Dienstag 16. Januar 2018
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Porträts | Zeugnisse

Einsatz in der „Stadt der Grenze“

Max Wieländers Volontariat in Tijuana

Die Oratorien der Salesianer bieten Schule, Freizeitprogramm, Katechese, Messen und natürlich eine Fußballliga.

 

  

 

„Gooooool, Golaso, Golaso!“, tönte es jeden Sonntag mit immer neuer Begeisterung über den sandigen Fußballplatz des „Oratorio Domingo Savio“. Obwohl mein Volontariat dort schon beinahe ein Jahr zurückliegt, glaube ich manchmal, die anfeuernden Rufe, den Jubel, die Aufregung, kurz: die pure Lebensfreude – gelebt zwischen zwei windschiefen Eisentoren – immer noch hören zu können.

 

„Gepackt“ 

Die Entscheidung, meinen Zivildienst als Volontär in Tijuana (Mexiko) zu verbringen, kam plötzlich: Bei einem Infotag des Vereins „Jugend Eine Welt“ hat mich die Begeisterung „gepackt“, als ein ehemaliger Volontär von seinem Jahr in Mexiko berichtete. Die Idee, ein Jahr mit den Salesianern Don Boscos mitzuleben und im dortigen Projekt mitzuarbeiten, war für mich vor allem eines: eine unglaublich spannende Chance, Pflicht und Berufung zu vereinen. Nach einem halben Jahr Vorbereitung und Coaching von „Jugend Eine Welt“ fand ich mich auch schon im Flieger wieder, mit einem Herzen voller Hoffnungen und einem Kopf voller Zweifel.

 

„Die andere Seite“ 

Tijuana in der kalifornischen Wüste ist eine Millionenstadt, die es erst seit 30 Jahren wirklich gibt. Ihre Existenzberechtigung verdankt sie einem einzigen, bedrohlichen Faktor: der nahegelegenen Grenze zu den USA, dem „otro lado“ (= „die andere Seite“), wie die Mexikaner zu sagen pflegen. Die Grenze ist der Grund, warum sich in den letzten Jahren Millionen von Menschen – auf der Suche nach Arbeit und neuen Chancen – in den unwirtlichen Hügeln der Stadt angesiedelt haben.

 

Oasen 

Die Oratorien der Salesianer bilden in den Randbezirken Tijuanas so etwas wie „Oasen“ für die Kinder und Jugendlichen, die oft in einem Umfeld aufwachsen, in dem soziale Werte und Lebensperspektiven Mangelware sind. Das „Oratorio Domingo Savio“, mein damaliger Arbeitsplatz, bietet genau diesen Kindern neben Schule, Freizeitprogramm, Katechismus, Messen und natürlich der Fußballliga vor allem einen Platz, an dem sie aufblühen können, an dem sie akzeptiert und gehört werden. So war genau dies, ihnen einen solchen Platz zu ermöglichen, meine Hauptaufgabe: ob dies nun mein Englisch-Unterricht für die Schulkinder war, die Organisation der großen Ferienkurse oder einfach nur die Assistenz im Hof und auf den Spielplätzen. Diese Arbeit verlangte vor allem eins: unermüdlichen Einsatz und Hingabe von der morgendlichen Laudes bis zu dem nächtlichen Abendgebet in der „Comunidad“, dem Ordenshaus, in dem die „Padres“ und wir Volontäre und Volontärinnen in Gemeinschaft lebten.

 

Die kleinen Momente waren es schließlich, die mich neu motivierten, wenn die Kräfte nicht mehr da waren, und die den Sinn der Arbeit wieder klar zutage treten ließen. Wenn jeden Sonntag der Fußballplatz vor Begeisterung bebt, wenn Jugendgangs, die sich vor fünf Jahren noch bekämpft haben, miteinander in der Liga spielen, wenn Kinder aus schwierigsten Verhältnissen mit Freude beginnen, Englisch zu lernen, wenn Pater Manuel die „Misas de la calle“ (= die Straßenmessen) bei den ärmsten Familien feiert und der Vater in Tränen der Freude ausbricht, weil er es nie für möglich gehalten hätte, dass ein Priester sein Haus betritt, ja, dann ist spürbar, dass die harte Arbeit Früchte trägt, dass wir die Welt nur verändern können, indem wir auf die Menschen zugehen und mit ihnen Zeit verbringen. Dass schlussendlich jede gute Tat etwas zum Besseren verändert.

 

Die Augen geöffnet 

„Das Oratorium ist eine Lebenserfahrung, die wir in uns tragen und die uns von innen verändert“, sagte P. Manuel einmal zu den Kindern. „Auch wenn ihr euch einmal in schwierigen Situationen wiederfinden werdet, dann wisst ihr, dass ihr hier Gottes Liebe erfahren habt. Davon könnt ihr zehren. Das kann euch niemand mehr wegnehmen.“ Diese Aussage hat mich nicht mehr losgelassen. Sie spiegelt wider, was ich in meinem Jahr als Volontär in Mexiko erfahren habe und was sich in mir verändert hat. Dieses Jahr hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet: Ich habe einen neuen Blick darauf bekommen, was Kirche sein kann, wenn sie von Menschen gelebt wird, deren Glaube nicht eine Tradition oder eine Meinung, sondern ein Handeln ist. Ich habe gelernt, dass Armut einem nicht das Recht nimmt, glücklich zu sein, und die „Alegria“, die unbedingte Lebensfreude, etwas ist, das wir von den Menschen dort lernen können, auf dem Fußballplatz oder abseits davon.

Maximilian Wieländer

 

Zur Person: Maximilian Wieländer studierte nach seiner Rückkehr Mathematik und Physik in Wien.

 

 

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