Sonntag 24. September 2017
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Krisenmanager und Lebenscoach

Religionslehrerausbildung im Umbruch

Religionspädagogin Herta Tiefengrabner liebt ihren Beruf. Der Wandel der Präsenz von Religion hat Auswirkungen auf den Religionsunterricht. „miteinander“-Einblicke

Religionspädagogin Herta Tiefengrabner (Mitte)
Religionspädagogin Herta Tiefengrabner (3.v.r.)
In Kindern die Freude am Glauben entzünden: Dieses Ziel verfolgt Religionslehrerin Herta Tiefengrabner seit 25 Jahren. Bis heute liebt sie ihren Beruf und ihre verantwortungsvolle Aufgabe: „Wir Religionslehrerinnen und Religionslehrer dürfen mit Kindern essenzielle Fragen stellen“. Doch mit dem gesellschaftlichen Wandel hat sich auch die Präsenz der Religion in der Öffentlichkeit verändert – eine Entwicklung, die für den Religionsunterricht nicht folgenlos bleibt: „Heute haben viele Kinder in ihrem Alltag kaum noch Bezug zum religiösen Leben, aber sie sind offen für den Glauben“, so Tiefengrabner.

 

Den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen soll nun auch in der Ausbildung der Religionslehrerinnen und Religionslehrer Rechnung getragen werden: Eine neue Ausbildung soll aktuelle Entwicklungen angemessener berücksichtigen und vor allem stärker auf die vielfältigen Lebensverhältnisse eingehen. Das betont Wolfgang Weirer von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz. Als Religionspädagoge gehört es zu seiner Aufgabe, sich in der Weiterentwicklung der Religionslehrerausbildung einzubringen.

 

Religionslehrer-Profil schärfen 

Weirer beschreibt die Situation der Religionslehrer in den Schulen als „nicht leicht“. Religionslehrer seien Experten für ihr Fach, in der Schule würden sie allerdings oft als „Störfaktor“ angesehen, weil sich die Organisation des Religionsunterrichts als kompliziert darstellt: „Was aber nicht in der Weise gesagt wird: Die Religionslehrer sind in der Schule unverzichtbar.“ Oft etablieren sich Religionslehrer in ihren Schulen nämlich als „Krisenmanager“ und „Experten in der Schulentwicklung“, so Weirer. Außerdem seien sie für Rituale und Feiern während des Schuljahres zuständig und gestalten dadurch Schulkultur mit.

 

In der aktuellen Situation gelte es, das Profil des Religionslehrers weiter zu schärfen und ihm durch eine weiterentwickelte Ausbildung das Handwerkszeug für seinen Alltag mitzugeben, sagt Weirer. In der neuen Religionslehrerausbildung rückt die allgemeine Volksschulausbildung beispielsweise näher mit der fachspezifischen Religionslehrerausbildung zusammen. Das Fach Religion soll in Zukunft als Zusatzqualifikation zu erwerben sein. Die Einbettung der Religionslehrerausbildung in ein Gesamtkonzept bezeichnet Weirer als „sinnvoll“.

 

Auch Herta Tiefengrabner sieht diese Neuerung aus ihrer Praxis als Religionslehrerin als Vorteil: „Bis jetzt unterrichten viele Kolleginnen und Kollegen in bis zu fünf Schulen, um auf eine volle Lehrverpflichtung gekommen. Durch die gesamtkonzeptuelle Neuordnung könnte sich das in Zukunft ändern.“ Unsicher ist Tiefengrabner, ob sich der Religionslehrer und die Religionslehrerin dadurch weiterhin so entfalten kann wie bisher: „Eine besonders schöne Seite am Religionsunterricht ist, dass die vielfältigsten Begabungen der Kinder zum Vorschein kommen dürfen.“ Dieser Aspekt könnte aus ihrer Sicht mit der neuen Ausbildung weniger zum Tragen kommen, „wenn die Klassenlehrerinnen und -lehrer auch in der eigenen Klasse Religion unterrichten“.

 

Fachwissen und Vermittlung

Zu den Neuerungen in der universitären Religionslehrerausbildung zählt außerdem eine stärkere Verflechtung von Wissenschaft, Pädagogik und Fachdidaktik. Studierende sollen von Beginn an praktische Erfahrungen in Schulen sammeln und Wissenschaft und pädagogische Vermittlung zusammendenken. Exegetisches Fachwissen müsse beispielsweise immer einhergehen mit seiner schulischen Anwendung und Vermittlung, so Weirer. Dies sei das Geheimnis zukunftsfähiger Religionslehrerausbildung im 21. Jahrhundert.

 

Für Herta Tiefengrabner geht es im Religionsunterricht nicht um reine Wissensvermittlung, wie sie sagt: „Wir versuchen den Glauben an Gott zur Sprache zur bringen und erlebbar zu machen.“ Voraussetzung dafür ist aus ihrer Sicht die Spiritualität der Religionslehrer selbst, eine neue Ausbildung müsse das berücksichtigen: „Ich muss wissen, aus welcher Quelle ich persönlich Kraft schöpfe. Ich kann nur in anderen entzünden, was schon in mir selbst brennt.“

 

Religionslehrer seien schließlich gefordert wie selten zuvor: Ein gesellschaftliches Sinn-Vakuum sei spürbar – und zwar bereits bei jungen Menschen –, welches den Religionslehrer nicht nur fachlich, sondern mit seiner ganzen religiösen Existenz, seinem persönlichen Glaubenszeugnis herausfordert. Wo Angst und religiöse Sprachlosigkeit herrschen, da könne der Religionsunterricht einen Kontrapunkt setzen, ist Tiefengrabner überzeugt. Religionslehrer seien schließlich Lehrer im umfassendsten Sinn: von Krisenmanagern bis zum Lebenscoach.

Markus Andorf

für „miteinander“

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