Freitag 19. Januar 2018
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Berufung

Erfüllung trotz unerfüllter Wünsche

P. Maureder über Gelübde als „Heilmittel“

Ganzhingabe & Gelübde als Zeichen verschwenderischer Freiheit und gegen eine verkrampfte Lebenssicherung.

 

 

Gelübde, ein Zeichen verschwenderischer Freiheit

„Schade“, sagte da jemand neben mir, als Renate mit ihren 28 Jahren gerade ihre Gelübde versprochen hatte. „Die ist Ärztin, hübsch, mit einem angenehmen Charakter, lebendig und weltoffen. Sie hätte doch für ganz andere Dinge nützlich sein können!“ Wirklich schade!? Oder Christian, in bester Position beim Roten Kreuz. Da fließen Millionen über seinen Schreibtisch für die Hilfe in Krisengebieten – auch durch seinen Einsatz! Ein sicherer und interessanter Job, eine gute Wohnung in zentraler Lage, er selbst intelligent und geschätzt, eine Karriere vor den Füßen. Und dann seine Einsicht: „Es muss mehr als geplante Zukunft geben.“ Er kündigt und wird Ordensmann. „Ewig schade!“, dachten sich einige ehemalige Mitarbeiter und auch die eine oder andere Freundin.

 

Eine Kultur verkrampfter Lebenssicherung

Zwei Lebensgeschichten, die den vorherrschenden Zeitgeist und unsere Lebenskultur infrage stellen. Bauen wir nicht zu sehr unser Glück auf Besitz und einen angenehmen Lebensstil auf? Setzen nicht viele in übertriebener Weise auf Ansehen und auf freien Ausdruck in Beziehungen und Sexualität? Und ist es nicht heute zu selbstverständlich, ganz unabhängig über sein Leben bestimmen zu können und Einfluss auf Vorgänge und Menschen haben zu wollen? Es ist eine allzu menschliche und doch verkehrte Tendenz, das Leben fest im Griff behalten zu wollen. Auch Jesus wurde in der Wüste in diesen drei zentralen Lebensbereichen versucht (Mt 4,1-11): im Haben, indem er Steine in Brot verwandeln sollte; im Ansehen und der Zuwendung durch Menschen, indem er durch einen Sprung von der Zinne des Tempels – ohne Schaden zu leiden – alle zum Staunen bringen könnte; und in der Selbstbestimmung und Macht, indem der Versucher ihm die umliegenden Städte zeigte und ihn zum Herrscher über sie machen wollte.

 

Die drei Gelübde von Armut, eheloser Keuschheit und Gehorsam sind wie „Heilmittel“ gegen diese Versuchungen, wollen befreien aus einer verkrampften Lebenssicherung. Damit wird spürbar, dass die drei evangelischen Räte, die von manchen Menschen in den Gelübden exemplarisch gelebt werden, Momente eines jeden christlichen Glaubens sind.

Wie aber kann ein junger Mensch gegen den Strom schwimmen, sich so „aus der Hand geben“? Wie kann jemand freiwillig auf etwas verzichten, das doch die Natur des Menschen als Tendenz vorgibt und befriedigt haben will? Laufen nicht so natürliche Kräfte ins Leere, werden einfach verschwendet, um nicht zu sagen, vergeudet?

 

Gelübde sind ein Akt der Freiheit

In einem großartigen Film von Peter Pawlowski über Ignatius von Loyola, der im Jahre 1538 in Rom spielt, will Ignatius in einem Gespräch mit dem Kurienkardinal De Cupis Verleumdungen und Missverständnisse aus- räumen, die gegen ihn und seine ersten Gefährten aufgekommen sind. Er versichert, dass er den Lehren der Kirche immer gehorchen werde, dass der Orden, den er zu gründen gedenke, sich sogar in einem eigenen Gehorsamsgelübde direkt an den Papst binden werde. Und dann spricht er jenen bedeutungsvollen Satz aus, der die innere Erfahrung seines Lebens erahnen lässt: “Der Gehorsam ist ein Kind der Freiheit!“

 

Ob es um die Armut geht, um die ehelose Keuschheit oder den Gehorsam: Nur ein höherer Wert rechtfertigt eine solche freiwillige Lebensform. Mich bewegt immer wieder die Bibelstelle vom Schatz im Acker oder von der besonders schönen Perle, die ein Kaufmann findet (Mt 13,44-46). In seiner Freude verkauft der Mann alles, was er besitzt, um den Acker zu kaufen, in dem der Schatz verborgen liegt. Das Loslassen geschieht in großer Freiheit und ist mit echter Freude verbunden. Wenn Gott dieser „Schatz“ ist, macht er Menschen frei vom Trieb nach den üblichen Befriedigungen. Er löst sie von Neigungen und Anhänglichkeiten an Dinge, Personen und Ideen, die egoistisch und schädlich sind. Die Begegnung mit Gott macht diese verschwenderische Freiheit und Hingabe an ihn und die Menschen möglich. Die Lebensform der Gelübde kommt aus einer tiefen Erfahrung der Freiheit in Gott. Gelübde können deshalb für eine verkrampfte Gesellschaft, die am Ich und am Irdischen hängen bleibt, Orientierung und Wegweiser zu einem Leben sein, das erfüllter ist. Sie legen den Finger auf die Notwendigkeit, loszulassen, weil wir uns das Leben auf dieser Welt nicht sichern können, weil das Glück jenseits von Haben, Autonomie und Ansehen liegt. Sie lenken den Blick höher, auf den, der über allem steht, und auf das, was bleibt und nicht von Motte oder Wurm zerfressen wird. Ist das nicht gut investierte Verschwendung?

 

Verschwendung aus Liebe

Die Frau von Betanien salbt Jesus die Füße mit kostbarstem Öl, so schildert es die Bibel (Mt 26,6-13). Die Jünger werden unwillig über diese Verschwendung.  Doch Jesus lobt das Tun dieser Frau und nimmt sie in Schutz. Beim Evangelisten Lukas ereignet sich diese Szene im Haus eines Pharisäers, der sich innerlich darüber sehr erregt (Lk 7,36-50). Zu ihm sagt Jesus über die Frau:  „Ihr sind viele Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat.“ Jesus sieht dieses verschwenderische Tun als einen reinen Ausdruck ihrer Liebe und freut sich darüber. Hat nicht auch ein Maximilian Kolbe im Konzentrationslager von Auschwitz aus Liebe zu Gott und zu einem Familienvater sein eigenes Leben hingegeben? Und haben nicht in allen Zeiten manchmal kleine Dörfer oder Städte sehr viel an eigenem Gut eingesetzt, um für den Gottesdienst prächtige Bauten hinzustellen? Ebenfalls Verschwendung aus Liebe! Oder das Geheimnis der Eucharistie: Zeichen der verschwenderischen Freiheit Jesu, seiner Hingabe aus Liebe für die Vielen. „Es ist Unsinn, sagt die Vernunft. Es ist, was es ist, sagt die Liebe“ (E. Fried). Auch „die evangelischen Räte bekunden die lebendige Fülle der Liebe, die immer noch mehr schenken möchte“ (Katechismus der KK, Nr. 1974). „Wer das erfassen kann, der erfasse es“ (Mt 19,12).

 

Erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche

Es drängt sich die spannende Frage auf: Bringt eine solche Verschwendung aus Liebe, ein solches Opfer tatsächlich mehr Leben? Denn der Weg kann auch scheitern, vor allem dort, wo nur halbherzig gegeben wird. Wenn sich aber ein Mensch im tiefen Vertrauen auf Gott verschenkt, dann kann ihn das Gelübde der Armut zum Teilen mit anderen befreien; die ehelose Keuschheit kann ihn in der Liebe zu allen Menschen wachsen lassen; und der Gehorsam kann zum Dienen befähigen, wie und wo es gerade am meisten nötig ist. Wenn in dieser Hingabe auch „der äußere Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert“ (2 Kor 4,16). Darin liegen Geheimnis und Verheißung dieser Lebensform.  Es wäre ewig schade, wenn Renate oder Christian ihren Weg der Gelübde nicht gewagt hätten. Sie selbst wären – wie der reiche Jüngling im Evangelium – traurig weggegangen, und vielen Menschen hätte ihr Einsatz nicht zugutekommen können. Gewiss, sie haben in verschwenderischer Freiheit persönlich auf Gutes und Wertvolles verzichtet. Aber so konnten sie ihr ganzes Leben Gott schenken im Dienst an den Menschen. Die Freude auf ihren Gesichtern, die trotz der Mühen immer wieder erkennbar ist, macht auch jene nachdenklich, die bezweifeln, dass solch eine „Verschwendung des Lebens“ glücklich machen kann.

 

P. Josef Maureder SJ

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