Wofür lebst du?
Sr. Franziska Bruckner
Ich lebe für und mit Menschen, die sich auf ein Leben aus dem Glauben einlassen. Ich lebe im Glauben an die Frohe...
Wofür lebst du?
Sr. Franziska Bruckner

Ich lebe für und mit Menschen, die sich auf ein Leben aus dem Glauben einlassen. Ich lebe im Glauben an die Frohe Botschaft, die uns das Evangelium schenkt und ich lebe mit Herzblut für meine Gemeinschaft und unseren Bildungsauftrag für junge Menschen. Der Menschwerdung zu dienen, dafür will ich mich jeden Tag neu einsetzen. Sr. Franziska Bruckner Generaloberin Franziskanerinnen Amstetten

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Mag. Elisabeth Mayr

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Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel
Von Chefredakteur Henning Klingen
Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel

Von Chefredakteur Henning Klingen

 

 

Vor fast fünf Jahren habe ich in einem Editorial schon einmal von meinem Großvater berichtet. Damals war er Anfang 90. Sein Leben war rhythmisiert von der Arbeit im Garten, vom Wechsel der Jahreszeiten, den Urlauben mit uns Enkeln, den Skat-Runden und häufiger werdenden Arztbesuchen. Vor zwei Jahren ist mein Großvater gestorben – mit 97 Jahren. Anm.: Dann kann etwas nicht stimmen ...

 

Warum erzähle ich Ihnen das zu Beginn einer Ausgabe zum Thema Zeit? Weil meine Großeltern ein biblisches Alter erreicht haben, meine Großmutter noch immer lebt, gewiss. Aber auch, weil die Besuche bei Ihnen, das Betreten Ihres Universums einem Akt des Aufstands gegen die verrinnende Zeit glichen: Denn meine Großeltern schienen nicht zu altern. Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen. Und selbst im Sterben rang mein Großvater dem Leben noch Tage, Stunden ab. Der Tod, so schien es, war für ihn nie eine Option. Er wählte stets das Leben – und die Zeit meinte es tatsächlich gut mit ihm, sie hat sich an ihn verschenkt.  

Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen.

 

Mich beeindruckt dieser Aufstand gegen die Zeit nach wie vor sehr. Denn es steckt nicht nur viel geerdete Lebenskraft darin, sondern auch ein ganz und gar unsentimentales Gottvertrauen: Gott wird das Seine dazu tun, es zum Guten wenden, wenn wir nur unseren Teil in der uns geschenkten Zeit vollbringen. Im Kleinen – der Familie, dem Garten, der Ehe – ebenso wie im Großen. Widerstand und Ergebung – auch hier gehen sie Hand in Hand.

 

Und noch etwas lehrten mich die Besuche bei meinen Großeltern: die Zeit als Geschenk zu begreifen, das man nicht ungenutzt verstreichen lassen darf, sondern welches man dankbar annimmt. Entsprechend blieb mir oft mein Klagen über einen vollen Terminkalender, über den gefühlten Zeitmangel im Hals stecken, sobald ich die Türschwelle zu meinen Großeltern überschritt. Beschämt darüber, dass ich offensichtlich noch nicht begriffen hatte, wie man sich der Zeit angemessen und stets mit einer Prise Humor widersetzt, wie man ihr Sinn und durch alle Irrungen und Wirrungen hindurch Leben abtrotzt.

Und so möchte ich – ganz Niederrheiner wie meine Großeltern – Ihnen mit ein paar Zeilen des niederrheinischen Dichters und Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch einen zeitsatten Advent und ein frohes Weihnachtsfest im Horizont der uns geschenkten Zeit wünschen:

 

Ich bin vergnügt erlöst befreit.

Gott nahm in seine Hände meine Zeit,

mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,

mein Triumphieren und Verzagen,

das Elend und die Zärtlichkeit.


Henning Klingen

 

Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl
Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl

Was ist schon endgültig?

 

Wieder einmal sinniere ich in meinem „Seitenschiff“ so vor mich hin: Was ist eigentlich im menschlichen Dasein endgültig? Eigentlich nur der Tod, mit dem jedes Leben auf Erden einmal endet. Daran können auch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, Entdeckungen etc. etwas ändern. Sonst sind dem menschlichen Forschungsdrang keine Grenzen gesetzt. Ohne diesen würde sich unser Leben noch in der Steinzeit abspielen.

Wir sind dankbar für die Entwicklungen im Bereich der Naturwissenschaften, der Medizin, der Technik. Nur die Kirche tut sich – meist aus Machtgründen – bei neuen Sichtweisen immer schwer. Strafmaßnahmen sollen diese ver- oder behindern. Beispiele dafür gibt es genug – vom Mittelalter bis heute. Nur die Methoden änderten sich. Galileo Galilei drohte man noch mit der Inquisition und Hans Küng entzog man die kirchliche Lehrbefugnis.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich aber auch die Kirche für neue Sichtweisen geöffnet. Sie hat begonnen, sich mit den geänderten Lebensumständen der Menschen und deren gesellschaftlichem Umfeld auseinanderzusetzen. Neu zu überdenken erscheinen etwa das Amtsverständnis und die Stellung der Frau in der Kirche. Vieles ist noch immer ungelöst bzw. es zeichnen sich sogar wieder Rückschritte ab. Durch Nachdenk- und Redeverbot wird man aber die notwendigen Änderungen nicht verhindern können. Es ist nur zu hoffen, dass deren Akzeptanz durch die Kirche nicht so lange dauert wie die Rehabilitation von Galileo Galilei. Sie erfolgte 1992 nach fast 400 Jahren.

 

 

Prof. Ingeborg Schödl

 

Themen & Schwerpunkte

Leidenschaftlich leben

Eine schwere Krankheit kann aus der Bahn werfen - sie kann aber auch dazu beitragen, dem Leben neue Orientierung zu geben und es als Geschenk zu verstehen.

Von Andreas Welich

„Ich will mir das heute noch einmal ganz bewusst anschauen. Vielleicht ist es ja das letzte Mal, dass ich hier heraufkomme."

Es ist ein herrlicher Sommertag im August 2007. Ich  befinde ich mich im Abstieg vom Türmljoch, einem Übergang im Nationalpark Hohe Tauern, der einen herrlichen Blick zum gegenüberliegenden Großvenediger schenkt. Schon weit unter der Essener-Rostocker Hütte begegne ich einem alten Mann. Er steht ganz ergriffen da, mit Tränen in den Augen, und schaut zurück ins Bergmassiv und auf den Gletscher des Maurerkees. Wir grüßen uns und ich bleibe stehen. „Schön“, sagt der Mann ergriffen. „Wunderschön.“ Er deutet hinauf zum Gletscher und auf den rauschenden Bach, der sich, gesäumt von sattem Grün und einer überreichen Blütenvielfalt zwischen Felsen, die  in der Abendsonne leuchten, hinunter schlängelt. Ich stimme ihm zu. Er erzählt dann: „Ich will mir das heute noch einmal ganz bewusst anschauen. Vielleicht ist es ja das letzte Mal, dass ich hier heraufkomme. Ich bin ja schon alt. Aber heute genieße ich das noch einmal voll und ganz. Es ist so ein Geschenk, das ich das erleben darf.“ Seine Worte berühren mich. Wir stehen ein paar Minuten gemeinsam da, schweigen, schauen und staunen. Dann verabschiede ich mich und wünsche ihm von Herzen, dass er noch viele weitere schöne Bergwanderungen erleben darf. Er lächelt gütig und meint, damit könne man nicht rechnen. Ich gehe weiter und denke mir: Wenn ich einmal so alt bin, dann werde ich auch hier oben stehen und ganz bewusst da sein, jeden einzelnen Schritt ganz bewusst setzen und wahrnehmen. Und Abschied nehmen.

 

Sehnsucht nach Leben

Es ist März 2008, etwa ein  halbes Jahr später. Ich bin 25 Jahre jung. Ich halte einen Befund in Händen: Ein bösartiger Tumor in meiner Lunge, Metastasen im Oberkörper, ein aggressiv hohes Tumorwachstum, akute Lebensgefahr. Mein Leben ändert sich mit einem Schlag um 180 Grad. Mein neuer Lebensmittelpunkt ist die Krebsstation im Wiener AKH. Rasch ist klar: diesen Sommer werde ich nicht in meine geliebten Berge kommen. Arbeitskolleginnen bestellen bei der Tirol-Werbung Plakate und bringen sie mir ins Spital. Sie hängen fortan neben meinem Bett und ich schaue sie mir stundenlang an. Eines zeigt einen sprudelnden Bach mit einer Brücke. Ich denke wieder an die Begegnung mit dem alten, glücklichen Mann. Vielleicht war es ja mein letztes Mal. Das hätte ich mir nie gedacht. Wie wenig bewusst ich all meine Bergwanderungen, ja mein ganzes bisheriges Leben gestaltet habe – vor dem Hintergrund, dass mein Leben nun sehr bald zu Ende sein könnte.

 

"Ich staune über das, was mir täglich geschenkt wird." (Andreas Welich)

 

Es folgen vier Zyklen Chemotherapie, die mich an die Grenzen meiner Kräfte und in den Rollstuhl bringen. Mehrere lebensgefährliche Komplikationen treten auf. Ich lerne viele Menschen kennen mit derselben Krankheit. Uns alle eint eine große Sehnsucht: LEBEN. Mehrere Bettnachbarn sterben neben mir. Ich erlebe großes Leid. Ich bin berührt von der großen Liebe und Stärkung durch meine Familie und meine Freunde. Ich fühle mich – trotz allem – begleitet und gestärkt von Gott – in allem.

 

Dass ich heute leben darf – gesund und überglücklich, ist ein riesengroßes und unverdientes Geschenk. Ich verdanke es Gott. Ich verdanke es großartigen Ärztinnen und Ärzten und den medizinischen Möglichkeiten in unserem Land. Ich verdanke es der Liebe, dem Gebet und der Unterstützung so vieler Menschen.

 

Leben in Achtsamkeit

Was ist nun anders? Ich versuche ganz gegenwärtig zu leben und achtsam. Diese Gegenwärtigkeit schenkt das Leben in Fülle und kostbare Begegnungen und Momente. Sei es als überglücklicher Ehemann, als Freund, als Weggefährte oder in einer zufälligen,  kurzen einmaligen Begegnung. Sei es beruflich als Führungskraft in der Erzdiözese oder als freiberuflicher Supervisor und Berater. 

 

Ich staune über das, was mir täglich geschenkt wird. Mein Herz strömt über vor Dankbarkeit und Freude über das Wunder des Lebens, das ich in jeder Begegnung, in jeder Erfahrung, in jeder Berührung, in jedem Augenblick erfahren darf. Ich gehe durchs Leben mit den Augen jenes Mannes, jener flüchtigen Begegnung damals am Berg. Ich bin mir bewusst: Nichts ist selbstverständlich, gar nichts. Vielmehr ist alles Geschenk: Jeder Augenblick, jeder Atemzug, jedes Gespräch, jede Berührung, jedes Wort, jeder neue Tag, jeder Sonnenaufgang- und -untergang, jede Blume am Wegrand. Und ich lebe zärtlich – leidenschaftlich dem Leben und seiner Wunder zugeneigt.


Diese Lebenshaltung ist eine bewusste Entscheidung – jeden Tag neu. Dazu braucht es nicht die Erfahrung einer lebensbedrohlichen Erkrankung oder einer anderwärtigen existentiellen Krise. Ich bin beschenkt. Das verbindet mich mit Ihnen, geschätzte Leserin, geschätzter Leser und mit allen Geschöpfen auf dieser Erde. Auf das Leben!

 


 

 

Andreas Welich leitet den Bereich Regionale Arbeit in der Servicestelle der Erzdiözese Wien für Kinder-, Ministranten- und Jugendseelsorge, "Junge Kirche". Darüber hinaus arbeitet er als Supervisor, Coach und Organisationsentwickler.

 

 

 

 

CANISIUSWERK

Zentrum für geistliche Berufe

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