Mittwoch 17. Januar 2018
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Gebet

Wie & was beten?

Prof. Schlosser im Sonntags-Interview

Gebet ist nicht nur Tun des Menschen, sondern Gnade. Das Bittgebet ist der Ernstfall des Glaubens: Hier stellt sich die Grundfrage nach der Beziehung Gottes zur Welt.

Univ.-Prof. Marianne Schlosser

Ist Beten schwer oder leicht?

Schlosser: Mir scheint, beides. Das Gebet, so schreibt Edith Stein, ist das Höchste, was der menschliche Geist vollbringen kann. Zu beten entspricht dem Menschen zutiefst, aber es fordert auch seine ganze Person — genauso wie der Akt des Glaubens. Wer betet, vollzieht sozusagen seinen Glauben. Und wie uns zuweilen das Glauben leicht, ja selbstverständlich vorkommt, und dann wieder schwer, so auch das Beten. Denn Gott, an den sich der gläubige Mensch im Gebet wendet, ist kein Gegenstand dieser Welt. Und das Glauben wie das Beten haben Teil an diesem Geheimnis.

 

Die Heilige Schrift ist voll von Bittgebeten. Was bedeuten diese Erfahrungen bittender Menschen für uns heute?

Schlosser: Es ist auffällig, wie viele Bittgebete und Fürbittgebete in der Bibel des Alten und Neuen Testaments enthalten sind. Das Vaterunser etwa besteht ausschließlich aus Bitten. Jesus selbst fordert seine Jünger auf, zuversichtlich zu bitten, in einer Art Erhörungsgewissheit, und darin nicht nachzulassen. Davon sprechen auch die Gleichnisse von der Frau, die dem ungerechten Richter zusetzt (Lk 18,1-8), und von dem Freund, der bei Nacht kommt und sich nicht abweisen lässt (Lk 11,5-9). Die Bitte ist in der ganzen Bibel vielleicht sogar die wichtigste Gebetsart; und das bedeutet eine Ermutigung auch für uns, „vor Gott das Herz auszuschütten".

 

Worum dürfen wir bitten?

Schlosser: Um alles, was dem Willen Gottes entspricht bzw. ihm nicht widerspricht. Darum liest man im Jakobus-Brief, dass manche Bitten nicht erhört werden, weil Menschen in böser Absicht bitten (Jak 4,3). Das Beten und das Leben dürfen nicht auseinanderklaffen (Jes 1,15). Das heißt also umgekehrt: Wenn wir Gott um etwas bitten, müssen wir auch bereit sind, seinen Willen zu suchen und zu tun – d.h. die Vertrautheit mit Gott zu pflegen und entsprechend zu handeln. Wir sollen und dürfen um die Güter des Leibes und der Seele bitten, uns dabei aber bewusst sein, dass das erste, worum wir bitten, das Reich Gottes ist – „das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens". Dem sollen wir nichts vorziehen (vgl. Mt 6,33). Daran sollen wir auch Maß nehmen für alle anderen Dinge, die wir erbitten, sei es Gesundheit, Arbeit, Glück im Examen ... Denn in der Bitte um die Liebe, die stärker ist als der Tod, sind im tiefsten alle menschlichen Bitten enthalten.

 

Wozu sollen wir bitten? Handelt Gott, wenn wir bitten?

Schlosser: Das Bittgebet ist gewissermaßen der Ernstfall des Glaubens, denn hier stellt sich die Grundfrage nach der Beziehung Gottes zur Welt, der Beziehung zwischen Ewigkeit und Zeitlichkeit. Diese Frage ist sehr alt, und die in der Religionsgeschichte versuchten Antworten geben Aufschluss über das jeweilige Gottesbild. Wir müssen zwei Dinge festhalten, erstens: dass nicht alles, was geschieht, der Notwendigkeit unterworfen ist, d h. dass der Mensch frei ist und wirklich freie Akte vollbringen kann. Und zweitens, dass sich Gottes Vorsehung nicht deswegen ändert, weil der Mensch dieses oder jenes tut. Beides zusammenzudenken gelingt nur, wenn man Gottes Vorsehung und das Handeln des Menschen nicht ganz auf derselben Ebene denkt. Aufgrund seines Wissens als Schöpfer aller Dinge kennt Gott alle Ursachen im Kosmos, auch die freien Ursachen. D. h. er kennt auch, was eine geschaffene Person in Freiheit tut. Vorsehung heißt, dass Gott die Handlungen eines Menschen, und dazu gehören auch die Gebete!, mit den Ereignissen der Geschichte und mit anderen Ursachen verbinden kann. C. S. Lewis hat es einmal so ausgedrückt: Gott kann meine Gebete von morgen mit dem Wetter von übermorgen durchaus verknüpfen, und zwar schon im Augenblick der Schöpfung von allem. Gott gibt uns also – indem er uns ausdrücklich auffordert zu bitten – die Möglichkeit, Mit-Ursache zu sein.

 

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Zum Sonntag

 

Zur Person

Univ.-Prof. Dr. Marianne Schlosser lehrt Theologie der Spiritualität an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

 

 

Was heißt beten?

 

Hinwendung zu Gott

„Gespräch“ des Herzens mit Gott. Das kann allein oder in Gemeinschaft sein, laut oder leise, frei formuliert oder mit vorgegebenen Texten, durch Schweigen, durch das Entzünden einer Kerze oder das Betrachten eines Bildes ...

 

Sie wollen beten?

Wenn Sie nicht wissen, wie das geht,

wenden Sie sich an eine/n Seelsorger/in oder einen Menschen, von dem Sie wissen, dass er betet. Am besten ist, Sie fangen einfach an, sich in Gedanken an Gott zu wenden: Gott, wenn du mich hörst, lass mich das irgendwie erfahren ...

Beten ist für mich wichtig, weil …

… ich im Dialog mit Gott bin und so innere Ruhe finde. Gut gefällt mir das Zitat von Søren Kierkegaard:

„Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt: still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“

Othmar Karas, Abgeordneter des Europäischen Parlaments

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