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Mag. Gerhard Simonitti

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Mag. Gerhard Simonitti

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Aus der Diözese Gurk

Unterwegs zur Jugendsynode

Berufung weiter sehen

Beauftragter für Berufungspastoral und Diözesanjugendseelsorger Gerhard Simonitti zu den Vorbereitungen auf die Jugendsynode im Herbst, die Ergebnisse der Vorsynode und die von Jugendlichen formulierten Herausforderungen.

Simonitti: Der ursprüngliche Vorschlag war, eine Synode zu „Jugend und Glaube“ einzuberufen. Papst Franziskus hat das Thema dann gleich erweitert auf „Jugend, Glaube und Berufung“ und den Auftrag mitgegeben, dass er etwas Umfassendes haben möchte. Er möchte nicht, dass nur die Bischöfe über Jugend und deren Glauben diskutieren, er möchte eine große, umfangreiche Vorarbeit unter Einbeziehung vieler Menschen. Es gab dann einen Fragebogen an die Bischofskonferenzen mit 15 Fragen und gleichzeitig einen Online-Fragebogen, an dem sich weltweit 100.000 Jugendliche beteiligt haben.

 

Welche Jugendlichen wurden mit den Fragen erreicht?
Simonitti: Vorgabe war: Es sollen alle Jugendlichen befragt werden, nicht nur die katholischen, nicht nur die christlichen, sondern alle. Mit den Ergebnissen des Fragebogens wurden Ende März im Rahmen einer Vorsynode nochmals Jugendliche beschäftigt. Auch dort waren Jugendliche aus verschiedensten Bereichen dabei, damit nicht der Westen oder bestimmte Länder einen Überhang haben, sondern alle zur Sprache kommen. Auch Vertreter aus dem agnostischen und atheistischen Bereich waren eingeladen. Das entstandene Arbeitspapier, das „instrumentum laboris“, ist ein Auftrag an die Kirche.

 

Wird sich diese Buntheit auch in der Auswahl der Synodenteilnehmer spiegeln?
Simonitti: Die Bischofskonferenzen haben den Auftrag, nicht nur Bischöfe hinzuschicken, sondern eine gleiche Anzahl von Jugendlichen, und es sollten noch mehr Jugendliche dabei sein, mit denen die Bischöfe am Abend nach den Synodensitzungen diskutieren können.

 

Das ist eine wirklich anspruchsvolle und grundlegende Arbeit.

Simonitti: Im Arbeitspapier zeigt sich, dass durch diese große und breite Darstellung nicht nur die Situation von Jugendlichen beleuchtet wird, sondern eigentlich eine ganze Gesellschaftsanalyse vorliegt. Es wird über den Verlust von Erwachsenen gesprochen, Ängste und Befürchtungen kommen zur Sprache und auch eine schonungslose Analyse der gesellschaftlichen Umbrüche und ihrer Zusammenhänge mit der Kirche.

 

Zum Beispiel?
Simonitti: Was für mich sehr spannend ist: dass in vielen Ländern die Mutter die Bezugsperson für Jugendliche ist, der Vater dagegen relativ irrelevant. Das ist auch ein Verlust für die religiöse Wertevermittlung: Wir glauben an Gott, den Vater – wenn der Vater im wirklichen Leben überflüssig ist, nicht präsent, keine Stellung hat, verstehen die Menschen diese Gleichnisse nicht mehr.

Was im Arbeitspapier ist speziell für die Kirche in Österreich relevant?
Simonitti: Die Jugendlichen kritisieren, dass unser Schul- und Bildungssystem keine Bildung mehr leistet, sondern nur noch Informationsweitergabe. Es geht offensichtlich nicht mehr darum, die Talente von Jugendlichen zu entdecken und zu fördern, um sie entscheidungsfähig zu machen, sondern man gibt ihnen Informationen, damit sie funktionieren.

Pfarren müssen Jugendlichen und allen, die etwas tun wollen, einen Platz geben, an dem sie sich entfalten können.

Welche Handlungserwartung an die Kirche verbirgt sich im Dokument? Erwarten Jugendliche überhaupt etwas von der Kirche?
Simonitti: Sie erwarten sich sehr viel. Sie erwarten sich von der Kirche eine Unterstützung im Finden ihres Platzes im Leben. Sie erwarten auch, dass die Kirche das christliche Menschenbild fördert. Aber: „Kirche“ heißt damit nicht „Pfarrer, Bischof, Papst“, sondern die Pfarrgemeinde. Wenn die konkreten Menschen, die als Kirche wahrgenommen werden, Jugendliche wertschätzen, sind diese bereit, sich sehr zu engagieren.

 

Das relativiert die Bedeutung der Amtsträger und nimmt die „normalen“ Christen in die Pflicht.
Simonitti: Darin sehe ich die Sprengkraft: Die Jugendlichen schauen nicht mehr so gebannt auf die Amtskirche, die handeln soll. Jetzt ist die Kirche mit allen ihren Gliedern gefordert.

 

Wirft das nicht zurück auf das eingangs Gesagte: Der Titel der Synode wurde um das Wort „Berufung“ erweitert?

Simonitti: Jeder hat seinen Platz in der Gesellschaft, jeder hat seine Berufung. Spannend ist: Das mit der Berufung hat Papst Franziskus eingefordert, und im deutschsprachigen Bereich wurde das Wort „Berufung“ zuerst gleichgesetzt mit Priester- und Ordensberufungen. Dann wurde es mit „Berufungsunterscheidung“ übersetzt. Jetzt steht drinnen „Berufungsfindung“. Offensichtlich ist das lateinische „vocatio“ nicht eins zu eins in Deutsche zu übersetzen. Für die Italiener z. B. ist es offensichtlich kein Problem, sie sehen „Berufung“ viel weiter.

 

Der Glaube hat wieder einen Weg ins Leben gefunden. Wird Kirche wieder als etwas empfunden, das mit gelungenem Leben zu tun hat?
Simonitti: Stark ist für mich, dass die Kirche nicht Fachleute holt und mit ihnen über Jugendliche diskutiert, sondern sich wirklich in die Lebenswelten der Jugendlichen hineinbegibt. Das ist neu und mutig, bringt aber auch Nachbeben mit sich. Zum Beispiel: Erwachsenwerden ist im westlichen Bereich nicht mehr etwas, das linear verläuft, sondern eher zwei Schritte vor, einen zurück. Es gibt auch kein Ziel – weil die Erwachsenen als Vorbilder abgehen. Das heißt: Wir haben in den letzten 40 Jahren versäumt, ein Profil eines erwachsenen Menschen zu erarbeiten und umzusetzen, deshalb sind heute Jugendliche orientierungslos, mit all den Problemen, die sie dann aufzählen, von Antriebslosigkeit und Mutlosigkeit bis hin zu Drogen.

 

Was ist Ihnen besonders wichtig?
Simonitti: Weshalb soll sich Kirche um Jugendliche kümmern? Nicht, damit die Kirchenbänke wieder voll werden und es weitergehen kann wie bisher. Dabei ginge es nämlich nicht um die Menschen, sondern um die leeren Kirchenbänke. Das persönliche Interesse Gottes an jedem Menschen zeigt sich daran nicht. Für mich ist es sehr wichtig, dass dieses Prinzip, das der Papst in der Jugendsynode anwendet, auch in den Pfarren ankommt: Nicht nur schauen, welche Strukturen passen und was alles funktionieren muss, vom Pfarrfest bis zum Sternsingen. Sondern: dass Jugendlichen und allen, die etwas tun wollen, ein Platz geben wird, an dem sie sich entfalten können. Es fehlt ja nicht nur bei der Jugend, bei der Senioren- oder Familienpastoral ist es ganz ähnlich. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, als der Herr noch in der letzten Stunde Arbeiter anheuert, wird oft so ausgelegt: Es wird wohl jeder genug bekommen. Aber hören wir genau, was der Gutsherr in der elften Stunde sagt: Was steht ihr den ganzen Tag nur herum? Und die Antwort müsste der Kirche als Ganzes die Schamesröte ins Gesicht treiben: Niemand hat uns angeworben.

Interview: Georg Haab für den Kärntner Sonntag

 

Zur Person

Pfarrer Mag. Gerhard Simonitti, geb. 1971 in Feldkirchen, nach Theologiestudium und Priesterweihe 1996 Kaplan in Viktring und Völkermarkt, dann Provisor in Radenthein. Seit 2010 Diözesanjugendseelsorger, seit 2012 Verantwortlicher für Berufungspastoral in der Diözese, 2016 bis 2017 Bundesjugendseelsorger und seit 2017 Pfarrer von St. Egid und St. Martin in Klagenfurt.

 

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