachen. Was erwartet man von einer Synode? Jede Synode hat ein Thema. Müssten da immer Menschen, die eigentlich hier Fachleute sind, involviert sein, auch stimmberechtigt sein? Das sind Fragen, die sich hier stellen. Auf der anderen Seite ist die Stimmberechtigung, glaube ich, nicht so etwas ganz Dramatisches, weil die Synode an und für sich nichts anderes beschließt als am Ende ein Papier, das keine Rechtskraft hat, sondern dem Papst vorgelegt wird. Wenn es der Papst gut findet, dann setzt er es in Kraft. 

 

Pittracher: Es stimmt natürlich, dass das bei der Jugendsynode gerade so hochkommt, weil das Medieninteresse besonders groß ist und  das Gefühl da ist, das sich die Bischöfe erstmals mit so etwas beschäftigen. Aber es ist ja gut, wenn sich daraus vielleicht auch in den weiteren Synoden etwas entwickeln kann.

 

Turnovszky: Wir sehen ja, dass wir eigentlich jetzt schon einen Schritt weiter sind als bei der letzten Synode, denn Papst Franziskus hat bei der letzten Synode über Familie erstmals auch breiter gefragt als nur Bischofskonferenzen. So geht das Schritt für Schritt, mehr Leute zu involvieren.

 

miteinander: In Deutschland können Jugendliche den Bischöfen, die an der Synode teilnehmen, direkt ihre Anliegen schreiben. Welche konkreten Anliegen möchten denn die Jugendlichen in Österreich ihrem Jugendbischof gerne mit nach Rom mitgeben? 

 

Schicho: Ich habe das Gefühl, viele Jugendliche suchen sehr oft nach einem Sinn, nach Guidelines. Und ich finde, dass die Kirche da sehr viele gute Antworten dafür hat. Ich glaube, das ist auf jeden Fall etwas, nach dem Jugendliche vielleicht nicht direkt fragen, aber das ist etwas, das wir unbedingt brauchen. Gerade in Zeiten eines moralischen Relativismus, eines Postmodernismus, wie immer man es dann auch nennt, gibt es total viel Jugendlichen Kraft, eine klare Moral und einen klaren Glauben zu haben. Ich glaube, da ist gerade eine Jugendsynode ein gutes Instrument, hier Signale zu setzen.

 

Pittracher: "Warum sind wir in die Kirche gegangen? Weil unsere Eltern gegangen sind. Da muss man ein bisschen früher ansetzen."

 

Pittracher: Ich tu mir mit einem konkreten Anliegen total schwer. Ich habe mit vielen Menschen in meiner Umgebung, mit Theologiestudierenden, aber auch mit anderen gesprochen und sie gefragt, was sie sich eigentlich von der Kirche erwarten und es sind so unterschiedliche Antworten gekommen. Ich habe dann für mich festgehalten, dass es da eine unglaubliche Vielfalt gibt. Wenn man außerhalb von Europa schaut: Die katholische Kirche ist so bunt, eigentlich schön. Ich glaube, Jugendliche wollen gehört werden und sie wollen Verantwortung. Es passiert ja eh viel, aber man hat das Gefühl, es ist noch nicht genug, dass man sagt, man holt die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt ab, man geht ins Internet und versucht, sie dort abzuholen. Nur es ist halt auch nur ein Angebot unter vielen Angeboten, mit denen Jugendliche konfrontiert sind.

 

Turnovszky: Das nehme ich auch so wahr, wie Sie das sagen: eine Vielfalt. Wenn ich hinhöre, was wollen mir Jugendlichen mitgeben, ist das sehr unterschiedlich. Lobbyisten der unterschiedlichsten Art sagen mir, was sie dem Synodenbischof mitgeben möchten. Aber auch junge Leute, mit denen ich ins Gespräch komme, die schildern mir einfach ihr Leben. Eva Wimmer [Österreichs Vertreterin beim Vortreffen für die Synode] hat das für mich ganz plausibel ins Wort gebracht. Sie hat gesagt, in den Gesprächsgruppen war es am Anfang ziemlich schwierig, weil jeder geglaubt hat, sein Anliegen durchbringen zu müssen - und das war schon sehr unterschiedlich von den verschiedenen Kontinenten. Sie hat dann weiter gesagt, wir haben uns erst nach ein paar Stunden gefunden, als wir entdeckt haben, dass wir ein gemeinsames Anliegen haben und das war, dass es den jungen Leuten gut gehen soll. Das heißt, dass sie sich entfalten können, dass sie etwas aus ihrem Leben machen können. Dazu gehört, dass sie Verantwortung übernehmen können, aber auch, dass es jemanden gibt, der für sie sorgt, dass sie Ausbildungen bekommen, dass sie Orientierungen bekommen, ohne eingeengt zu werden. Das war dann irgendwo allen zugänglich, auch wenn sich das dann sehr unterschiedlich ausgestaltet in den kulturellen Milieus. Im Detail waren die Anliegen unterschiedlich, aber sie haben sich dort getroffen, wo es darum geht, dass der junge Mensch sich entfalten möchte und ein reifes, entfaltetes, verantwortungsvolles Leben führen will.

 

Pittracher: Und junge Menschen möchten diese Vielfalt, ihr unterschiedliches Glaubensleben auch innerhalb der Kirche leben dürfen.

 

Turnovszky: Ja. Jeder hat gesagt: Ich möchte einen Platz in der Kirche haben.

 

Pittracher: Ich denke mir, dass das die katholische Kirche schon bieten kann. Wenn ich auf Urlaub fahre, gehe ich dort am liebsten in eine Messe, weil ich mich da auskenne, weil ich mich sozusagen beheimatet fühle in der Fremde. Dann ist es egal, in welcher Sprache diese Messe ist, ich weiß ungefähr, wo man ist und wann ich "Amen" sage [alle lachen]. Da zeigt sich doch, dass es in dieser Vielfalt eine Einheit gibt und dass alle das gleiche wollen.

 

Schicho: Verschiedene Zugänge und Perspektiven in der Kirche sind ja auch kein Widerspruch, sondern es kann ja alles irgendwie existieren. Die Kirche ist so unglaublich groß, da können verschiedene Meinungen und Glaubensperspektiven voll schön nebeneinander existieren, die nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen. Ich glaube, es ist gut für die Kirche, eine gewisse Freiheit für jeden zu lassen, wie er oder sie seinen oder ihren Glauben leben möchte. Ein einheitliches Ding ist vielleicht wichtiger, da gebe ich dir Recht, gleichzeitig aber möchte auch zum Beispiel ein Pfarrer, wenn er eine coole Idee hat, das dann auch umsetzen können. Wenn er merkt, das kommt bei seinen Leuten in der Gemeinde gut an, dann passt das super, auch wenn es halt ein bisschen anders ist. Diese Vielfalt existiert dann und bringt auch allen was.

 

Turnovszky: Das ist halt immer eine Herausforderung, weil es ja heißt: Einheit in der Vielfalt.

 

Schicho: Ja, die Frage ist, wie balanciert man das.

 

Turnovszky: Genau. Vielfalt ohne Einheit wird dann beliebig. Und Einheit ohne Vielfalt ist ein Zwang, ist auch fad, Uniformität. Das ist so die katholische Kunst. [alle lachen]

 

miteinander: Die Synode wendet sich nicht nur Jugendlichen zu, die mit der Kirche verbunden sind, sondern will sich auch der Jugend außerhalb der Kirche widmen. Was hat denn die Kirche und konkret die Synode diesen jungen Menschen außerhalb der Kirche zu sagen?

 

Turnovszky: Ich würde sagen, als erstes soll sie nichts sagen, sondern hören. Es ist wichtig, sich einzulassen auf die Themen von diesen Menschen. Und wenn man dann etwas zu sagen hat, dann möglichst in einer verständlichen Sprache, also nicht im Kirchenjargon. Ein Beispiel: Ich war gerade aus diesem Grund als Synodenbischof bei Lehrlingen in der Spar-Akademie im 13. Bezirk in Wien, wo die Lehrlinge der Firma Spar ausgebildet werden. Ich wollte auch das Milieu der Lehrlinge aufsuchen. Dort waren in den Klassen zwar viele Christen, aber nicht so viele Katholiken, und auch Nicht-Christen, Muslime - ganz bunt gemischt. Kirchenjargon oder Theologensprache ist dort nicht interessant. Aber das, was die jungen Menschen zu sagen haben, passt wieder zum Synodenthema. Sie können genau sagen, was hilft mir zu einem glücklichen Leben, welche Menschen brauche ich und welche Eigenschaften brauchen die, dass sie mir hilfreich sind. Wer unterstützt mich in meinem Leben und wie tun die Menschen das? Wie treffe ich Entscheidungen?  Und was hilft mir der Glaube im Leben? Wann bin ich glücklich? Da kam dann die Antwort, zum Beispiel wenn der Chef mich lobt oder die Kundschaft zufrieden ist. Weit wichtiger als dass der Gehalt am Ende des Monats stimmt, ist es, dass ich mich entfalten kann und dass ich etwas mache aus mir und dass das auch andere sehen. Es haben schon auch viele gesagt, dass ihnen der Glaube wichtig ist, weil sie in dem Bewusstsein leben, ich bin geliebt und behütet.

 

Schicho: Ich finde das voll schön: "Was bringt mir der Glauben?" Ich glaube, das ist ein ganz wichtiges Thema. Oft rede ich mit Leuten darüber, was mir der Glaube bringt, wie viel Richtung, wie viel Stärke er mir im Leben geben kann. Der nächste Schritt wäre dann "Und was bringt mir die Kirche?" Was kann ich mit dem Glauben in der Kirche tun? Wie den Glauben ausleben in der Gemeinschaft. Weil man hört auch sehr oft: "Ich bin gläubig, aber ich brauche die Kirche nicht für den Glauben." Ich glaube, da wäre der zweite Schritt, nach dem Warum für die Kirche zu fragen.

 

Pittracher: Ich habe in einer Studie gelesen, wenn man Menschen fragt, ob sie an einen Gott glauben, kommt ganz oft "ja", aber auf die Frage, ob sie in einer Kirche sind, ganz oft "nein". Das stellt sich schon die Frage nach dem Warum. Es gibt viele Jugendliche, genauso wie Erwachsene, die sich ihre Religion "zusammenbasteln" mit ein bisschen Reinkarnation und ein bisschen Nächstenliebe und was für sie wichtig ist. Aber sie finden ihren Platz in der Kirche nicht. Da glaube ich, dass für Jugendliche das Wichtigste die Gemeinschaft ist, die man erleben kann. Alleine an meinem Glauben zu basteln und alleine mit Gott zu sein, mag nett sein, aber in der Gemeinschaft Nächstenliebe und Nachfolge wirklich zu leben, dadurch habe ich meinen Platz in der Kirche gefunden. Da war am Anfang immer eine Gruppe. Ich bin in die Messe gegangen, damit ich nachher ins Jugendlokal gehen kann [lacht].

 

Schicho: Ja, bei mir war es auch so.

 

Pittracher: Deswegen glaube ich, dass Kirche vor dem Kirchengebäude und vor der Messe anfängt. Und dass es Menschen außerhalb der Kirche ganz wichtig ist, dass es eine Gruppe gibt, in der ich sein kann wie ich will und in der ich auch den Glauben von anderen kennenlernen kann. Und da kann man gemeinsam beten, nicht jeder einzeln, sondern ein gemeinsames Gebet kann stärker sein. Das ist wieder der Spannungsbogen zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft,  also diese katholische Kunst.

 

miteinander: Diese Spannung "Religion und Spiritualität ja, aber Kirche und Institution nein" begegnet uns besonders, aber nicht nur bei Jugendlichen. Da besteht dann die Herausforderung darin, dass die Kirche auch als Institution als Quelle für die Spiritualität gefragt ist.

 

Schicho: Es ist ja nicht so, dass der Mensch keinen Bedarf nach Spiritualität hätte. Er hat ja Bedarf dafür. Aber oft suchen sich die Leute das dann woanders, was irgendwie schade ist.

 

Turnovszky: Der Glaube der Kirche ist ja geschwisterlicher Glaube. Das fängt damit an, dass wir an einen dreifaltigen Gott glauben, nicht an einen einzelnen, sondern einen Gott, der in sich Gemeinschaft ist. Und deshalb erleben wir diesen Glauben auch gemeinschaftlich. Für Christen ist kirchlicher Glaube ein gemeinschaftlicher Glaube. Wenn einer sagt, ich glaube an Gott, aber ich tue mir mit der Kirche schwer, müsste man auch immer fragen, was ist da für ein Gottesverständnis, Gottesbild dahinter? Es ist offenbar nicht ein Gott, der eine Gemeinschaft führt oder der Gemeinschaft ist oder der inkarniert ist, so wie wir das von Jesus Christus bekennen. Als Christen kommen wir nicht an Menschen vorbei, wenn wir an Gott glauben.

 

Pittracher: Ich glaube aber schon, wenn Menschen sagen, sie glauben an einen christlichen Gott, dass sie sich ihre Gemeinschaft irgendwo suchen, obwohl sie sich von der Institution Kirche abkapseln. Da geht es einfach viel um persönliche Erfahrungen mit Amtsträgern, die sie dazu bringen, der Kirche den Rücken zuzukehren, und woanders Gemeinschaft zu suchen. Wenn ich mich von der Kirche abwende, heißt das nicht zwingend, dass ich mich vom Menschen abwende.

 

Turnovszky: Ich habe jetzt mehr die vor Augen gehabt, die sagen "Ich brauche die Kirche nicht, am besten bete ich im Wald und zwar alleine." Wobei ich auch gerne alleine im Wald bete. Aber es wäre mir nicht genug. Es gibt aber sicher auch die, die Gemeinschaft suchen und sie nicht in der Kirche finden. Das stimmt, die müssen wir auch im Blick behalten.

 

Schicho: Ich finde, die Kirche hat eine Riesen Chance beim Religionsunterricht. Aber vielen denken: "In Reli, da geht's um nix." Das ist etwas, wo man noch voll viel daran arbeiten kann, den Religionsunterricht zu einem Instrument zu machen, um Leute in die Gemeinschaft zu bringen. Das funktioniert zum Teil. Auch mich hat der Religionsunterricht in der Volksschule dazu gebracht, in die Kirche zu gehen.  Ehrlicherweise haben auch gewusst, dass wir bessere Noten bekommen, wenn wir am Sonntag in der Kirche sind [lacht]. Und dann waren wir halt alle in der Kirche. Für uns war das auch cool, weil wir dann in der Jungschar waren.

  

Pittracher: Ich höre bei dem Wort "mächtiges Instrument" auf, weil es so überstülpend klingt und für mich der Religionsunterricht ganz stark dafür da ist, aufzuzeigen, dass Kirche ein Angebot ist, und weniger zu erziehen "Kommt's in die Kirche!" Für mich ist das Wort instrumentalisieren immer negativ.

 

Schicho: Das stimmt.

 

Pittracher: Wenn ich als Religionslehrerin in die Schule gehe, möchte ich mich nicht instrumentalisieren lassen, sondern ich möchte Vorbild sein und zeigen, was es heißt, einen Glauben zu leben und zeigen, was mir am christlichen Glauben gefällt. Menschen können Menschen zu etwas bringen, indem sie einfach vorleben und zeigen, wie glücklich sie damit sind.

 

Turnovszky: Mir fällt zum Religionsunterricht noch ein, dass wir in Österreich wirklich einen starken Nachteil haben in Bezug auf Religionsunterricht und zwar die Möglichkeit, sich davon abzumelden. Das ist schon ein großes Hemmnis für Religionsunterricht. Es vermittelt einmal irgendwie nonverbal, es ist beliebig und zur Entfaltung deines Menschseins brauchst du das nicht unbedingt, es ist nicht so wichtig. Zweitens gibt es ein starkes Druckmittel auf die Lehrer. Wenn sich Kinder abmelden, dann gibt es halt weniger Religionsstunden und das ist auch schwierig für die Religionslehrer. Also deswegen wäre ich schon froh, wenn es einen verpflichtenden Ethik-Ersatzunterricht gäbe, für alle, die nicht im konfessionellen Religionsunterricht sind. Ich finde, sich mit Fragen von Ethik und Religion auseinanderzusetzen gehört zur gesamtmenschlichen Bildung dazu. Das kann im Rahmen deiner eigenen Religion passieren oder auch religionsübergreifend im Ethik-Unterricht. Aber es muss passieren. Ich halte es für ein schlimmes Signal des Staates, wenn er sagt, das ist beliebig, das ist eigentlich in der Erziehung nicht so wichtig.

 

Schicho: Da macht man es Religionslehrern auch schwer, wenn die Alternative zum Religionsunterricht heimgehen ist. 

 

Pittracher: Deswegen tut man Religion oft nicht an die Randstunden und möglichst mitten am Tag, damit sich niemand deswegen abmeldet. Ich habe auch schon gehört, dass Religionslehrer am Anfang des Schuljahres in die Klasse gehen und Werbung machen für sich und für den Unterricht. Es braucht natürlich auch wirklich gut ausgebildete Religionslehrer, die auch wissen, wie man mit Kindern und Jugendlichen spricht, um verständlich zu sein.

 

miteinander: Kommen wir zurück zur Synode. Im Abschlussdokument des Vorbereitungstreffens liest man: "Manchmal sind Pfarrgemeinden keine Orte mehr, sich zu verbinden." Die Sonntagsmesse in vielen Pfarren zieht oft relativ wenig Jugend an. Auf der anderen Seite versammeln sich bei Weltjugendtreffen Hunderttausende oder es entstehen neue geistliche Bewegungen von Jugendlichen. Was heißt das für die Kirche?

 

Pittracher: Ich glaube, dass es nicht nur die Jugendlichen und Kinder betrifft. Warum sind wir in die Kirche gegangen? Weil unsere Eltern gegangen sind. Da muss man ein bisschen früher ansetzen. Es müssen halt auch einfach Familien mit Kindern in die Messe gehen, damit Kinder in dem Umfeld aufwachsen. Und wenn sie das nicht tun und dann nur zur Erstkommunion und zur Firmung kommen, dann ist das ein Problem. Man muss aber auch überhaupt kleiner anfangen, mit einem Gebet, einer Andacht, bevor es überhaupt einmal zum Höhepunkt, zur Eucharistiefeier kommt.

 

 

Schicho: "Ich wünsche mir von der Kirche einen Dialog außerhalb ihrer Komfortzone. Mit Menschen, die nicht eh schon voll dabei sind, sondern auch mit Menschen, die kritischer über die Kirche nachdenken oder sich unsicher sind."

 

Turnovszky: Junge Leute sind gern dort, wo junge Leute sind. Wo es junge Leute gibt, dort gibt es einen Zulauf und natürlich auch eine Art von Entmischung. Jede Jugendgruppe hat so etwas wie ein Profil. In einer Zeit von größerer Mobilität wählt man da auch stärker aus. Ich würde bei der ganzen Kinder- und Jugendpastoral auch immer unterscheiden zwischen den  Altersgruppen. Einerseits Jugendliche, die schon sehr selbstbestimmt sind und sich selbst aussuchen, wohin sie gehen, und Kinder in einem früheren Alter, die auf die Eltern angewiesen sind. Im früheren Alter, glaube ich, ist es enorm wichtig, bei den Eltern anzusetzen, attraktive Angebote für die Eltern zu haben, besonders auch für die Väter. Wenn die Väter gerne kommen, dann kommt glaube ich die ganze Familie gerne. Ich habe einmal von einem Erstkommunionkind gehört, das gesagt hat: "Ich mag ja eh öfter zur Messe kommen, aber das Problem sind die Eltern." [alle lachen] Weil die Eltern wollen lieber länger schlafen oder sehen für sich keinen Mehrwert. Ich glaube, Kinder an und für sich haben eine Freude am Glauben und in der Kirche. Bei den Firmgruppen ist es vielleicht wieder ein bisschen ein anderes Thema. Die haben Freude an Gemeinschaft und kommen schon gerne zusammen. Acht geben muss man dann als Erwachsener vor jeder Form von Missbrauch - und ich meine da jetzt gar nicht zuerst sexuellen Missbrauch, sondern, dass man junge Leute nicht in eine Abhängigkeit führt, sondern in die Freiheit. Diese Freiheit ist aber keine Beliebigkeit, sondern eine verantwortete Freiheit.

 

miteinander: Zum Abschluss noch die Frage, was wünschen sich denn Jugendliche von der Kirche? Was soll sich ändern durch die Synode, was soll gleich bleiben?

 

Pittracher: Ich wünsche mir, dass das Thema der Synode danach nicht verschwindet. Ich finde, diese Medienpräsenz, dieses Interesse an Jugendpastoral, dieses Nachfragen "Was wollt's ihr?" total schön. Ich möchte nicht, dass danach irgendein Blatt rauskommt, das man dem Papst gibt und dann ist das wieder gegessen, sondern dass das Interesse einfach da bleibt. Weil wir haben jetzt noch keine Lösung, wie wir Jugendliche in die Pfarren bringen und vielleicht gibt es auch keine Lösung, sondern vielleicht ist genau dieses Hinhören, dieses Nachfragen, dass man zeigt "Ihr seid wichtig und wir wünschen uns, dass ihr da seid", vielleicht ist genau das die Lösung. Dieses Hinhören, das muss da bleiben.

 

Schicho: Papst Franziskus hat einen großartigen Twitter-Account, der wirklich gut ist [lacht]. Ich wünsche mir von der Kirche einen Dialog außerhalb ihrer Komfortzone. Mit Menschen, die nicht eh schon voll dabei sind, sondern auch mit Menschen, die kritischer über die Kirche nachdenken oder sich unsicher sind. Ich glaube, das wäre wirklich ein Mehrwert.

 

Turnovszky: Als österreichischer Jugendbischof wünsche ich mir Impulse für die Jugendpastoral in Österreich. Das heißt, dass die großen Player von Jugendpastoral in Österreich Freude haben, miteinander etwas auf die Beine zu stellen für österreichweite Aktivitäten - und das ist gar nicht so einfach. Wie zum Beispiel die Veranstaltung "Jesus in the City" in Wiener Neustadt im Juni. Es wäre mein Traum, dass da die Freude daran wächst und die Dynamik "Mach ma was gemeinsam!" Das ist das eine, das ich mir wünsche. Das zweite: Ich würde mir wünschen, dass die Aufmerksamkeit auf Jugend, die wenig von der Kirche wahrgenommen wird, steigt. Zum Beispiel im Lehrlingsmilieu ist die Kirche wenig präsent. Dass wir dort stärker hinschauen, hingehen und gegenwärtiger sind. Das würde ich mir wünschen.


 

 

 

 

 

 

Das Gespräch leitete Daniel Seper.

 

 

 

 

 

 

 

 

Stephan Turnovszky ist Weihbischof in der Erzdiözese Wien und Bischofsvikar im Vikariat Unter dem Manhartsberg. Als Jugendbischof vertritt er Österreich bei der Synode.  
Magdalena Pittracher (23) stammt aus Tirol, studiert Religionspädagogik in Wien und arbeitet als Studierendenbetreuerin im Zentrum für Theologiestudierende.  
Raphael Schicho (20) kommt aus Oberösterreich, war dort Landesschulsprecher und in der Pfarrjugendarbeit aktiv. Derzeit studiert er in Wien Volkswirtschaftslehre.  

 

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe September/Oktober 2018

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Weiterlesen:

 

Woran die Jugend glaubt: Ergebnisse der Jugendstudie hinsichtlich ihres Glaubens. Von Bernhard Heinzlmaier.

 

Jugendliche wollen gehört werden! Weihbischof Stephan Turnovszky diskutiert mit zwei Jugendlichen am "Runden Tisch" zu ihrer Rolle in der Kirche. 

 

Jugendliche Smartphone Zombies? Gastautor Stephan Sigg über positive Signale bei der Handynutzung. 

 

 Es tut sich was. Bei "Jesus in the City" in Wiener Neustadt. Eine Reportage

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