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Gott schreibt auf krummen Linien gerade

Früher: Alkohol, Drogen, Obdachlosigkeit. Eine außergewöhnliche Berufungsgeschichte.

 

Mein Name ist Christian P.* (Name der Redaktion bekannt), ich bin 32 Jahre alt und studiere seit diesem Jahr Theologie an der Uni Wien. Ich blicke auf ein unruhiges Leben zurück, welches ich nur dank meiner Bekehrung „überlebt“ habe. Viele meiner Freunde, die sich auf einem ähnlichen Weg befanden, starben leider an den Umständen, die diese exzessive Lebensweise mit sich brachte.

 

Im Zentrum: „Fortgehen“ und Alkohol

Als Jugendlicher trank ich viel. Schon mit 14 fing ich zu rauchen an. Die Schule habe ich abgebrochen. Um mir Alkohol und Zigaretten finanzieren zu können, ging ich arbeiten. Im Zentrum meines Lebens standen das „Fortgehen“ und der damit verbundene Alkoholkonsum. Doch dabei blieb es nicht. Ich wurde innerlich immer leerer. Mit Suchtmitteln versuchte ich, diese Unzufriedenheit in mir ruhigzustellen.

 

Nach einer missglückten Beziehung, in der ich tief enttäuscht wurde, erfolgte der totale Absturz, es ging richtig bergab. Mein gesamtes Erspartes gab ich für Drogen und Suchtgift aus. Meine Eltern konnten die Probleme, die ich ihnen damit machte, immer weniger mittragen. Ich verlor nach und nach alles und stand irgendwann auf der Straße – Endstation Karlsplatz, obdachlos.

 

Die Unrast verschwand

Mein Egoismus hatte mich in diese Situation gebracht. Nach mehreren Jahren des Dahinvegetierens legte ich mich an einem regnerischen Tag auf eine Parkbank, um auszuruhen. Ich war nicht auf Drogen, hatte Schmerzen. Dann geschah etwas Seltsames, ein Akt der Demut überkam mich: Ich lag im Regen – und begann zu beten: „Herr, eigentlich hab ich das alles verdient. Ich hab auch dementsprechend schlecht gelebt, um das jetzt erfahren zu müssen.“ In diesem Moment wich die Unrast von mir, die mein Leben bestimmt hat. Ich durfte für kurze Zeit einen tiefen Frieden erfahren – einen Moment des Glücks am Abgrund meiner Existenz. Von da an wusste ich, dass Gott existiert. 

 

Ab diesem Zeitpunkt bemerkte ich Gottes Wirken in meinem Leben – ich war offen für einen neuen Weg. Einige Wochen später kamen mir meine Eltern plötzlich auf der Straße entgegen. Ich war zerlumpt, und sie suchten mich in der Gosse. Sie hatten einen Rucksack mit Essen und Kleidern dabei. Mir wurde klar – das Leben hielt noch mehr für mich bereit, es ging auch anders. So kehrte ich heim und startete eigeninitiativ meinen Drogenentzug.

 

Mit Wallfahrten aus der Sinnlosigkeit

Nach einem Jahr war ich drogenfrei, stand ohne Freunde da und drohte erneut, in die Sinnlosigkeit zurückzufallen. In dieser Zeit kam ich nach Lourdes. Dort durfte ich wieder etwas von dem Geheimnis erahnen, das mich in meinem Elend damals erfasst hatte. Der Aufenthalt in Lourdes schenkte mir Zuversicht. Es waren die friedliche Atmosphäre und die vielen betenden Menschen, die mein Interesse für die Kirche weckten. Auf dieser Wallfahrt lernte ich zwei Priester kennen, die mich von da an begleiteten.

 

Mit einem der beiden fuhr ich die kommenden Jahre immer wieder nach Medjugorje. Ob dort tatsächlich Maria zu finden ist, weiß ich nicht – aber die Pilgererfahrung, das Beten des Rosenkranzes, das alles gab mir Kraft. Schließlich begann ich auch zu Hause zu beten. Der Rosenkranz wurde zum Mittelpunkt meines Lebens. Ich bete ihn noch heute jeden Tag, weil er mein Leben bereichert hat. Durch die Beichte, das Sakrament der Versöhnung, wurde meine Seele wieder heil, und ich fand Zugang zur Kirche. Auch meine Eltern begannen, mit mir gemeinsam zu beten, und die Atmosphäre zu Hause veränderte sich.

 

Erfüllung im Priesterseminar

Ich fand neue Ziele und ging wieder zur Schule. Zuerst schloss ich meine Lehre ab, dann ging ich auf die Abendschule, um die Matura nachzuholen. Immer stärker fühlte ich den Drang, Priester zu werden. Den Ausschlag gab schließlich eine Predigt: Der Pfarrer sprach über die Notwendigkeit des Priesterberufes, und ich fühlte mich angesprochen. Immerhin war ich ledig und wollte mein Leben ganz Gott widmen.

 

Der weitere Weg war allerdings steinig, aber auch voll erfüllender Erfahrungen, wie etwa meine Reifeprüfung. Das vergangene Jahr verbrachte ich im Propädeutikum in Horn, wo uns unsere Ausbildner auf Herz und Nieren prüften. Aber auch wir selbst sollen uns in den kommenden Jahren prüfen, ehrlich zu uns selbst in der Berufungsfrage sein und uns dahingehend weiterentwickeln, um den Menschen gerecht zu werden, mit denen wir schließlich einmal Gottesdienst feiern werden.

 

Das Seminarleben erfüllt mich, und die Gemeinschaft ist eine Bereicherung, auch wenn sie oft sehr herausfordern kann. Man reibt sich schon an den eigenen und auch an den Kanten der anderen – aber das darf so sein. Seit einem Semester studiere ich nun an der Universität Wien Theologie und bin Seminarist der Diözese Eisenstadt.

 

Christian P.

* Anmerkung: Name der Redaktion bekannt

 

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