Donnerstag 18. Januar 2018
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Gebet

Wie mit Jugendlichen beten?

Plädoyer für Mut, auch neue Gebetsformen zuzulassen

Wie ist es möglich, in der kirchlichen Jugendarbeit Orte des Gebets zu schaffen?

Wer mit Jugendlichen beten will, sollte seine eigene Gebetspraxis hinterfragen und den Mut aufbringen, sich auf neue Gebetsformen einzulassen.

 

In der kirchlichen Jugendarbeit verzichten heute viele darauf, mit Jugendlichen in der Gruppe zu beten. Die bisherigen Erfahrungen waren oft ziemlich frustrierend. Von einer meditativen Stimmung war kaum etwas zu spüren, und die Mehrheit hat sich unwohl gefühlt. Die Jugendlichen äußern beim freien Gebet oft nur Standardphrasen, die nichts mit ihrem Leben zu tun haben. Sie blödeln herum, machen sich über die Gebete ihrer Kameraden lustig, oder sie sind zu scheu, um überhaupt ein Gebet laut zu formulieren. Das Gebet hat keinen festen Platz mehr im Alltag von jungen Menschen. Gebetet wird nur noch still für sich, zuhause, im Dunkeln. Gerade deshalb ist die kirchliche Jugendarbeit gefordert, allen Widerständen zum Trotz, Orte des Gebets zu schaffen.

 

Spirituelle Sprache entwickeln 

Das gemeinsame Gebet ist eine große Chance. Deshalb sollte es in der kirchlichen Jugendarbeit regelmäßig gepflegt werden. Beim Beten mit anderen werden Jugendliche für den Dialog mit Gott sensibilisiert. Hier entdecken sie die Kraft des Gebets und können eine persönliche spirituelle Sprache entwickeln. Sie hören, wie andere ihren Glauben artikulieren. Dass dies möglich wird, hängt von verschiedenen Faktoren, aber auch von den Erwachsenen ab. Die Verantwortlichen der kirchlichen Jugendarbeit sollten die eigene spirituelle Sprache kritisch unter die Lupe nehmen.

 

Mit allen Emotionen 

Wer jungen Menschen, Zugänge zum Gebet eröffnen will, sollte zunächst seine eigenen Gebete reflektieren. Viele Erwachsene bemängeln, dass Jugendliche keine spirituelle Sprache beherrschen. Doch welche Gebetspraxis leben wir Erwachsene ihnen vor? Wie formulieren wir unsere Gebete? Trauen wir uns, im Gebet alle unsere Emotionen auszudrücken? Formulieren wir persönliche Gebete oder weichen wir auf allgemeine Phrasen aus und bringen somit nur „gehemmte“ Gebete zustande? Persönliche Gebete, Gebete mit Emotionen beeindrucken und machen jungen Menschen deutlich, dass vor Gott alles zur Sprache gebracht werden kann: jede Alltagserfahrung, jede Freude, jede Sorge.

 

Schreiben statt stammeln 

Nicht alle Jugendlichen sind in der Lage, sich an einem gemeinsamen Gebet zu beteiligen. Wenn sich ein Teenager schwer tut, vor anderen ein Gebet zu formulieren, sollte das respektiert werden. Jemanden zu einem Gebet zu zwingen, ist das falsche Signal. Doch anstatt sich zu beklagen, dass es immer schwieriger werde, mit Jugendlichen zu beten, sollte man Mut zu anderen Gebetsformen beweisen.

 

Beten heißt nicht nur, frei und spontan mündlich ein Gebet aufzusagen. Gebete können auch schriftlich formuliert werden. Alle bekommen Papier und Schreibzeug, verteilen sich im Raum oder in der Kirche und schreiben ihre Gebete auf. Ein Gebet kann auch einmal in Form einer E-Mail oder einer SMS an Gott verfasst werden. Gebete können gezeichnet, als Graffiti gesprüht oder sogar getanzt werden. Jeder soll das Medium finden, in dem er sich am besten ausdrücken kann. Natürlich setzt das voraus, dass auch wir selbst Mut zum kreativen Gebet beweisen und andere Formen ausprobieren.

 

Mit etwas Kreativität können wir Jugendlichen Zugänge zum Gebet eröffnen und aufzeigen, welche Vielfalt und Freiheit das Gebet besitzt. So entwickeln Jugendliche und Erwachsene gemeinsam ihre spirituelle Sprache weiter und bekommen neu Lust, all das, was sie beschäftigt, zu artikulieren und vor Gott zu bringen.

Stephan Sigg

(in "miteinander" 4/2013)

 

Zur Person: Stephan Sigg ist Theologe, Journalist und Autor. Er gestaltet regelmäßig Lesungen und spirituelle Schreibworkshops für Jugendliche. Veröffentlichungen zum Thema Gebet: Jugendgebetbuch „Echtzeit“, Tyrolia 2012 und „Beten mit Jugendlichen“, Patmos 2010. Infos unter: www.stephansigg.com

 

Trostgebet 

Du applaudierst für mich,

selbst wenn keiner noch einen Cent auf mich setzen würde,

niemand mehr bereit ist, sich noch weiter für mich einzusetzen,

weil schon so viele Chancen ungenutzt verstrichen sind,

zu oft Mist gebaut wurde.

Du glaubst an mich ohne einen Funken Zweifel,

weil du weißt, was noch in mir steckt!

 

Mit Genehmigung des Autors und des Tyrolia-Verlages aus: Stephan Sigg, Echtzeit, Tyrolia 2012. Im Canisius-Shop erhältlich: zur Bestellung

Was heißt beten?

 

Hinwendung zu Gott

„Gespräch“ des Herzens mit Gott. Das kann allein oder in Gemeinschaft sein, laut oder leise, frei formuliert oder mit vorgegebenen Texten, durch Schweigen, durch das Entzünden einer Kerze oder das Betrachten eines Bildes ...

 

Sie wollen beten?

Wenn Sie nicht wissen, wie das geht,

wenden Sie sich an eine/n Seelsorger/in oder einen Menschen, von dem Sie wissen, dass er betet. Am besten ist, Sie fangen einfach an, sich in Gedanken an Gott zu wenden: Gott, wenn du mich hörst, lass mich das irgendwie erfahren ...

Beten ist für mich wichtig, weil …

… ich im Dialog mit Gott bin und so innere Ruhe finde. Gut gefällt mir das Zitat von Søren Kierkegaard:

„Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt: still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“

Othmar Karas, Abgeordneter des Europäischen Parlaments

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