Freitag 24. November 2017
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„Maria ist die Kirche“

Rosenkranzmonat Oktober

Als Rosenkranzmonat ist der Oktober von Maria geprägt. Der Theologe Gisbert Greshake sieht in der Besinnung auf Maria eine Chance für die Kirche.

 

Was hat Sie bewogen, über Maria, die Mutter Jesu, ein neues Buch zu schreiben?
Greshake: Es geht mir darum, die Bedeutung Mariens für die Kirche zu zeigen. In der Kirche wird viel diskutiert und gestritten. Sie erscheint wie ein Verein, in dem über Strukturen und Zuständigkeiten verhandelt wird. Das geistige Wesen der Kirche wird oft übersehen. Ich denke, Maria bietet uns einen neuen Zugang zu diesem Wesen. Die Kirchenväter haben gesagt: Maria ist die Kirche.

 

Sie meinen, weil sie Vorbild im Glauben ist?
Greshake: Ich mag das Wort „Vorbild“ nicht besonders, weil es moralisierend klingt. Aber an Maria kann ich erkennen, was es heißt, Kirche und Christ zu sein. Maria bringt den Sohn Gottes zur Welt, sie bringt der Welt Jesus. Paulus erwartet von uns Christen, dass Christus auch in uns und durch uns wie bei Maria „Gestalt annimmt“ (Gal 4,19) und so der Welt erfahrbar wird. Dieses „Christus-zur-Welt-Bringen“ ist ein Wesensmerkmal der Kirche.

Als Maria in der Bibel der Engel ihre Aufgabe verkündet, die Mutter Jesu zu werden, sagt sie ja. Was bedeutet das für den Glauben?
Greshake: Wie Maria zu einer Beauftragung Gottes Ja zu sagen, ist Glaube im Sinne der Heiligen Schrift. Denken Sie an Abraham, der sich auf die Weisung Gottes hin auf den Weg macht. Maria führt diesen Glauben in die neutestamentliche Zeit. Dieser Glaube ist etwas höchst Einfaches. Da ging es nicht um die über 2600 Artikel des Weltkatechismus. Maria glaubte an den Gott der Väter, der seine Verheißungen wahr macht. Sie glaubte daran, einen Auftrag von Gott erhalten zu haben. An ihr wird also deutlich: Es kommt nicht darauf an, alle möglichen Dogmen zu kennen, sondern dieses Ja zu Gott zu sagen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass selbst gläubige Christen das oft nicht wissen. Und wenn Menschen heute zum Islam konvertieren, dann hat das meines Erachtens auch damit zu tun, dass sie den falschen Eindruck gewonnen haben, der christliche Glaube sei kompliziert. Glaube ist etwas ganz Einfaches, aber Radikales.

 

Maria hatte es mit ihrem Sohn nicht leicht – musste sogar seine Kreuzigung miterleben.
Greshake: Maria musste auf einem leidvollen Weg lernen, dass ihr Sohn so völlig anders ist und ganz andere Wege geht, als sie sich das vorstellt. Denken Sie daran, dass er, als ihn seine Mutter mit den Verwandten riefen, gesagt hat: Mutter und Brüder sind für mich die, die den Willen Gottes erfüllen. So etwas ist für eine Mutter entsetzlich schwer zu hören. Wie Maria müssen wir lernen, dass der Weg Gottes anders ist, als wir uns denken.

 

Mit den Mariendogmen von Unbefleckter Empfängnis und Himmelfahrt tun sich manche schwer – auch weil davon nichts in der Bibel steht.
Greshake: Alle Mariendogmen sind zunächst Aussagen über die Kirche, insofern ja Maria der Inbegriff der Kirche ist. Es geht hier nicht um „Privilegien“. Die Mariendogmen gelten in gewisser Weise auch für uns: Auch wir sollen „Mutter Jesu“ werden und Christus zur Welt bringen, wie die Kirchenväter sagten. Auch wir sollen „jungfräulich“, das heißt: ganz offen für Gott und „heilig“ sein – geheiligt durch die Taufe. Und wir sind berufen, mit Christus aufzuerstehen – und im Glauben sind wir das auch schon, zum Beispiel gemäß dem Epheserbrief (2,6).

 

Sie schreiben in Ihrem Buch im positiven Sinne über Verweltlichung. Was meinen Sie damit?
Greshake: Das wird für mich in dem schönen Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ deutlich: Maria trägt Jesus „unter ihrem Herzen“ mit sich und plötzlich fängt der Dornwald an zu blühen. Dieses Bild ist mir sehr wichtig: Die Welt ist so ein Dornwald. Aber wo wir wie Maria der Welt Jesus bringen, kann etwas zu blühen beginnen. Die „Dornen“ bleiben, was sie sind. Aber das „Blühen“, das wir als Christen bewirken können, ist schon sehr viel.

Das Interview führte Heinz Niederleitner.

 

Zur Person

Gisbert Greshake lehrte bis zu seiner Emeritierung als Professor für Dogmatik und ökumenische Theologie in Freiburg/Br. 2014 veröffentlichte er das Buch „Maria-Ecclesia. Perspektiven einer marianisch grundierten Theologie und Kirchenpraxis“ (Pustet-Verlag, Regensburg).

 

Was heißt beten?

 

Hinwendung zu Gott

„Gespräch“ des Herzens mit Gott. Das kann allein oder in Gemeinschaft sein, laut oder leise, frei formuliert oder mit vorgegebenen Texten, durch Schweigen, durch das Entzünden einer Kerze oder das Betrachten eines Bildes ...

 

Sie wollen beten?

Wenn Sie nicht wissen, wie das geht,

wenden Sie sich an eine/n Seelsorger/in oder einen Menschen, von dem Sie wissen, dass er betet. Am besten ist, Sie fangen einfach an, sich in Gedanken an Gott zu wenden: Gott, wenn du mich hörst, lass mich das irgendwie erfahren ...

Beten ist für mich wichtig, weil …

… ich im Dialog mit Gott bin und so innere Ruhe finde. Gut gefällt mir das Zitat von Søren Kierkegaard:

„Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt: still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“

Othmar Karas, Abgeordneter des Europäischen Parlaments

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