Samstag 18. November 2017
Diözese Linz
Dr. Johann Hintermaier

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Aus der Diözese Linz

Berufung braucht Begleitung

„Cool, das habe ich mir ganz anders vorgestellt”, sagen meine Neffen und Nichten, wenn ich von meiner Arbeit als Priester erzähle ...

 

Besonders jene Menschen, die selten persönlichen Kontakt zu Priestern und Ordensleuten haben, tragen vielfach ein von den Medien geprägtes Bild in sich, das der Wirklichkeit kaum entspricht.

 

Berufung und Alltag 

Die Schönheit des Priesterberufes und die Schwierigkeiten sind vielen nur wenig bewusst. Freud und Leid, Schönheit und Probleme gibt es in jedem Leben. Das gehört im geistlichen Leben genau so dazu, egal ob Priester oder Orden, verheiratet oder nicht. Unsere Gesellschaft hat zurzeit Probleme, die Sinnhaftigkeit eines geistlichen Lebens zu erkennen und zu schätzen. Dennoch ruft Gott in unserer Zeit, wenn auch leise.


Ich erlebe es in Gesprächen immer wieder, dass junge Menschen zu mir kommen, und mir erzählen, dass sie sich von Gott angesprochen und berührt fühlen. Manchmal wissen sie gar nicht, wie sie mit dieser Erfahrung und Unruhe (auf Gott hin) umgehen sollen. Kann es sein, dass man aus den gewohnten Bahnen herausgerufen wird, um vielleicht ein Leben im Dienst Gottes und für die Menschen zu leben? Schnell kommen heutzutage „Freunde” zu Hilfe, um einem diesen Gedanken mit vielen „guten Gründen” wieder auszureden. Es gibt ja leider auch genug davon. Es gibt aber auch einen entscheidenden Grund, sich für einen geistlichen Beruf zu entscheiden – und das ist die Liebe Gottes.

 

Berufung gemeinsam klären

Berufung bedarf einer wohlwollenden und verständnisvollen Begleitung und Pflege. Ein einmal aufgetauchter Gedanke will weitergeführt, geklärt und vertieft werden. Dazu brauchen wir echte Freunde, die uns in Gesprächen und Begleitung nahe sind und uns helfen, den „eigenen Vogel” vom Heiligen Geist zu unterscheiden. Im Gespräch mit anderen werden die eigenen Position und Gedanken erst deutlich und klar. Es bedarf dazu auch der persönlichen Auseinandersetzung mit diesen Gedanken in Stille und Gebet, denn Berufung klärt sich auch im Gespräch mit dem der ruft. Es ist unumgänglich, dass man sich Zeit nimmt für Gott und sich ganz bewusst von Ihm leiten und begleiten lässt. Die Führung des Geistes ist eine Tatsache, die schon viele Menschen erleben durften. Eine Lebensentscheidung ist nicht nur eine rationale, sondern zutiefst auch eine emotionale und intime Entscheidung für eine Beziehung. Geistliche Berufe haben ihren tragfähigen Grund in der Gottesbeziehung. Die Pflege der Beziehung zu Gott, den anderen Menschen und zu sich selbst ist die Grundlage für ein segensreiches Wirken als geistlicher Mensch. Wer nur um sich kreist, kann keine Kreise ziehen.


Berufung miteinander leben 

Das Leben einer Berufung und die Lebensentscheidung bedürfen wertschätzender Anerkennung und schützender Rahmenbedingungen. Der Mensch lebt seine Berufung nicht allein. Als geistliche Gemeinschaften und Pfarren sind wir füreinander verantwortlich.


Ein kleines Erlebnis 
Im Jänner war ich nach Berlin in die Pfarre Maria Frieden eingeladen, um dort die monatliche Wallfahrt mit den Gläubigen zu feiern. Beim Zusammentreffen im Pfarrsaal kam das Gespräch auf das Miteinander von Pfarrer und Gemeinde. Jemand meinte dann, wir sind dann wohl wieder die Schafe, und der Pfarrer sagt, wo es lang geht? Nein, gab ich spontan zur Antwort, der Pfarrer ist das Schaf, und Sie sollen für ihn sorgen. Allgemeines Gelächter war die erste Reaktion. Aber als wir dann das Gespräch vertieften, wurde uns allen klar, dass auch, oder besonders, Priester es brauchen, dass jemand für sie sorgt und sie nicht nur versorgt. Die Sorge um den Menschen ist das Grundanliegen jeder Pastoral. Wenn ein Priester vernachlässigt wird oder sich selbst vernachlässigt, leidet bald die ganze Gemeinde mit und an ihm. Geistliche brauchen betende, sorgende, ehrliche und wohlwollend kritische Menschen im Hintergrund, damit der Geist nicht vertrocknet und jeder in seiner Berufung wachsen und reifen kann. Priester verpflichten sich im Stundengebet, für die Gemeinden zu beten, aber auch umgekehrt besteht eine große Verpflichtung.

 

Gemeinden und Gemeinschaften sollen auch für geistliche Menschen beten und Sorge tragen. Ist man über seine Kräfte hinaus ständig in Frage gestellt, besteht die Gefahr des Rückzugs in geschlossene Bereiche und Isolation. Eine lebendige und dem Pfarrer zur Seite stehende und für ihn sorgende Gemeinde kann hier sehr segensreich wirken. Auch Seelsorger brauchen jemand, der sich um ihre Seele sorgt.

 

Berufung heute 

Es gibt auch in unserer Zeit und Gesellschaft junge Menschen, die sich durchaus zu einem geistlichen Beruf gerufen wissen. Was wir brauchen, sind klar und vernünftig denkende junge Leute, die mit der Welt vertraut sind, ihre Gesetzmäßigkeiten kennen, und in dieser Welt leben, sie schätzen und lieben, aber darin nicht aufgehen. Die Berufung durch Gott gibt dem Leben und Wirken aber einen besonderen Grund und Auftrag. Wir sind nicht berufen, einfach irgendetwas zu reden, sondern das Evangelium zu verkünden. Das Reich Gottes ist dann nicht irgendwo, sondern mitten unter uns – cool, nicht wahr!


Johann Hintermaier 
Regens des Linzer Priesterseminars

Priesterseminar Linz
Harrachstraße 7, 4020 Linz
Telefon: +43 732 77 12 05

 

 

Gerufen sein

Herr, du rufst uns,

mitzubauen an deiner Kirche,

mitzutragen an der Verantwortung,

mitzuhelfen, dass die Liebe unter uns wächst.

 

Lass uns nicht

über Steine am Weg stolpern,

sondern sende uns

deinen Geist,

damit wir uns einzusetzen wagen für andere.

 

Gib, dass das,

was in uns aufgebrochen ist,

nicht wieder

verschüttet wird von

Lauheit und Resignation.

 

Lass uns alle Kräfte einsetzen

um mitzubauen,

mitzutragen,

mitzuhelfen,

dass der Geist deiner Liebe

mehr und mehr spürbar wird,

überall, wo wir stehen.

 

Friederike Stadler

CANISIUSWERK

Zentrum für geistliche Berufe

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1010 Wien

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Fax: +43 1 512 51 07 - 12
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