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Jan.
Oberösterreich
Berufung

Ein Fenster für Gott

Priesterlicher Dienst − durchsichtig sein für das Handelns Jesu Christi in und an seiner Kirche. Gedanken zur Priesterberufung von Regens Richard Tatzreiter.

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Mein Beschreibungsversuch beginnt mit einer Erinnerung: Urlaubszeit in meiner Kindheit. Ich sehe den Urlaubsort unserer Familie vor mir: einen winzigen Ort mit Schloss und See. Mit meinem Bruder bewohnte ich ein kleines, leicht verwinkeltes Zimmer unter dem Dach, das zwei Fenster hatte. Jeder von uns hatte also „sein“ Fenster. Beide Ausblicke boten aber die gleiche Perspektive: Durch die Glasscheiben konnte man den Himmel sehen, in der Nacht das Lichtermeer der Sterne, am Tag den blauen oder bewölkten Himmel.

 

Öffnung zum Himmel 

Priesterlicher Dienst hat etwas von diesen beiden Fenstern im Dach des Urlaubsquartiers meiner Kindheit: Zunächst beziehe ich dieses Bild vom Dachfenster auf die Stelle aus dem Gespräch Jesu mit Nikodemus: „Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn“ (Joh 3,13). Gemäß unserem Glauben ist Jesus der Zugang, die Öffnung vom Himmel her und zum Himmel hin. Durch ihn ist die Wohnung der Menschen in das Licht „von oben“ getaucht. Wer sich demnach an Jesus hält, schaut durch ihn auf den, der – theologisch gesprochen – der Himmel ist. „Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh 14,9). Dieser Blick durch das Fenster gewährt Einblick und Teilhabe am Leben der Dreifaltigkeit. Der Durchblick durch das Fenster macht klar: Nicht das kleine Dachzimmer meines Lebenshauses ist das Maß aller Dinge, sondern die maßlose Liebe dessen, der die grenzenlose Weite des Himmels in die begrenzten Bedingungen dieser Welt und Zeit hereinleuchten lässt. Ohne dieses Fenster, das mein Dach nach oben öffnet, bleibt das Leben eng, stickig und finster.

 

Fenster für Gott 

Berufung zum priesterlichen Dienst ist nach meiner Auffassung Teilhabe und Mitwirkung an diesem Fenster-Sein Jesu Christi für den Himmel, also für Gott, aber auch für die Menschen in ihrem Lebensraum. Es gibt nur einen Priester: Jesus Christus. Und alle, die an seinem Priester-Sein, oder – im Bild gesagt – Fenster-Sein gemeinsam teilnehmen, sind Kirche. Damit aber diese Geschenkhaftigkeit des Himmels in der Kirche und in der Welt erkannt werden kann und deutlich wird, gibt es eine spezifische Weise dieses „Fenster-Seins-Für“ oder der Partizipation am Fenster-Sein Jesu: den Dienst, der in der Kirche von den Bischöfen und den Presbytern in differenzierter Weise ausgeübt wird, in enger Gemeinschaft mit den von ihnen unterschiedenen Diakonen.

 

Kardinal Kurt Koch hat diesen Zusammenhang in seinem vor zehn Jahren erschienenen Buch „Fenster sein für Gott“ theologisch auf den Punkt gebracht: „Die sakramentale Dimension des priesterlichen Dienstes bedeutet für den Priester konkret, dass er überall dort seine Sendung verdunkelt oder gar verrät, wo er sich selbst in den Vordergrund schiebt und nicht mehr durchsichtig ist für das Handeln Jesu Christi in und an seiner Kirche. Denn das priesterliche Amt soll und muss sichtbar machen, dass es dazu berufen ist, die ganz und gar menschliche Darstellung Jesu Christi zu sein. Diese kann aber nur gelingen, wenn sie nicht zur persönlichen Selbstdarstellung verkommt. Diese Gefahr ist vor allem dort gegeben, wo ein Priester seine Person an die Stelle seiner Sendung setzt und im Aufbauschen seiner eigenen Wichtigkeit, den Umfang seiner verloren gegangenen Sendung wettzumachen versucht. Das verführerische Mittel, das die menschliche Darstellung Jesu Christi zu einer allzu menschlichen Selbstdarstellung geraten lässt, ist das Silber, das ein durchsichtiges Fenster in einen undurchsichtigen Spiegel verwandelt. Der Priester aber ist berufen und verpflichtet, als durchsichtiges Fenster zu leben, um sich selbst und den Menschen den Durchblick auf Christus hin zu ermöglichen. Deshalb darf er in seinem amtlichen Auftrag gerade nicht die Unmittelbarkeit des Einzelnen zu Christus stören, sondern hat sie vielmehr zu ermöglichen. Der Priester ist in die Pflicht genommen, als transparente Ikone Jesu Christi zu leben und zu wirken, die in entscheidenden kirchlichen Vollzügen allein ,in persona Christi‘ handeln kann.“[i]

 

Ich kehre nochmals zu den beiden Dachfenstern im Urlaubsquartier meiner Kindheit zurück und benenne anhand dieses Bildes drei wichtige Charakteristika meines Dienstes als Presbyter:

 

Transparent, aber stabil 

Fenster im Dach sind zwar durchsichtig, transparent, aber mit dem starken Fensterglas nicht völlig durchlässig und schwammig, sondern stabil, zugleich aber beweglich, um gegebenenfalls öffnen oder schließen zu können. Priesterlicher Dienst beansprucht meines Erachtens, von Persönlichkeiten ausgeübt zu werden, die sich verantwortungsbewusst in das Lebenshaus der Kirche einfügen, die menschlich und geistlich stabil sind, aber zugleich beweglich und bereit für das, was die Menschen wirklich bewegt und was sie brauchen, um „das Leben zu haben“. Diese Spannung auszuhalten, ist eine lebenslange Herausforderung: Einerseits ist es der Anspruch, authentisch den Himmel „durchzulassen“, und andererseits die Erfahrung, dass die dafür notwendige Transparenz durch so manchen selbstverursachten Schmutz auf dem zerbrechlichen Glas der eigenen Existenz gestört wird. Nur das Urfenster, Jesus, zeigt den Himmel ungetrübt. Diese Spannung gehört zu diesem Dienst, weil er von Menschen ausgeübt wird, die von Gott als solche berufen und befähigt werden.

 

Zusammenführung 

Die beiden kleinen Dachfenster des Urlaubsquartiers hatten eine besondere Wirkung. Wenn nämlich mein Bruder und ich von den Wanderungen mit unseren Eltern zurückkamen, gab es einige auf dem Weg gesammelte Erinnerungsstücke: Steine, Insekten, Baumrinde … Um diese „Mitbringsel“ genauer in Augenschein zu nehmen, stellten sich mein Bruder und ich oft gemeinsam in das Licht, das durch eines der beiden Fenster fiel. Manchmal kamen dann noch mein Vater und meine Mutter dazu: Jedes der Fenster ermöglichte Versammlung, gemeinsames Innewerden des Weges und alles dessen, was uns auf ihm widerfahren war. Priesterlicher Dienst ist Dienst an der Zusammenführung durch das Licht des Himmels, Dienst an der Einheit in der Kirche und in der Welt, für die Kirche und für die Welt.

 

Vielfalt in Gemeinschaft 

Es waren zwei Dachfenster. Mein Bruder und ich, jeder hatte „sein“ Lieblingsfenster. Sie waren durchaus verschieden durch die Anordnung im Raum und die jeweilige Geschichte. So waren an einem der beiden Fenster Spuren von Ausbesserungsarbeiten zu sehen, das andere war noch im „Urzustand“. Presbyter ist man nie allein, sondern immer gemeinsam mit anderen im selben Raum, im Raum der Kirche. Und keines der Fenster kann den gesamten Himmel zeigen, außer das Ur-fenster. Aber ihre Grundausrichtung und die Grundfunktion ist dieselbe. Gerade in der Vielfalt der unterschiedlichen Biografien, Begabungen und Aufgaben im Presbyterium der Ortskirche spiegelt sich etwas von der Vielfalt der Catholica. Nur in Gemeinschaft miteinander und mit dem Bischof kann dieser Dienst glaubwürdig ausgeübt werden: Die Unterschiedlichkeit der Charismen in den Schwestern und Brüdern zu erkennen, zu schätzen, zu fördern und im Hören auf den Geist auf das Ganze der Kirche und ihren Dienst in der Welt hinzuordnen, mit einem Wort: Fenster zu sein. 

Richard Tatzreiter

 

[i] Koch, Kurt, Fenster sein für Gott. Unzeitgemäße Gedanken zum Dienst in der Kirche, Fribourg/Schweiz 2002, S. 61.

 

Zur Person: Dr. Richard Tatzreiter ist seit Jänner 2011 Regens des Wiener Erzbischoflichen Priesterseminars und langjähriges Mitglied der Redaktion "miteinander".

 

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