Sonntag 21. Januar 2018
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Aus der Diözese Linz

Menschennaher Gottesmann

Gedanken zur Identität des Priesters

Zum Priester geweiht: Wie ist so jemand, worauf gründet er seine Existenz? Wer beruft ihn? Gottsucher & Begleiter der Menschen.

Wofür ist er da, und was ist das Besondere des Amtsträgers? Frühere Vorstellungen vom Priester sind heute zerbrochen, den „Hochwürden“ gibt es nicht mehr, und in der Gesellschaft ist der Priester einer unter vielen, ohne besonderes Ansehen.

 

Auf die Frage nach dem Wesen des Priesters und der priesterlichen Berufung werden wir auch von den Kandidaten verschiedene Aussagen hören. Je nach ihrer Perspektive, Biographie oder theologischem Schwerpunkt wird die Antwort unterschiedlich ausfallen. Im Zweiten Vatikanischen Konzil heißt es in der Kirchenkonstitution (LG 30), dass alles, was über das Volk Gottes gesagt wurde, in gleicher Weise für Laien, Ordensleute und Kleriker gilt. Gleichzeitig wird an der hierarchisch verfassten Struktur der Kirche festgehalten und das Dienstamt des Bischofs (von Christus eingesetzt) mit seinen Mitarbeitern, den Priestern und Diakonen, besonders herausgestrichen (LG 1829).

 

Das gesamte Gottesvolk, alle Getauften und Gefirmten, sind berufen, das Wort Gottes zu bezeugen und in missionarischer Sendung in der Welt zu verkünden (vgl. Apg 1,8). Auch das Apostolat der Laien ist Teilnahme an der Heilssendung der Kirche, mit besonderem Blick und besonderer Berufung für die Dinge der „Welt“.

 

Die Priester sollen speziell als Diener Christi sich dieser Welt nicht angleichen, aber gleichzeitig mit den irdischen Lebensverhältnissen vertraut sein. Sie sind Menschen, die „den Himmel offen halten“ und Hoffnung geben. Sie sind „Gottsucher“, weil sie die Sehnsucht nach einem Leben mit dem Herrn in sich tragen, die sie beflügelt und anspornt.

 

Die auf dem Konzil nur angedeuteten und vorgezeichneten Linien, dass der Priester Diener der Einheit und Spender der Sakramente ist und durch das Weihesakrament Christus, dem Priester, gleichförmig wird („repräsentatio Christi“), werden vom Dekret über die Priester in Punkt 9 und 12 stärker ausgeführt.

„Die priesterliche Berufung ist im Wesentlichen eine Berufung zur Heiligkeit in der Form, die aus dem Sakrament der Priesterweihe entspringt“, heißt es im Schreiben Pastores dabo vobis. Priesterliche Berufung hat etwas mit Heiligkeit und Weihe zu tun.

 

Menschennahe Gottesmann 

Heiligkeit, so heißt es im Dokument weiter, ist Vertrautheit mit Gott, ist Nachahmung Christi, vorbehaltlose Liebe zu den Menschen und ist Liebe zur Kirche. Das priesterliche Leben ist ein Leben mit besonderer Verfügbarkeit für Christus und wird geprägt von einer großen Offenheit und Liebe für die in der vom Heiligen Geist gewirkten und geleiteten Gemeinschaft der Kirche. Damit wird die vorkonziliare Engführung auf den Priester als Kultperson aufgebrochen (nicht aufgehoben), und er kann sich zu einem „zeitoffenen Gottesmann“ entfalten (Zulehner). Zu „Vertrautheit mit Gott“ gehört auch die Verfügbarkeit und Offenheit für den Anruf Jesu, dessen Leben Maßstab für das Leben eines Priesters ist. Im Alten Testament ist mit dem Begriff „Heiligkeit“ nicht in erster Linie die moralisch hochstehende Lebensform gemeint, sondern „der Heilige“ ist Gott selbst und dann alles, was ihm in besonderer Weise zugeordnet ist. Heilig und Heiligkeit sind im Neuen Testament Beziehungsbegriffe und drücken in erster Linie das Nahverhältnis zu Gott aus, das sich dann in der Welt und in den konkreten Worten und Taten des Priesters verwirklicht.

 

Beziehung-Stifter 

Beziehung stiften ist nach dem Vorbild Jesu und in der Fortfahrung des Auftrags der Apostel ein zentraler Aspekt priesterlichen Wirkens. Das geschieht besonders im sakramentalen Dienst der Versöhnung und der Eucharistie. Die Wirklichkeit der Gegenwart Gottes in den verschiedenen Formen übersteigt jede Subjektivität (die natürlich in jede Feier einfließt und die ernst genommen wird), und ist „Geheimnis des Glaubens“, wie wir es ausdrücken. Das sakramental gesprochene Wort von der Sündenvergebung und der Vorsitz der Eucharistie können nicht in der Beliebigkeit liegen. Das kommt dem geweihten Amtsträger zu, der von Christus berufen und von der Kirche legitimiert ist.

 

Die speziell priesterliche Nachfolge Christi und das priesterliche Amt haben ein eigenes „Wesen“, das sich kein Mensch selbst geben und das auch die Kirche nicht einfach als Auftrag für eine bestimmte Zeit vergeben kann. Im allgemeinen Sprachgebrauch war über lange Zeit für einen Priester der Ausdruck „Geistlicher“ üblich. Der Priester ist ein von Gott gerufener und zu einem bestimmten Dienst berufener Mensch, der mit seinem ganzen Leben Zeugnis für die Gegenwart Gottes in der Welt geben soll. Zu so einem Leben kann man nicht „beauftragt“ werden, wie man auch keinen „Auftrag“ zur Ehe übernehmen kann. Dazu bedarf es neben der persönlichen Entscheidung auch des Sakramentes und der dauerhaften Zusage von beiden Seiten. Wenn diese Vertrauensbasis und das existentielle Einlassen im Leben und Wirken fehlen, ist die priesterliche Existenz nur noch Beamtentum, aber nicht mehr sakramentales Amt und Leben, das von der Berufung und Sendung durch Christus lebt. Der Priester wird in seiner speziellen Lebensgestaltung besonderes Augenmerk darauf legen, dass die Beziehung und Vertrautheit zu Christus immer tiefer werden kann.

 

Ein wesentlicher Aspekt des „Geistlichen“ ist auch, dass er beispielhaft am Dienst des vergebenden und versöhnenden Wirkens des Heiligen Geistes mitarbeitet. Der Priester ist auch Diener der Versöhnung und der Einheit, nicht durch persönliche Leistung und Integrität, sondern durch das Amt, das ihm übertragen wurde. Zur Glaubwürdigkeit und Akzeptanz des Priesters gehört natürlich die persönliche Lebensführung. Das Wirken und Leben eines Priesters ist nicht nur von seinem persönlichen Leben abhängig, sondern ist wesenhaft an eine größere Wirklichkeit gebunden und von dieser getragen. Weil der Bischof dem Kandidaten die Hände aufgelegt und das Weihegebet gesprochen hat, ist jemand zum Priester geweiht. Er ist deshalb dem Grade nach nicht mehr als jeder andere Mensch, aber er ist in besonderer Weise gebunden, so wie jemand auch durch die Ehe gebunden ist.

 

Frei zum Leben 

Als kirchliche Gemeinschaft soll es unser aller Anliegen sein, die Möglichkeiten für eine zeitgemäße Verkündigung des Evangeliums zu schaffen und die verschiedenen Berufe und Dienste zu fördern. Der Priester, von Christus berufen, gehört wesentlich zu unserer Kirche und steht ihr als Repräsentant Christi auch gleichzeitig gegenüber. Er weist allein durch seine Existenz auf die je größere Wirklichkeit Gottes hin, ist dabei aber ganz Mensch, mit all seinen Bedürfnissen.

 

In den Diskussionen fällt mir auf, dass im Zusammenhang mit dem Priesterberuf sehr viel von „Verzicht“ gesprochen wird. Man sollte durchaus auch über den „Gewinn“ reden, den diese Lebensform bringt. Glück und Zufriedenheit stellen sich nicht ein, wenn man (scheinbar) alles haben kann, sondern wenn man den richtigen Lebensweg gewählt hat. Wenn wir uns in der Bibel Jesu Rufe zur Nachfolge anschauen, so wird daraus klar ersichtlich, dass Jesus die Jünger und anderen Menschen, die ihm nachgefolgt sind, nicht des „Lebens“ beraubt, sondern ihnen ein Leben in Fülle verheißen hat. Ein Leben aus der speziellen Berufung von Christus her und im Dienst der Kirche darf einem auch nicht die Persönlichkeit rauben, sondern fordert, fördert und entwickelt sie, zum eigenen Wohl und dem der Gemeinschaft. Priester sind Menschen, die mit beiden Beinen auf der Erde stehen, aber den Blick nach oben offen haben und halten.

 

Johann Hintermaier

 

Dr. Johann Hintermayer ist Regens des Linzer Priesterseminars und Diözesandirektor des Canisiuswerkes für die Diözese Linz.

Gerufen sein

Herr, du rufst uns,

mitzubauen an deiner Kirche,

mitzutragen an der Verantwortung,

mitzuhelfen, dass die Liebe unter uns wächst.

 

Lass uns nicht

über Steine am Weg stolpern,

sondern sende uns

deinen Geist,

damit wir uns einzusetzen wagen für andere.

 

Gib, dass das,

was in uns aufgebrochen ist,

nicht wieder

verschüttet wird von

Lauheit und Resignation.

 

Lass uns alle Kräfte einsetzen

um mitzubauen,

mitzutragen,

mitzuhelfen,

dass der Geist deiner Liebe

mehr und mehr spürbar wird,

überall, wo wir stehen.

 

Friederike Stadler

CANISIUSWERK

Zentrum für geistliche Berufe

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1010 Wien

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