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Spiritualität

Das Leben braucht mich

Was gibt Sinn: Ein Interview für "miteinander"

Warum das Leben unter allen Umständen sinnvoll ist: Ein Gespräch mit Alexander Batthyány über die Sinnhaftigkeit des Lebens.

 Viktor Frankl

Wie muss ein Mensch leben, damit er am Ende seines Lebens sagen kann: Ja, mein Leben hatte Sinn?

Bei seiner Sinnantwort geht es weniger darum, einmal im Leben einen Sinn zu finden, der eine gesamte Lebensspanne umfasst. Es geht vielmehr um eine Lebenshaltung und die Bereitschaft, sich vom Leben ansprechen zu lassen – im Kleinen wie im Großen. So ein Mensch kann wahrnehmen, wo das Leben gerade ihn braucht; und wenn er dafür wach und ansprechbar bleibt, weiß er auch: Es ist gut, dass ich da bin. Dieses Grundwissen trägt im Leben und macht auch am Ende den Abschied friedvoller: zu wissen, dass es gut ist, dass ich da war. Denn dann weiß ich auch, dass mein Leben nicht einfach aufgebraucht wurde, sondern bildlich gesprochen wie bei einer Kerze aus dem Wachs (Leben) ein Leuchten wurde.


Viktor Frankl dreht die Frage nach dem Sinn ja um. Nicht mehr „Was kann das Leben mir geben?“, sondern „Was kann ich dem Leben geben?“ Was bedeutet das?
Das Leben bietet viele Sinnmöglichkeiten, aber diese Sinnmöglichkeiten wollen ergriffen werden, sonst bleiben sie immer bloß Möglichkeiten, die wir schlimmstenfalls ungenutzt mit ins Grab nehmen – eben das Wachs, das nie zum Leuchten wurde. Nehmen wir zum Beispiel Musikalität. Sie ist ein Geschenk, das manchen Menschen in die Wiege gelegt wurde. Aber: Musikalität selber tut gar nichts, sie spielt nicht Klavier, sie komponiert nicht. Man selbst muss mit der Musikalität etwas machen. Leben passiert uns nicht einfach so, sondern wir leben es. Alles, was nicht ohne uns geworden wäre, gibt Zeugnis von uns ab – ist unsere Antwort auf die Frage, was wir dem Leben zu geben bereit sind.


Viktor Frankl sagt: Das Leben hat unter allen Umständen Sinn. Wie kann das angesichts von großem Leiden und Schicksalsschlägen gelten?
Die Erfahrung zeigt: Menschen, die selbst von Leid betroffen sind, stimmen dem viel bereitwilliger zu als die, die darüber nachdenken, wie es wohl sein wird, wenn sie einmal selbst leiden. Denn der leidende Mensch sieht, was der nichtleidende Mensch nicht sieht: Dass nie alles in ein großes Dunkel eingetaucht wird, dass auch noch im Dunkel viel mehr an Würde, an Sinn, an Liebe, Wärme, usw. aufscheinen kann, als man von außen je erahnen würde. Es bleibt das Leid als Grunderfahrung, aber die Frage der Sinnlosigkeit ist immer noch verhandelbar; das ist nicht ausgemacht. Der, dem es ganz gut geht, ist hingegen nicht selten von der Angst, einmal leiden zu müssen, gelähmt und daher auch nur selten bereit, über den Tellerrand seines momentanen Glücks hinauszuschauen. Das ist zwar verständlich – aber realistisch ist es natürlich nicht. Es wäre wohl klüger, sich bereit zu machen – denn Leiden wird uns allen einmal begegnen, und sei es nur in der Angst davor, dass wir einmal vom Leiden heimgesucht werden. Man kann mit der Haltung durchs Leben gehen: „Hoffentlich passiert mir nie etwas Schlimmes und nie eine Krankheit, etc.“ – das ist die Stimme der Angst, die mit freiem Glück ohnehin nicht wirklich vereinbar ist. Oder wir gehen mit einem gewissen Urvertrauen durch das Leben und sagen uns: „Komme, was wolle; ich kann würdig Mensch bleiben bis zuletzt, weil ich ein gewisses Sinnvertrauen habe“ – das ist nicht mehr die Stimme der Angst, sondern des Realisten. Er ist geborgen genug, um sein Glück voll zu erleben und stark genug, um mit den dunklen Seiten des Lebens besser umzugehen.


Die Logotherapie betont, dass jedem Leiden ein Grund zur Dankbarkeit innewohnt. Wie ist das zu verstehen, ohne das Leiden selbst zu beschönigen?
Leiden heißt Verlust: von Gesundheit, Freiheit, von geliebten Menschen, und somit ist Leiden immer auch Trauer um etwas, das wir vielleicht wie selbstverständlich hingenommen haben. Wenn ich daher etwas betrauere, ist das Ausdruck meines Leidens am Verlust von etwas Wertvollem, von etwas, das zuvor als Geschenk in mein Leben getreten ist. Das Wissen um das Geschenk des Gewesenen birgt damit auch einen unerwarteten Keim des Trosts in sich: Es sagt uns, daß die Trauer mehr ist als nur ein unangenehmes Gefühl oder eine Laune, die man betäuben könnte oder sollte; vielmehr lebt in ihr die Liebe weiter. Womöglich sagt sie dem Verabschiedeten etwas, was wir selbst ihm zu sagen verabsäumt haben: „Danke, daß Du in meinem Leben gewesen bist. Ich halte Dir einen Ort in meinem Herzen frei, denn in meiner Trauer um Dich lebt meine Wertschätzung weiter. Sie bewahrt Dich auf.“ Es ist nie zu spät, das zu sagen.


Viktor Frankl hat für unsere Zeit ein Gefühl der Sinnlosigkeit diagnostiziert. Ist den Menschen heute – in einer konsumorientierten, materialistischen Welt – der Sinn abhanden gekommen?
Ich habe den Eindruck, dass das Bewusstsein des Sinnbedürfnisses stärker ist denn je. Dass diese Sinnsuche oftmals frustriert bleibt, ist eine andere Sache und mag vielleicht damit zu tun haben, dass es in einer gewissen Konsumhaltung verunmöglicht wird, sich selbst zum Guten aufzufordern. Was zugleich auffällt: Wir haben heute unglaublich viele Möglichkeiten; mehr, als vermutlich jede andere Generation vor uns. Vielleicht kommt damit ein gewisses Gefühl der Unverbindlichkeit auf: also ein hohes Maß an Freiheit, bei dem das Bewusstsein der Verantwortung ein bisschen hinten nachhinkt. Ich würde also sagen: Der Sinn ist dem Menschen nicht abhanden gekommen, aber eine konsumistische Daseinshaltung birgt die Gefahr, passiver zu sein, als es für den Menschen und die Welt gut wäre. Dabei sind wir ja ständig Befragte. Der Mensch ist von seinem ganzen körperlichen, seelischen und geistigen Aufbau her, also von seinem gesamten Wesen her, nicht als bloßer Konsument, sondern als Mitgestalter des Lebens gedacht.


Inwieweit haben gesellschaftliche und soziale Rahmenbedingungen (Wirtschaftskrise, Terrorismusbedrohung, Wertewandel) mit der Sinnfrage zu tun?
Soziale Umstände beeinflussen den Menschen zwar, aber sie machen ihn nicht. Als Viktor Frankl in den 1930er Jahren Jugendberater in Wien war, gab es eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, die mit Depressivität und Trunksucht einherging. Was tun? Frankl dachte sich: Da, wo das Unabänderliche endet, fängt die Freiheit des Menschen an. Als Berater oder Psychotherapeut konnte er die sozialen Umstände nicht unmittelbar ändern; aber: die Nutzung der ungewollten Freizeit als Arbeitsloser, die war verhandelbar. Die Jugendlichen haben angefangen, ihre ungewollte Freizeit zu nutzen: der eine hat Englisch gelernt, ein anderer in der Suppenküche ausgeholfen, wieder ein anderer die Gräber vom jüdischen Friedhof gepflegt, usw. Diese jungen Arbeitslosen waren nach wie vor hungrig, hatten nach wie vor wirtschaftliche Not, aber die existentielle Last der Gleichung: ‚Arbeitslos sein heißt nutzlos sein und ein sinnloses Leben führen‘ war von ihren Schultern genommen. Sie blühten wieder auf, sie nahmen wieder am Leben teil, interessierten sich, engagierten sich … Wir sehen: Es gibt immer kleine oder große Freiräume, in denen die Rahmenbedingungen eben nicht mehr sind als der Rahmen, innerhalb dessen jeder sein Bild gestalten kann – mal größer, mal kleiner, aber immer als Ausdruck der einmaligen und einzigartigen Person.  


Wie kann in Zeiten der Not Sinn erfahren werden?
Sinnmöglichkeiten sind überall da. Gerade in der Zeit der Not gibt es zum Beispiel die Möglichkeit zusammen zu halten, füreinander da zu sein. Was hindert einen denn daran, in Zeiten der Not zusammenzurücken, sich gegenseitig auszuhelfen und zu teilen? Ich will Not nicht beschönigen, aber sie ist oft auch eine Chance, das Beste im Menschen hervorzubringen. Und es gibt geistige Wertgegenstände, die wir immer teilen können: Zuneigung, Achtung, ein freundliches Wort, Trost, Zuspruch, Ermutigung. Das geht mit oder ohne Geld und ist unter allen Umständen denkbar.


Fällt es religiösen Menschen leichter, ihr Leben als sinnvoll zu erfahren?
Ja, das ist sicher so. Die Sinnbegriffe der Logotherapie und von Religion sind aber verschieden. Die Logotherapie beschäftigt sich primär mit dem Sinn im Augenblick für jeden einzelnen Menschen. In der Religion dagegen ist der Sinn universell und absolut. Von ihrem psychologischen Grundverständnis anerkennt die Logotherapie aber das religiöse Grundbestreben des Menschen als Ausdruck seines Menschseins und als seine natürliche Bezogenheit zur Transzendenz.


Das Interview führte Sandra Lobnig.

 

Zur Person: Univ.-Prof. Dr. Alexander Batthyany ist Inhaber des Viktor-Frankl-Lehrstuhl an der Internationalen Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein und wissenschaftlicher Leiter des Viktor Frankl Instituts Wien.

 

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im "miteinander" 9/2015

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dass Du zu Dir kommst,

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für die Signale Deines Körpers,

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die Quellen Deines Geistes,

mein Dasein

in Deinem kostbaren Leben. 

 Johannes Lieder 
Johannes Lieder, Auf Schatzsuche © Echter Verlag, Würzburg 2012, S. 24.

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