Ich lasse dich nicht los, bevor du mich nicht segnest. (Gen 32,27)

Manches im Leben fällt einem zu.

Ich saß eines Abends mit einem Kollegen im Priesterseminar. Sein Erstlingswerk als Maler hing über ihm: der Jakobskampf. Mir schoss es ein: "Das könnte es sein - dein Primizbild." Johannes Rauchenberger studierte dann auch noch Kunstwissenschaft und ist mittlerweile Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten in Graz. Sein Bild ist mir geblieben. -
Einer meiner Professoren hat mir zu meiner Priesterweihe dann in Anlehnung an das biblische Wort "Ich lasse dich nicht los, bevor du mich nicht segnest" etwa so geschrieben: "Ich wünsche, dass aus dem Ringen mit Gott immer neu Segen erwachse."
Diesen Segen habe ich während der nunmehr 20 Jahre - zum Priester wurde ich am 1.7.1990 geweiht - oft und oft erfahren. Oft durch Begegnungen mit Menschen, zu denen ich in den verschiedensten Aufgaben in unserer Diözese gesendet war; oft aber auch durch das Miteinander unter uns Priestern in der Fokolar-Bewegung; oft auch im gemeinsamen Nachdenken - "Ringen" - um die Frage, wie denn heute Kirche zu leben ist, damit sie immer deutlicher Zeugnis vom Auferstandenen als in ihrer Mitte Lebendigem gibt.
Diese Mitte gibt mir auch jetzt im Bischöflichen Seminar Halt und Orientierung. Er lebt.
Und wir sind gerufen, Ihn zu bezeugen - im gemeinsamen Leben, das eben auch "Ringen" heißt.

Wilhelm Krautwaschl, Diözese Graz-Seckau

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