Freitag 19. Januar 2018
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Geistliche Begleitung

Eine Begleitung achtsam beginnen

"Aller Anfang ist schwer"

Über Arbeitsbündnis, Arbeitsvertrag, Gottesbeziehung und Selbsterkenntnis. Von P. Christian M. Rutishauser SJ.

 

Dem volkstümlichen Sprichwort „Aller Anfang ist schwer“ steht die Beobachtung von Hermann Hesse entgegen: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Das Sprichwort von der Schwierigkeit trifft für viele Menschen zu, die eine geistliche Begleitung suchen. Wenn sie eine passende Begleiterin oder einen Begleiter jedoch gefunden haben, machen sie in den ersten Monaten oft die Erfahrung des Zaubers. Endlich wird der Raum eröffnet, wo die tiefste Sehnsucht des Menschen sich entfalten kann! Die Begleitung beginnt also dort, wo jemand mit dem Wunsch vor Gott zu wachsen und die Beziehung mit ihm zu vertiefen eine erfahrene Begleitperson gefunden hat, der er sich anvertrauen kann. So unterscheidet sich der Beginn einer geistlichen Begleitung von der Suche nach einem einmaligen geistlichen Rat in einer bestimmten Frage. Sie unterscheidet sich auch von der religiösen Hilfe, die jemand in einer Krankheit oder Krise sucht. Dazu braucht es oft nicht mehr und nicht weniger als ein oder mehrere Seelsorgegespräche. Die Sehnsucht, ganz persönlich Abbild Gottes zu werden, wie es das Anliegen des spirituellen Weges ist, unterscheidet sich auch von theologischen Fragen, die jemand beantwortet zu haben braucht. Dazu kann ein Glaubensbuch gelesen oder eine geschulte Person um Auskunft und Antwort gefragt werden. Wenn auch all diese Bereiche in eine geistliche Begleitung hineinspielen, so ist im Zentrum doch allein die Sehnsucht, sich als Person in der Nachfolge Jesu formen und bilden zu lassen. Wie bewusst oder unbewusst dieses innere Suchen nach Gott zu Beginn auch ist, wie und ob es verbalisiert werden kann, ist nicht entscheidend. Vielmehr hat es sich im Verlauf der Begleitung immer klarer zu zeigen. Die Motivationsreinigung auf dem Weg wird auf dieses grundlegende menschliche Begehren hinsteuern, denn die Freude Gottes ist der lebendige Mensch und die tiefste Freude des Menschen das Leben mit Gott, um Irenäus von Lyon zu paraphrasieren.

 

Arbeitsbündnis

Mit dieser inneren Sehnsucht, dem tiefsten Bedürfnis des Menschen, schließt nun der geistliche Begleiter ein Arbeitsbündnis und vertraut die begleitete Person dem einzigen Lehrer und Erzieher an, den es für Christen gibt: Jesus Christus. (vgl. Mt 23,10) Der Begleiter ist weder Meister, noch Lehrer oder Führer auf dem spirituellen Weg. Genau darin unterscheidet sich christliche Begleitung von Schüler-Lehrer-Beziehungen in vielen anderen spirituellen Traditionen. Er steht vielmehr mit seinem Wissen, seiner Schulung und seiner ganzen Person an der Seite des Begleiteten. Er ist sein Gefährte. Der Begleiter muss Christus den Raum lassen, damit er die Person so führt, wie es dem göttlichen Willen entspricht. Diesen Freiraum versucht die Begleitung immer wieder herzustellen und zu gewährleisten. So darf der Begleiter nicht die direkte Absicht haben, gute kirchliche Mitarbeiter heranzuziehen, auf das Priestertum vorzubereiten oder Menschen zu einem bestimmten Ziel zu führen, auch wenn dies auf der äußeren und sekundären Ebene oft der Fall ist. Es geht zunächst allein um Offenheit gegenüber der Führung Gottes, die größer ist, als was Menschen beabsichtigen.

 

Diese Sicht der Begleitung garantiert auch die Eigenverantwortung, die die begleitete Person in jeder Situation behalten muss. Sie lässt sich ebenso auf das Bündnis mit ihrer tiefsten Bestimmung ein, ganz auf Gott hin zu wachsen und Christus als eigentlichen Lehrer anzunehmen. Gerade in Zeiten, wo Unlust am spirituellen Üben auftaucht, wo sich Widerstände breit machen oder die Begleitung für eigene Zwecke, wie therapeutische Heilung, vertrauliches Gespräch oder Erwerb von Erkenntnis in mystischer Theologie einnisten, ist es wichtig, sich ans ursprüngliche Arbeitsbündnis zu erinnern. Der Begleitete richtet sich selber immer wieder daran aus, während der Begleiter versucht, das Gleichgewicht zwischen Gott und der Person in der Begleitung zu wahren.

 

Ignatius von Loyola beschreibt in seinem Exerzitienbuch zuerst die Sehnsucht des Menschen, dem sich alle Beteiligten am Prozess verpflichtet wissen, ganz objektiv. Im so genannten „Prinzip und Fundament“ heisst es: „Der Mensch ist geschaffen, um Gott, unseren Herrn, zu loben, ihm Erfurcht zu erweisen und zu dienen.“ Diese Wahrheit im eigenen Leben existentiell und persönlich zu erfahren, ist allen Menschen möglich, sobald sie sich auf die Führung der Begleitung einlassen und dem Wort der Bergpredigt folgen: „Euch aber muss es zuerst um Gottes Reich und seine Gerechtigkeit gehen; alles andere wird euch dazu gegeben.“ (Mt 6,33)

 

Arbeitsvertrag

Das spirituelle Bündnis mit dem inneren Streben und der gereinigten Absicht, mit Gott unterwegs zu sein, erhält in der Begleitung einen handfesten Arbeitsvertrag. Bei einem ersten Abklärungsgespräch mit einer Begleitperson müssen die Vertragsbedingungen geregelt werden. Dazu gehören praktische Dinge: Die Häufigkeit der Begleitungen gilt es festzulegen. Sie erfolgt oft in einem Monatsrhythmus oder auch kürzeren oder längeren Intervallen. Dann braucht es einen Konsens bezüglich der Länge der Begleitgespräche, meistens etwa eine Stunde. Zudem muss über ihre Struktur Klarheit geschaffen werden, z. B. der Beginn mit einem gemeinsamen Gebet um den Heiligen Geist oder die Empfehlung, das Gespräch eine halbe Stunde individuell nachklingen zu lassen. Neben Ort und Zeit gilt es zu besprechen, wie zwischen den einzelnen Treffen geübt wird. Es kann anhand eines Buches, durch individuelle Aufgabenstellungen, eine besondere Meditationsart, geistliche Lektüre etc. vorangeschritten werden. Schliesslich ist die Frage nach einer finanziellen Entschädigung für den Dienst der Begleitung zu klären, da sie oft von Frauen und Männer ausgeübt wird, die für diese Arbeit in der Kirche nicht bezahlt werden.

 

Den Beginn einer Begleitung professionell zu gestalten und sie nach einer gewissen Zeit gemeinsam auszuwerten, gehört zum sorgfältigen Umgang, wie es ein sensibler Prozess braucht, wo ein Mensch sein Innenleben öffnet und sich einem andern anvertraut. Entscheidend ist, dass eine Atmosphäre des Wohlwollens und der Vertrautheit entsteht, damit in den Gesprächen möglichst angstfrei gesprochen werden kann. Je klarer dieser Rahmenvertrag gesetzt ist und je mehr er mit persönlicher Wärme von Seiten des Begleiters gefüllt ist – weder kumpelhaft noch belehrend, sondern freundschaftlich begleitend – , um so mehr kann sich der Begleitete öffnen. Auch wenn es nicht darum geht, stets die ganze innere Erfahrung in der Begleitung zur Sprache zu bringen, ins Licht der Gegenwart Gottes sollte sie allmählich ganz gestellt werden können. Dass daher die geistliche Begleitung in den Bereich des forum internum fällt, in den Bereich des Schweigegebots wie die Beichte, ist selbstverständlich. Von Anbeginn an soll also ein Raum der Transparenz und des Vertrauens geschaffen werden, wie es dem geschwisterlichen Umgang in der Kirche Christi entspricht. 

 

Gebet, Meditation und ihre ersten Früchte

Der Anfang einer Begleitung steht im Dienst, die grundlegenden Fähigkeiten des spirituellen Lebens einzuüben. Dazu gehören zuerst das Gebet, die Meditation und Kontemplation. Das aufmerksame Beten eines vorgegebenen Gebets wie z. B. das Magnificat, das Beten mit einzelnen Psalmversen oder einem einzigen Wort aus der Heiligen Schrift, das im Aus- und Einatmen wiederholt wird, die meditative Betrachtung einer kurzen biblischen Erzählung, das gegenstandslose Sich-Ausrichten auf Gottes Gegenwart oder das Einübung der Haltung der Anbetung, all diese Formen gilt es aus eigener Erfahrung kennen zu lernen, von innen zu füllen und dabei die ureigene Meditationsform zu finden. Eine gute Begleitung gibt nicht einfach einen Stil vor, sondern sucht zusammen mit der anvertrauten Person die ihr angemessene Gebetsform. Oft kann dabei auf frühere Erfahrungen zurückgegriffen und können diese weiterentwickelt werden.

 

Drei Haltungen werden in diesem Üben wachsen:

 

1.) Ein einfaches und aufmerksames Herz, das lernt, mit allen fünf Sinnen die Wirklichkeit und Wahrheit so angst- und urteilsfrei wie möglich wahrzunehmen. Durch die Aufmerksamkeit auf die kleinen Bewegungen im Alltag und im eigenen Innenleben kann Gott neu entdeckt werden. Ein Dankbar-Werden durch liebevolles Annehmen dessen, was die Lebensgeschichte gebracht hat, ist ein zentrales Anliegen geistlichen Lebens. Es wird durch Meditation der eigenen Geschichte mit all ihren Licht- und Schattenseiten erreicht. Aus der Perspektive der Heiligen Schrift und der Liturgie entfaltet sich eine neue Sensibilität für das, was Leben bedeutet und sein kann.

 

2.) Ein waches und hörendes Schweigen gilt es einzuüben. Es ist kein Verstummen, sondern jener Raum der Stille, der der Wahrheit des Lebens und dem Wort des Evangeliums Gehör verschafft. Es ist das Alleinsein mit Gott jenseits von Einsamkeit, das das sanfte Säuseln seiner Stimme vernehmen lässt. Der Gott von Sturm, Gewitter und Erdbeben, der Gott der großen Theophanie des Sinai, ist Elija einst zerbrochen. Zu einem neuen Gottesbild und einer tieferen Gottesbeziehung ist er herangereift und lernte Gottes Schweigen wahrzunehmen. (vgl. 1 Kön 19) In diese Reife möchte geistliche Begleitung führen. Nur im Schweigen wird Gottes Wort wahrgenommen, wie auch nur im Heiligen Geist Christus erfasst wird. Über Schweigen und Wort geschieht die Initiation in eine lebendige Beziehung mit dem dreieinen Gott.

 

3.) Wie das sportliche Training zu einem gesunden Körper und umfassenden Leibbewusstsein führt, so zielt das spirituelle Üben auf eine Wohlgestaltung des eigenen Lebens. Es geht darum anzuerkennen, dass vieles in der eigenen Lebensgeschichte zufällig und chaotisch, von verworrenen Kräften und inneren Zwängen, durch Verdrängung und Verwundung geprägt und entfremdet ist. Die Notwendigkeit der Umkehr einzugestehen und darauf in weisen Schritten eine Neuordnung des Lebens wagen, die realistisch und human ist, ist eine große Gnade. Dazu will geistliche Begleitung verhelfen.

 

 

Gottesbeziehung und Selbsterkenntnis

Eine geistliche Begleitung zu beginnen, ist folglich dann sinnvoll, wenn ein Mensch im Alltag bereit ist, Zeit für ein Leben mit Gott zu investieren. Wer eine Begleitung beginnt, sagt ja zu einem Leben mit Gebets- und Meditationszeiten, so kurz diese auch sein mögen. Das spirituelle Leben beschränkt sich jedoch nicht auf die expliziten Gebetszeiten, sondern es will alle Lebensbereiche mehr und mehr mit der Freundschaft zu Gott durchdringen. Dies soll nicht durch äußere Aufrufe, fromm und gut zu sein, oder durch die mürrische Unterwerfung unter kirchliche und biblische Gebote erreicht werden, sondern von Innen her wachsen. Aus der Beziehung mit Gott soll das Leben Gestalt annehmen.

 

Dazu gehört eine wachsende Selbstwahrnehmung, denn es sind immer verdrängte Gefühle oder übergangene Verletzungen, die den Weg zu Gott und zum eigenen Selbst verstellen. Sie führen dazu, dass Gott nur verzerrt, d. h. in einem oft archaischen Gottesbild, wahrgenommen wird, dass sich vor ihm Angst einstellt oder er so langweilig und lebensfremd erscheint, dass das Interesse an ihm verloren geht. Durch das geistliche Üben im Alltag aber wird die Wirklichkeit des Lebens in all seinen Aspekten immer klarer wahrgenommen und angenommen. Durch das Bewusstwerden der verschiedenen Situationen und Beziehungen, die einen prägen, wird eine Selbsterkenntnis gewonnen, die proportional zur Gotteserkenntnis wächst. „Sei Du ganz Dein, damit ich ganz Dein sein kann“, hört Nikolaus von Kues Gott einst zu ihm sprechen. Billiger ist ein authentisches Leben mit Gott nicht zu haben. Doch wer sich auf den Weg macht, erfährt, dass die Wahrheit frei macht, und Gott mit einer Gnade und Barmherzigkeit zu Hilfe kommt, wie es nicht ausgedacht werden kann. Durch das spirituelle Üben im Alltag wird das Innere der Person so gestaltet, dass es den Ruf von Jesus Christus hört, der als Bruder an des Menschen Seite gehen will, und es wird Raum geschaffen, damit Gott sich in seiner Souveränität entfalten kann.

P. Christian M. Rutishauser SJ

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Bist Du glücklich?

Was wünschst Du Dir

für Dich selbst?

Was bist Du Dir wert?

Worunter leidest Du?

Dass Du nicht untergehst

im Alltagsstrom

nimm Dir Zeit genug

still

dass Du zu Dir kommst,

aufmerksam wirst

für die Signale Deines Körpers,

die Regungen Deiner Seele,

die Quellen Deines Geistes,

mein Dasein

in Deinem kostbaren Leben. 

 Johannes Lieder 
Johannes Lieder, Auf Schatzsuche © Echter Verlag, Würzburg 2012, S. 24.

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