Mittwoch 17. Januar 2018
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Gebet

Geschulterte Gebete

Der Gebetsruck für das Beten im Alltag

Wo gibt es Gebetsanregungen zum Weitergeben, wie können wir einander das Beten anvertrauen? Raphaela Pallin hat das passende Equipment: den „Gebetsrucksack“.

 

Ich mag Rucksäcke. Vor allem, wenn sie nicht zu groß, nicht zu klein und sinnvoll gepackt sind – mit all den nötigen und „unnötigen“ Dingen, die das Geheimnis eines Rucksacks ausmachen. Ich mag Rucksäcke, weil sie helfen, Lasten so zu tragen, dass man davon nicht schief wird, sondern stärker, weil sie gutes Gleichgewicht ermöglichen und die Hände freigeben: zum Händeschütteln, zum Zuwinken, zum Anpacken, zum Lesen, zum Beten.

 

„Einfach beten“, dazu hat Kardinal Christoph Schönborn alle Gläubigen der Erzdiözese Wien für das Kirchenjahr 2013/2014 eingeladen und ermutigt. Einfach beten – als ob Beten so einfach wäre! Ich kenne mich ja: Im Trubel des Alltags habe ich mich sogar schon bei dem Stoßgebet ertappt: „Lieber Gott, wenn Du wüsstest, was ich alles zu tun habe!“ Was mich immerhin dazu geführt hat, neu zu fragen, was denn Gott von mir und für mich will, und mich neu Seiner liebenden Vorsehung anzuvertrauen.

 

Natürlich – und eine Kunst

„Einfach beten“ – auf einer Bettelwallfahrt zu sechst haben wir als „arm-selige“ Pilger die Menschen, die uns Herberge oder Verpflegung geschenkt haben, immer nach ihrem Vornamen gefragt. „Wozu denn?“, wollten manche wissen. „Wir möchten einfach für Sie beten. Vielleicht haben Sie ja auch ein besonderes Anliegen, das Sie uns mitgeben wollen?“ Von der Bitte ums Gebet für Angehörige bis hin zu Schweigen, während die Augen sich mit Tränen füllten, reichten diese Begegnungen mit wildfremden Menschen „wie Du und ich“. Noch heute ist es wunderschön, für sie zu beten.

 

Beten ist – wie jede Form der Mitteilung – ganz natürlich und doch eine Kunst. Es ist Frucht der inneren Freiheit und zugleich innigste Verpflichtung – weil Beten eine Form der Liebe ist. Es braucht immer neue Anstöße, neues Einüben – aber es prägt und trägt dann auch. Beten ist zutiefst persönlich, intim – und kommt doch nie ohne Gemeinschaft aus. Beten heißt, unterwegs zu sein mit Gott und mit den Menschen: mit denen, die ich mag, und mit denen, bei denen ich „viel üben“ kann – gerade im Beten.

 

Beten im Alltag

„Einfach beten“ – wo gibt es Hilfen dazu, Anregungen zum Weitergeben, wie können wir einander das Beten anvertrauen, wie dürfen wir es als Verantwortung übernehmen? Was könnte dazu in unserer Pfarre helfen?

 

Ein Rucksack ist mir in den Sinn gekommen, ein ganz besonderer: ein „Gebets-Rucksack“ – „nicht zu groß, nicht zu klein und sinnvoll gepackt …“ Ich mag die schlichten Rucksäcke: ohne aufdringliche Werbeaufschrift; ohne Logo, durch das man abgestempelt ist oder das man irgendwann nicht mehr sehen will; aus festem Material genäht, das einiges aushält und Flecken kriegen darf; nicht virtuell, sondern echt.

 

Für eine Woche anvertraut

Wie jeder Rucksack, muss auch der „Gebetsrucksack“ immer wieder neu gepackt werden. Dann kann er für eine Woche lang jemandem aus der Pfarre anvertraut werden – einem Kind, einem alten oder neuen Nachbarn, einer Familie, einer Studentin, einem Asylwerber, einer Bezirksrätin, einem bettlägerigen Bekannten, dem Pfarrer, der Floristin, einer IT-Spezialistin, dem Briefträger, einer nahen „Fernstehenden“ – mit der Bitte, in der kommenden Woche auch für die Pfarre zu beten, besonders für die Menschen im Pfarrgebiet, die das Gebet gerade am meisten brauchen.

 

Alle, denen ich vom „Gebetsrucksack“ erzählt habe, haben voll Entdeckerfreude gleich eigene Ideen beigesteuert, was sie alles hineinpacken wollen. Der wesentliche Inhalt bleibt gleich, neu dazu kommt jede Woche frisch, was für die Person passt, die den „Gebetsrucksack“ als nächste übernimmt.

 

Packempfehlungen

Wichtigste Packempfehlung: Weniger ist mehr – Wesentliches darf nicht fehlen – eine kleine Überraschung ist immer gut!

 

Wesentlich sind: ein Kreuz, eine Kerze samt Untersetzer, eine kleine Marienikone, eine Bibel, eine Karte mit Grundgebeten, dem Glaubensbekenntnis, ein Rosenkranz samt Anleitung, eine Tischgebetskarte, ein kleines Stundenbuch, ein „Gebetsrucksack-Tagebuch“ für kurze  persönliche Einträge oder Zeugnisse, eine Gebetskarte mit einem handschriftlichen  Segensgruß und mit der Bitte, in der kommenden Woche auch für die  Menschen im Pfarrgebiet zu beten.

 

Zur Auswahl bieten sich an: eine Hinführung zu verschiedenen Gebetsformen; Gebete zur Zeit im Kirchenjahr, eine Pfarrgebietskarte mit Kirchen, Kapellen, Marterln; ein aktuelles Pfarrblatt; eine „Schlüssel“-Einladung zu einem Besuch in irgendeiner der bestehenden Gebetsgruppen der Pfarre; eine Übersicht über pfarrliche bzw. diözesane Gebetsgruppen und -treffen und Anbetungszeiten; Impulse zur Anbetung; Anregungen zum Beten in der Familie, zum Beten in „schweren Zeiten“; eine Einladung zum Gespräch mit einem Seelsorger; ein Kindergebetbuch; ein Bibelstellen-Säckchen; kurze Heiligenbiographien (Pfarrpatrone?); ein Liederbuch; Anregungen für eine (gemeinsame) Gebetswanderung, für einen Gebetsabend oder samstägliche Laudes (und Brunch) mit Freunden; und viele Dinge mehr. Phantasie, Einfühlung und Auswahl sind wichtig – und das Gespräch.

 

Gemeinsam weiterpilgern

Der „Gebetsrucksack“ wird jede Woche von der Pfarre wieder zurückgenommen und dann – mit „frischen“ Gebetskarten versehen – neu jemand anderem anvertraut, eventuell mit persönlichem Segen und der Zusage, dass die Pfarrgemeinde auch mitbetet. Ob die Übergabe besser während der Woche oder am Wochenende erfolgt, hängt von der Pfarre bzw. den Personen ab, die das intelligente Neu-Packen und Übergeben bzw. Überbringen gut und gerne übernehmen können.

 

Natürlich sind Hinweise erfahrener „Gebetsrucksack-Pilger“ willkommen, wer aus der Nachbarschaft gerne eine der nächsten Etappen  übernehmen würde oder angefragt werden könnte. Nach jeweils einigen Wochen kann auch zu einem „Gebetsrucksack-Pilgertreffen“ eingeladen werden: zu gemeinsamem Beten, zum Austausch über „Gebetsweg“-Erfahrungen und zum gemeinsamen Weiterpilgern.

 

Ich mag Rucksäcke – vor allem, wenn man mit ihnen einfach beten kann.

 

Raphaela Pallin

 

Zur Person: Dr. Raphaela Pallin ist promovierte Theologin und war bis 2015 Universitätsassistentin für Theologie der Spiritualität am Institut für Historische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

 

Service

Den Artikel können Sie hier downloaden.

Der „Gebetsrucksack“ wandert bereits in einigen Pfarren, in Wien etwa in St. Josef/Reinlgasse und in St. Johann Nepomuk. Vorlagen für Begleitbrief und Packliste gibt es auf www.einfachbeten.at. Einen Gebetsrucksack können Sie in zwei Ausführungen mit oder ohne Bücher-Inhalt beim Canisiuswerk bestellen. Außerdem bieten wir neue Gebetskärtchen mit Grundgebeten (12-er Set) im Scheckkartenformat an: zum Webshop

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Was heißt beten?

 

Hinwendung zu Gott

„Gespräch“ des Herzens mit Gott. Das kann allein oder in Gemeinschaft sein, laut oder leise, frei formuliert oder mit vorgegebenen Texten, durch Schweigen, durch das Entzünden einer Kerze oder das Betrachten eines Bildes ...

 

Sie wollen beten?

Wenn Sie nicht wissen, wie das geht,

wenden Sie sich an eine/n Seelsorger/in oder einen Menschen, von dem Sie wissen, dass er betet. Am besten ist, Sie fangen einfach an, sich in Gedanken an Gott zu wenden: Gott, wenn du mich hörst, lass mich das irgendwie erfahren ...

Beten ist für mich wichtig, weil …

… ich im Dialog mit Gott bin und so innere Ruhe finde. Gut gefällt mir das Zitat von Søren Kierkegaard:

„Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt: still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“

Othmar Karas, Abgeordneter des Europäischen Parlaments

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